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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-14 · Heft 89 (14.9.1839) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 89 (14.9.1839)
Date
1839-09-14
Page
Seite 466 (sequence 6)
Language
German
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466 Allerdings ist den Forschungen dieser Missionäre nicht sehr zu trauen, weil sie, in ihrem Eifer etwas Neues zu liefern, sich von der geringsten Ähnlichkeit in Sprache, Sitten oder Nationalität, ja von einigen hingeworfenen Andeutungen der Eingebornen selbst sich Hinreißen lasten, und gleich bereit sind, abenteuerliche Meinungen zu verfechten. So wird Fletcher's frühere Meinung, welcher in den Lata-- ren Abkömmlinge Abrahams und die Reste der 10 Stämme unter ihnen bemerkt haben will, von solchen neueren Missionären heiß vertheidigt. Schon das Wort Tartar, welches im Syrischen Trümmer bedeutet, scheint ihnen hierzu Anlaß gegeben zu haben. Medien, schließen sie, war zu eben jener Zeit, wo Israels Gefangene nach Assyrien abgeführt wurden, assyrische Provinz; was scheint also natürlicher, als daß eben jene gefangenen Stamme in eine versteckter liegende Provinz versetzt wurden, und zwar in den Norden und Nocdosten vom caspischen Meer. Viele Städte, schließen sie ferner, ähneln in den Namen denen der palästinischen; so ist Samarchian, die jetzt in Trümmern liegende Hauptstadt der Tartarei, von Samaria wenig unterschieden; und diese Verschiedenheit selbst kann ja in der Aussprache hervorgegangen. Sie sollen aber selbst-einen Berg mit einem Schloß, Namens Tabor, und jenseits des Flusses Ardoen selbst ein Jericho besitzen. Auch werden die Tartaren allerdings in 10 Stämme getheilt, und bei allen gilt das Gesetz, keine Herrath außerhalb ihres Volks einzugehen. Sie selbst geben zu, — wenigstens einige derselben — von den Israeliten abzustammen und erzählen selbst, daß ihr großer Tamerlan vom Stamme Dan herkomme. Inwiefern diese Angaben alle zuverlässig sind, und ob die Meinung zu unterstützen sei, dieß steht zu erwägen natürlich nur dem Forscher zu. Nahe an dem Mesdschid Dschumah, dem ansehnlichsten Gebäude in Hanadan*), in einem Hofe voller Grabmaler, steht auch ein Gebäude, angeblich das Grabmal Esther und Mardochai. Es ist aus Backsteinen und besteht aus zwei Gemächern, deren eines bloß Eingang oder Vorgemach des andern ist und, mit der übrigen Bauart verglichen, neue Arbeit scheint. Aber das Ganze sieht nicht viel alter aus, als die ersten Zeiten des Muhamedismus. Es hat eine Kuppel, elliptisch, wie die heutigen Persischen, und die Lanze Bauart verrath auch sonst einen höchstens bis in den Saraceneneinfall hinauf reichenden Ursprung. Sir Gore Guseley schrieb eine hebräische Inschrift ab, die sehr roh in einen Stein gegraben und in die Wand des innecn Gemachs *) Dem ehemaligen Ekbatana nach D' Unvillc'S und Rennel'S, der besten neuern Beobachter, Entscheidung. ekngefügt.war, woraus sich ergibt, daß das Gebäude im Jahr der Welt 4474 von zwei andächtigen Kaschaner Juden über den Gräbern der Esther und des Mardochai aufgeführt worden. Der Rabbi aber, welcher Morier, von dem diese Angabe herrührt, begleitete, behauptete kühn, die Gebeine dieser heiligen Personen waren wirklich hier begraben und das Mausoleum wäre das fromme Werk des Sohnes Urdeschir. Als er aber merkte, daß man ihn übersah und der Gesandte die Schrift mit vieler Mühe entziffern konnte, gestand er, was er nicht langer verbergen konnte, und daß wohl schwer zu bestimmen sein möchte, wo die wirklichen Ueberbleibfel befindlich wären. Dieß Mausoleum, auf dessen Gipfel, bei Moner's Anwesenheit, ein Storchsnest war, ist übrigens ein sehr malerischer Gegenstand. Man geht hinein durch eine steinerne Thüre aus einem einzigen großen Stück, die man öffnet, indem man die Hand durch ein in dieser Absicht hinein gehauenes Loch steckt. Das erste Gemach ist ein Behaltniß für Embleme des Todes; denn außer mehreren Lampen findet sich noch das Tabut darin, der hölzerne Tragsessel, worin die Tobten zu Grabe getragen werden und anderes Zubehör. In das zweite Gemach muß man durch eine kaum anderthalb Fuß hohe Thüre kriechen, wo der Reisende zwei über und über mit hebräischen Charakteren beschriebene sarkophagenähnliche Gerüste, angeblich die Gräber, fand. An den Wanden waren Stellen aus dem Talmud in Gypsbuchstaben, durch kleine Oeffnungen in der Kuppel erleuchtet. Die armen Juden, welche Morier und seiner Begleitung folgten, freuten sich nicht wenig, daß sie an ihren Ahnen so viel Antheil nahmen, da hingegen die Mahomedaner unwillig schienen, daß sie sich für irgend etwas, was eine so verachtete Nation anging, interessiren konnten; denn hier sind sie, wie in Persien durchgängig, ein Auswurf in den Augen der Einwohner und nähren sich von einem unbedeutenden Handel. Zweihundert Familien leben in großem Elend, zahlen monatlich 20 Tomahes an die Regierung, und dürfen kein Feld bauen noch Grundeigenthümer sein.- Die Intoleranz der Perser, zu der sie sich von ihrem Glauben berechtigt denken, äußert sich gegen jeden Andersglaubenden auf eine auffallende Weise. So dürfen in der Regel weder die Juden noch die Christen sich in Persien der öffentlichen Bader bedienen; wenn vornehme Europäer es rhun wollen, so bemerktman ihnen gewöhnlich, daß es nur insgeheim geschehen darf, und es wird blos geduldet, weil die Regierung eine solche Nachsicht gegen die Europäer für räthlich häü. Die Todesstrafe trifft den Christm und Juden in Persien eben so wie in der Türkei, wenn er es wagt, eine Moschee öder einen andern heiligen Wallfahrtsort zu

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