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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-14 · Heft 89 (14.9.1839) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 89 (14.9.1839)
Date
1839-09-14
Page
Seite 465 (sequence 5)
Language
German
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465 zucht, können aber doch nicht ohne Handel leben. In Tiflis kaufen sie Baumwolle, die ihre Weiber spinnen, uno aus der sie nachher Zeuge machen, welche.sie selbst nachher färben und bunt bedrucken. Vorzüglich weben sie Leini (Russisch Burmet), eine Art persischen baumwollenen Zeuges, das sie nach Jmerethi, so wie die mehrsten ihrer Produkte, verführen. Sie sprechen, außer einem verdorbenen hebräischen Dialekt, Georgisch und haben Rabbinen, die sie Chacham nennen. Außer diesen zusammenwohnenden Juden trifft man noch mehrere ihrer Familien in den georgischen und ossetischen Dörfern zerstreut an, die sich vom Handel nähren und nach Gori und Tiflis zum Einkauf kommen. Ihre Abgaben sind nicht größer als die der übrigen georgischen Unterthanen. — In Jmerethi sind die Juden in weit größerer Anzahl vorhanden als in Kharthli, sie wohnen aber nur selten in einzelnen Dörfern, und treiben keinen Ackerbau, sondern beschäftigen sich mit ihrem Handel, der hier sehr beträchtlich ist. In den Städten On, Khuthaisi und Choni trifft man sehr viele von ihnen, .die auf den Jahrmärkten besonders mit georgischen und türkischen Waaren handeln und zum Theil ziemlich begütert sind. Sie geben dem König beträchtliche Abgaben und haben auch öfters, zumal in älteren Zeiten, Verfolgungen erlitten. Auch hier haben sie Weberstühle, auf welchen sie verschiedene baumwollene Zeuge verfertigen. In On geben sie imerethischen Kaufleuten ihre Produkte auf Kredit, welche diese auf eigenem Rücken zu den Dugurr und Balkar über das Schneegebirge verführen, und nach ihrer Zurückkunft bezahlen. Aus der Geschichte Georgiens (s. oben) sieht man, daß die Juden in sehr frühen Zeiten dahin gekommen sind. Alte Handschriften haben sie nicht, sondern behelfen sich mit dem zu Amsterdam gedruckten hebräischen alten Testament. — In On handeln Armenier und Juden besonders mit Eisenwaaren aus Zediß, mit baumwollenen Zeugen aus Georgien, und mit Salz und Hirse, daher die Osseten aus Dwaleti und Dugor und auch Ssuanen hieher kommen. — Zu der Zeit vor Wolff's Anwesenheit war der Zustand der Juden im russischen Georgien beinahe'eben so erbärmlich, als ihre Lage in Persien. Zu Karel, Berel, Zinwal, Kiochjatawisch,' Mereteah, Galzikh sind sie Sklaven georgischer Fürsten und können von denselben gleich ihren übrigen Leibeigenen verkauft werden; nur zu Suraw, wo sie einen Hohenpriester haben, sind sie nicht leibeigen, sondern unmittelbare Unterthanen des Kaisers. Sie tragen die georgische Landestracht. Sie verheirathen sich nicht mit den polnischen Juden, und ihre Töchter dürfen das Land nicht verlassen. Oni wird von Jmerethiern, Armeniern und Juden bewohnt, welche alle georgisch, unter sich aber jeder seine Sprache reden. Armenier und Juden handeln mit Eisenwaaren aus Tzedissi, mit baumwollenen Zeugen aus Karthli und mit Salz und Hirse, daher die Osseten aus Dwaleti und Dugor, Basianen und auch Swani hieher kommen. Das Dorf Antonia, an dem großen Bache Gwawana, wird von fünfzig jüdischen Familien ausschließlich bewohnt, die vor ungefähr 20 Jahren aus mehreren Dörfern, in welchen sie zerstreut waren, hier zusammengebracht wurden. Sie wohnen in Hütten von Strauch geflochten mit Chomisstroh bedeckt, in engen Gassen, welches dort um so mehr auffällt, da sonst die Georgianer in Akriba gern weit auseinander und im Gebüsch zerstreut wohnen. In Antonia ist alle Freitag ein von den Nachbarn stark besuchter, jüdischer Markt. In Kulaschi dagegen reden die Juden, deren es eine große Anzahl dort gibt, nur georgisch unter sich; sie scheinen, selbst ihre Geistlichen nicht ausgenommen, ihr Hebräisches vergessen zu haben. VII. Afghanistan. Man hat in neuerer Zeit, um das Räthsel in der Geschichte des jüdischen Volks zu lösen, — das gänzliche Verschwinden der 10 Stämme, — die Vermuthung aufgestellt, daß vielleicht die Afghanen Nachkömmlinge jener älteren Kinder^ des Exils seien. Dem berühmten Förster siel zuerst der jüdische Charakter in der Gesichtsbildung der Afghanen auf. Sir William Jones sprach sich geradezu für die Wahrscheinlichkeit einer Meinung aus, welche die benachbarten Völker und die Afghanen selbst theilten, da nicht anzunehmen wäre, daß barbarische Völker, bei der Dunkelheit, die dort über den jüdischen Namen zu herrschen pflegt, sich mit einer jüdischen Abstammung brüsten würden. Elphinstone, der Verfasser eines interessanten Werkes über Kabul, ist zwar anderer Ansicht, weil er keine Verwandtschaft zwischen der Sprache der Afghanen (dem Pushtu) und dem Hebräischen wahrnahm; dagegen behaupteten aber die Missionäre von Serampur nach einem länger» Aufenthalt in Afghanistan, wo sie die Landessprache gründlich studkrten, in demselben Pushtu mehr hebräische Wurzeln als in irgend einer morgenländischen Sprache entdeckt zu haben. Ein einsichtsvoller und kenntnißreicher Afghanis! bemerkte ausdrücklich, daß.seine Landsleute nicht „Kinder Iuda's, sondern Israels genannt würden." Sie entlehnten das arabische Alphabet und fügten mehrere Buchstaben hinzu, um den Sanskrit näher zu kommen. Das Pushtu und das Beloutschiky können als die Glieder der Kette betrachtet werden, welche das Sanskrit mit den hebräischen Ursprungswörtem vereinigen.

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