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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-14 · Heft 89 (14.9.1839) · p. Seite 462

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 89 (14.9.1839)
Date
1839-09-14
Page
Seite 462 (sequence 2)
Language
German
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462 rer und Krämer besonders mit Band und Schnittwaaren sind es meist, welche am'ärgsten über unsere angesessenen oder öurchrekfenden Hebräer losziehen und denselben — ihre eigenen Laster Nachreden. Int Ganzenist es aber auffallend, daß trotz dem eingefleischten Judenhaffe unsere Regierungen und Gerichte, so wenig Verbrechen und Vergehen unter den Israeliten in der Schweiz vorft'nden und überdies noch die meisten derartigen Untersuchungen als übereilt oft ganz aus der Luft gegriffen erscheinen. B aselland -hat bekanntlich allen Juden den Aufenthalt in seinem Kanton, wie man sich ausredet, in Folge eines Gesetzes verboten, in Aargau sind die dortigen israelitischen Gemeinden nur geduldet, nicht emancipirt, in Bern, Zürich u. s. w. sind sie äußerst beschränkt, vom Grundeigenthum und den Notariatskanzeleien ausgeschloffen und die Behörden sind bereit, auf die Angebereien der lumpigsten Christen Criminaluntersuchungen über Israeliten zu verhängen. Unter den öffentlichen Blättern war es vorzüglich der Volksbote, solange denselben Herr Publizist Meyer redigirte, der die Humanitatsinteteffen der Israeliten vertheidigte, so wie auch derselbe auf seine Kosten die Emancipation der Juden von C. Steinacker aus Rottek's und Welker's Staatslexikon abdrucken und zu, Händen der schweizerischen Großräthe gratis austheilen ließ. Seit dieser Journalist vor den bitteren Verfolgungen seiner Todfeinde die Flucht ergreifen mußte und im Exil lebt, ist der Volksbote in die Hände von Leuten übergegattgen, deren judenfeindliche Tendenz, sich auf ihren eigenen Wucher und auf eine gewisse Art von Handwerksneid gegen einige israelitische Geldnegotianten stützt. Jetzt sind diejenigen Organe, welche sich vorzüglich noch der israelitischen Interessen in der Schweiz annehmen, die Baseler Zeitung, die schweizerische Volkszeituttg in Aarau und der schweizerische Republikaner in Zürich; viele, andere, wie namentlich die Züricher Freitagszeitung, auch wohl die pöbelhafte Aarauerzeitung in Baden, gefallen sich darin, in dem rohen Judenhaß der Menge zu folgen. Doch wirken auch die vielen Gefälligkeiten, welche nicht selten Israeliten den Christen im tätlichen Verkehr, im Handel und Wandel leisten, deren Bildung und Gesellschaftlichkeit, vorzüglich in höheren Ständen, und unter den Begüterten und Reicheren, sehr mildernd auf die Zeit und auf eine mißliche öffentliche Meinung und je mehr Männer, wie Markus, Götsch, Dreifuß und Solche, in Endingen und anderwärts, durch Wort und That wirken, auch noch viele Rauhigkeiten israelitischer Seits abzuschleifen bemüht sind, je mehr im Allgemeinen unbedingte Rechtsgleichheit aller Menschen und ungehemmte Gewerbsfreiheit in unserem schweizerischen Vaterlande Platz greifen, desto heimlicher und liebender wird sich auch für die in der Schweiz niedergelassenen Juden ihre zweite Heimath gestatten. Deutschlands Aus dem Großherzogthum Baden, 15. Aug. (Prkvatmitth.) Unser Oberrath hat eine gute Acquisition gemacht. An die Stelle des verstorbenen Hofbanquiers v. Haber ist der praktische Arzt 0r. I. Hochstätter zu Karlsruhe zum Mitglieds der genannten Oberkirchenbehörde ernannt worden, und wir haben allen Grund uns voy dieser: Ernennung 'recht viel Gutes, Heilsames zu verbrächen. Herr dr.:Hochstätter ist ein als Arzt und-Mensch hochgeschätzter Man«,' der auch stets-, und vorzüglich als Sipnagogenrath und als Direktor eines Vereins, die wärmste Theilnahme an der Entwickelung der sittlichen, geistigen und bürgerlichen Verbesserung seiner Glaubensgenossen bekundet hat. Mit dieser Liebe zum Gute» verbindet er aber auch Einsicht in's Leben und Kenntniß in der Wissenschaft des Judenthums. Merkwürdig ist es aber, wie oft auch sehr wohlwollende Christen sich an unseren Verhältnissen irren. So sagten mir neulich zwei befreundete Pfarrhercen ganz zutraulich, der Herp von Haber werde doch schwerlich für uns zu ersetzen sein, da er durch seine Verbindungen mit den Ersten des Staates von Allem, was mit den Israeliten Vorgehen sollte, die schnellste Kunde erhalten habe, und so Vieles zu ihrem Besten leiten konnte, was wol keknem Andern so leicht werden dürfte. Gewiß denkt noch mancher also und darum müssen wir es hier öffentlich negiren! Es ist überhaupt die Zeit vorüber, da das Heil Israels von dem Beutel oder dem Witze eines Hofjuden abgehangen hatte. Dank sei dafür der Vorsehung, Dank den weisen und gerechten Fürsten' und Regierungen! Was Badens Israeliten besonders betrifft, so ist Niemanden bekannt, was sie dem Herrn v. Haber wol allein zu danken hatten. Als weiland Mitglied des Großh. Oberraths mag auch er Theil haben an den Wohlthaten, welche derselbe über Badens Israeliten verbreitet hat. Diese Wohlthaten sind aber keineswegs der Art, daß sie auf heimlichen Umwegen erwirkt werden müßten, sollten oder dürften! Der Großh. Oberrath steht nach der richtigen (uns gerade nicht mehr wörtlich gegenwärtigen) vom vormaligen Direktor und Ministerialrath Beck, in der zweiten Kammer gegebenen Definition, keineswegs auf Seiten der Israeliten, sondern ihnen gegenüber auf Seiten des Staates, als dessen Organ es die weisen Absichten unserer erleuchteten Regierung an den Israeliten zu verwirklichen strebt. Winkelzüge sind hier unmöglich, und nur Offenheit kann uns frommen. Nachdem der Oberrath die israelitischen Schulen Badens auf eine achtungswürdige Stufe gebracht hat, hoffen wir, daß derselbe jetzt auch unser Kicchenwesen mit Energie verbessern wolle; und in dieser Beziehung erwarten wir in der That viel Ersprießliches von der Mitwirkung des neu ernannten Oberrathes, Herrn vr. Höchstätter. Ausdem Großherzogthum Baden, 17. Aug. (Privatmilth.) DieAeltesten und Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Königsberg haben es für ehrenhaft gehalten, das' Ansinnen, als hätten sie ihren Rabbinen durch G e - Haltsabzüge jemals umzustimmen gesucht en No. 66 als unwahrzu bezeichnen. So lange indessen die israelitische Gemeinde- oder Kirchenbedienstete ihre Besoldungen aus der-Hand der jüdischen Vorsteher beziehen, sind letztere doch zuweilen zu dem Wahne geneigt. Jene stünden buchstäblich in ihrem Solde, und man könne ihnen allerdings je nach Laune und Gutdünken, manche Chikane un-

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