Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 89 (14.9.1839)
- Date
- 1839-09-14
- Page
- Seite 467 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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467 betreten; es denkt auch keiner daran, ein solches Wagestück zu unternehmen, und wenn man den Europäern aus hoher Achtung und mit Berücksichtigung einer reichlichen Belohnung den Besuch eines solchen Orts gestattet, so geschieht es immer heimlich und verkleidet. Wenn man einen armen Juden oder Armenier in dem Grabmal des Jmaum Neza oder der Fatima oder in der großen' Moschee zu Schiraz fände, so wäre der Tod eben so gewiß sein Loos alsinCon.- stantinopel oder Damaskus. VM. Irrdi e n. Indien besitzt zwar eine große Anzahl Juden, wenn auch nicht im Vechaltniß zu der Masse der Eingebornen und Colonksten, so doch in Hinsicht auf die gänzliche Uebergehung und Nichtachtung derselben, die sich , fast alle, selbst englische Reisende, zu Schulden kommen lassen. Uns über ihre Stellung zu den Indiern selbst und zu den dort wohnenden Tausenden von Christen, ja selbst über ihre Rechte, welche die englische Regierung ihnen gewahrt, aufzuklären, dünkt sie fast nicht der Mühe werth. Noch weniger verdient ihre Aufmerksamkeit ihr etwaiges Fortschreiten in Cultur und Bildung; wir wissen nicht, ob sie Verbesserungen oder Veränderungen im Gottesdienst .getroffen haben, oder ob diese bei ihnen nicht im geringsten Noth thaten; und in wie weit sie an der Wiederbelebung oder wenigstens an der Erhaltung der hebräischen Literatur Theil genommen haben, darüber sind wir ganz im Dunkeln. Die englischen Missionare kümmerten sich nur um sie, so weit sie es für ihren Zweck für nöthkg erachteten, oder so weit es ihre beliebte Forschung nach dem Aufsinden der 10 Stämme erforderte. Bekannt ist es, daß die Hypothese, sie wirklich wiedergesehen zu haben, hier am meisten von allen Forschern bekräftigt wurde. Aus ihren Nachrichten erhellt ungefähr, daß, auf eines in Bagdad gebornen Gelehrten, Aaron Massiah, Versicherung, ein Volk, Namens Beni Israel, gegenwärtig in Bombay wohnt, welchesgänzlich von den weißen Juden unterschieden wäre. Sie bewohnen allein, außerhalb der Stadt, ein Quartier, Namens Bareallu. Sie besitzen eine eigene Synagoge und einen Häuptling,, der die Stelle eines Soubadars in der Armee bekleidet und alle ihre Zwistigkeiten schlichtet. Es mögen ungefähr 300 solcher beniisraelitische Familien sich in Bombay befinden, während die Zahl der Familien an weißen Juden nicht mehr als 10 beträgt. Rabbi Benjamin von Cabul, der von dort, wo er lang gewesen war, sich nach Bombay und später nach Madras verfügte, erwähnte die Thatsache, daß während er sich in Poonah aufhielt, einige von diesen Mitgliedern Beni-! Israels zu ihm kamen., daß er ihre Vögel schlachte. Auch in Bombay sprach er. diejenigen, von welchen Aaron Massiah Erwähnung thut, und er berichtete, daß sich nicht wenig derselben unter der indischen Armee befänden. Ueberdieß zählt man noch wenigstens 5000 Juden zu Concan, 2700 zu Bombay, und mehrere Tausend auf der Küste von Bombay bis Cochin, und alle diese Juden theilen sich selbst in 3 Stämme ein, über deren Benennung und Einrichtung aber nichts Gewisses verlautet. (Ueber die Juden zu Cochin, und die Einrichtung der Synagoge daselbst und die Bücher, welche sie enthält, hat bereits am Anfang dieser allgemeinen Uebersicht einige Erläuterung gegeben werden können). IX. Asiatische Sekten und Abarten. Wolfsis Reisen, verbunden mit den Bemühungen und eifrigen Forschungen, denen er sich, man muß es ihm zum höchsten Lobe sagen, während der ganzen Zeit seines Besuchs in Asten keinen Augenblick entzog, haben zur Kenntniß der Verhältnisse des jüdischen Volks im Orient sehr viel beigetragen; besonders verdanken wir ihm die genauere Bekanntschaft mit verschiedenen Sekten oder Abarten desselben, die früher gar nicht zur Gemeinschaft mit unsrer Nation gerechnet, oder als verschollen betrachtet wurden. Wir stellen Imter dieser Rubrik hier einige Nachrichten zusammen, die theils er, theils neuere Reisende über diese verschiedenen Stämme gesammelt haben, weil die genauesten Angaben von ihnen zur Zeit noch fehlen, und man nicht gewiß weiß, wie weit und in welchen Landern des Orients sie verbreitet sind. Der Stamm der Kinder Rechabs war schon den Nachforschungen Benjamins von Tudela nicht entgangen. Er will sie in der Nachbarschaft von Mecca entdeckt haben. Aber da das Zeugniß dieses Mannes in einem jener Bücher verborgen lag, die nur selten der Gelehrte der Profession nachschlagt, so ging es für die Geschichte-verloren. Durch Wolff und neuere Reifende erhalt es nun seine vollkommene Bestätigung. Einige arabische Juden, denen er in der Wüste begegnete, fragte Wolff, ob keine Rechabiten unter ihnen wären? Hier ist Einer! erwiederten sie. Es war ein Mann von martialischer Haltung? ausdrucksvoller Physiognomie und arabischer Kleidung, auf welchen sie zeigten. Dieser nahm eine arabische Bibel mit gegenüberstehenden hebräischen Text,' welche ihm vorgelegt wurde, las mehrere Stellen, und antwortete mit donnernder Stimme auf mehrere Fragen des Missionärs. Als ihn der Letztere fragte, wer er sei, so las er Jerem. 35, und rief aus: „Ich bin ein Sohn Rechabs." Er lud den Missionär, den er als solchen nicht kannte, ein, feinen Stamm zu besuchen und Bi-