Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 90 (21.9.1839)
- Date
- 1839-09-21
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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476 sie in ihrem innern Geiste lieget, auch auf ihre äußeren Theile als völlig umfassend nachzuweisen, und die genetische, fortschreitende Entwickelung der einigen Ideen durch alle ihre Schriften aufzusi'nden und offenzulegen. So wie auf der einen Seite die Idee der Gottheit und insonders der geoffenbarten Gottheit sich bis zur Vollendung im ganzen Kreise der. heiligen Schriften herausstellt, so auf der anderen die Idee, der menschlichen Moralität, und diese in ihrer doppelten Verwirklichung, der Socialität und Humanität, wo denn jene wiederum das Gesetz und den Staat enthält. Um nur Etwas anzudeutey: so führt das erste Buch Moscheh — durch 1) die Schöpfungsgeschichte, 2) die Urgeschichte der Menschheit, 3) die Vorgeschichte der Offenbarung — aus dem Allgemeinen in das Spezielle, stellt zuerst das Verhaltniß des Menschen zur. Natur, zu den Geschöpfen, zu sich fest, entwickelt die Sozialität nach außen und innen, begründet dann die Offenbarung, und stellt ein zu einem Volke heranwachsendes Geschlecht, mit den dadurch nochwendigen Bedingungen der Isolirung, auf. — Es ist einsichtlich, daß bei einer solchen Entwickelung von innen heraus, die Lehrsätze der heiligen Schrift, wie sie von dieser theils faktisch angedeutet und plastisch gegeben, theils theoretisch aufgestellt sind, sich deutlich abzeichnen und zur klaren Anschauung kommen, noch dazu da die Fülle des modernen Bewußtseins sie um so scharfer zu gruppiren versteht. 2) Exegetisches. Indem nun mit der Schrift stets aus' dem Allgemeinen in das Besondere eingegangen wird, ergibt' sich aus der allgemeinen Erklärung das Verstandniß des Einzelnen, auf dessen Klarheit mit allen Mitteln gestrebt wird. Hier ist es, wo sich die ganze Geschichte der Exegese der heiligen Schrift an das Allgemeine anschlkeßt, und von der Tradition an, die in Talmuden und Midraschim, in Targumim, Septuag. und Josephus niedergelegt ist, durch die jüdischen Kommentare eines Raschi, Rambän, Ran, Rabe, R'dak, Abarbanel rc. nebst Notizen aus der anderweitigen rabbinischen Literatur, aus Rambam, Albo, Bechai rc., hindurch, bis in die neueste kritische Schule des de Wette, Geseniu's, Ewald, Bohlen, Hitzig u. A., mit Benutzung ihrer Vorgänger, Michaelis, Eichhorn, Rosenmüller rc. der gan^e Schatz des Bishergewonnenen übersehen wird. Während nun auf den grammatischen und lexikalischen Forschungen beruht wird, ist es ' vielmehr das Reale, welches zur Klarheit gebracht werden soll. Hierzu trägt nun ein glücklicher Umstand ganz besonders bei, dies ist: die Vergleichung der Berichte der tüchtigsten und sachverständigsten Reisenden über die Sitten der heutigen Juden, Perser und Araber, welche, bei dem vielfachen Stillstand des orientalischen Charakters ein öfters ungeahntes Licht über Parthien der heiligen Schrift werfen. So auch ein genaueres Eingehen in die Lokalitäten und naturhistorischen Gegenstände'der heiligen Schrift, welche mit Sorgfalt und Ausführlichkeit betrachtet, die Ausdrücke der heiligen Schrift auf einen Hellen Hintergrund bringen. Gehen wir diesen Weg nicht ohne großen Gewinn, so heben wir insbesondere die geschichtliche Behandlung des Gesetzes hervor, dessen Fortgang durch Mrschna, Talmud, Maimuni bis Karo getreu nachgewiesen wird. 3) Historisches und Antiquarisches. Indem die Offenbarung an dem israelitischen Volke in die. Erscheinung trat, stellt sich als eine Hauptparthie der heiligen Schrift die Geschichte des israelitischen Volkes dar. Hier ist es, wo die Offenbarung der Aeußerlichkeil, dem Leben mit all' seiner Beweglichkeit preis gegeben ist. Wie sie sich da am Leben des israelitischen Volkes gestaltete, wie dieses hinwiederum durch die Offenbarung beherrscht, vervielfältigt, modisi'zict, und aus der gewöhnlichen Völkergeschichte hecausgehoben ist — dies fortlaufend nachzuweisen, ist Aufgabe des Kommentars, welcher somit die Grundlage der Geschichte des israelitischen Volkes ergiebt, und das wahre Licht selbst über die späteren Geschehnisse dieses Stammes wirft. Indem das israelitische Volk aus dem Boden der Offenbarung erwachst, zum Theil aber durch den Kampf mit der Außenwelt ihn überwachst, dennoch aber allein von ihm gehalten wird, erstehet so ein mannichfaltiges Leben mit allen möglichen Schattirungen, wie es bei anderen Nationen, bei denen es sich stets nur um die äußere Existenz und die Gestaltung der staatlichen Verhältnisse handelt, nicht geahnet wird. — Insofern aber das israelitische Volk dem Altecthum angehört, und diesem selbst entwurzelt ist, bietet die heilige Schrift auch ein bedeutendes Konvolut von.'Antiquitäten dar, die zu beschreiben und durch Vergleichung.mit denen der nachbarlichen Völker, der Aegyptier, Syrer, Phönizier und Perser zu erhellen, der Kommentar' nie unterläßt. 4) Biographisches und Charakteristisches. Der weite Raum der heiligen Schrift, ist ausgefüllt von dem israelitischen Volke als Ganzheit, und von den Individuen, die als Träger seiner Bestimmung und Geschichte auftreten. Der Kommentar unterlaßt nicht, in Einleitungen das Leben dieser hervorragenden Männer, abgesehen von der Ausführung im Detail, kurz zu skizziren und zu charakteristren, um ein prägnantes Bild ihrer Persönlichkeiten zu schaffen. 5) Sprachliches. Haben wir schon oben angedeutet, daß der Kommentar weniger das grammat. und lexikal. Gebiet berührt, und nur insofern, als es zum Verständniß