Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 88 (7.9.1839)
- Date
- 1839-09-07
- Page
- Seite 458 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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4o8 Wisse nun mein Herr, das der Kaiser dem Andrange so vieler Gesuche, Bitten und Beschwerden nicht zu widerstehen vermochte, und daher das Mandat ausgab, alle diese . Bücher wegzunehmen und sie in'das König!. Commissariat zu bringen, welches auch geschähe. Hernach beschloß er jedoch sich Naths zu holen, was er aus diesen Büchern machen soll, und diesem Beschlüsse zufolge, schrieb er an mich einen versiegelten Brief, worin er mich in seinem König!, und Kaiser!. Befehle beschwor, diese Bücher genau zu untersuchen, zu prüfen und durchzuforschen, ob dergleichen darin gefunden wird oder nicht. Und so habe ich nach meiner geringen Einsicht und meinen wenigen Kenntnissen — mit welchen mich Gott durch den angestrengten Fleiß, mit dem ich diese Bücher mit Nachdenken gelesen, und zwar aus reiner Liebe und dem innern Triebe, den ich von jeher in mir verspürt habe, die Bücher der heiligen Schrift zu erlernen und darin zu lesen, gesegnet hat — es untersucht, es. begriffen und niedergeschrieden und es dann auf das Kaiserliche Mandat geantwortet, daß nämlich, weder ich selbst Etwas von allem diesen was u. s. w. in den Taldmud- Büchern gesunden, noch von Andern so etwas gehört habe, und daß diese Bücher nur über Rechts-Gesetz und Moral- Vorschriften handeln, und daß Niemanden der Glauben daran aufgedcangt wird u. s. w. Sollte sich jedoch etwa in irgend einem Buche das finden, was dieser Apostat ausgesagt hat, so kann allenfalls dieses oder diese Bücher, worin es gefunden wurde, verbrannt werden. Es sind aber unter den kabbalistischen und andern Büchern so viele schätzenSwerthe, daß es wäre ein allzugcoßer Verlust sie zu verbrennen, da alles was dieser Apostat ausgesagt hat in der Absicht von ihm geschähe, nur zu kränken und zu beschuldigen. Nachdem unser gnädiger Herr Kaiser meine Meinung und Absicht gelesen hatte, befahl er die weggenommenen Bücher ihren Eigenthümern wieder zuzustellen. Wisse also, mein Herr, daß nachdem dieser Apostat und die Professoren zu Köln in Erfahrung gebracht hatten, daß durch mein Gutachten ihre Pläne vereitelt worden sind, sie laut schrien, daß ich ein Manichäc, Epicurär und Gottesläugner sei, und nicht nur, daß sie dieses öffentlich vor aller Welt thaten, sondern fogar, dieser Apostat, .ein grober „ Ignorant, schrieb eine Schmähschrift*) gegen mich, und sie versendeten diese überall hin, um diese Sache gegen meine Ehre, meinen Glauben öffentlich darzustellen. Auch machten sie diese Sache anhängig bei der Inquisition und verläumdeten mich daselbst. Und ich schrieb abermals eine in der deutschen Sprache abgefaßte Vertheidigurigsschrift**) für •) Handspiegel. *•) Augenspiegel.; meine Ehre, theklte diese meine Antwort in verschiedene Weisen ein und gab immer den Grund für meine Behauptung an. Sie.wollten alsdann das von mir verfaßte Buch verbrennen, da sie aber sahen, daß sie mein Ansehn in den Augen der Inquisitoren nicht so zu schwächen vermochten, daß diese mein Buch zu verbrennen eingewilligt, noch verboten hatten, meine Vertheidigung öffentlich zu führen, und da ich mich und mein gegebenes Gutachten-unter das Gericht des Papstes gestellt, und bei solchem Verhalten dieser Sache sie folglich nichts im Geringsten gegen mich thun konnten, so schrieben sie abermals eine starke Schmähschrift gegen mich und verbreiteten diese unter die Menge, um mich vor Gott und den Menschen herabzuwürdigen. Nun fürchte ich aber, sie möchten mich vor ein Gericht außerhalb meines Wohnortes und Vaterlandes belangen, welches großen Aufwand verursachen würde; ich flehe daher Deine Menschenfreundlichkeit an, — da ich erfahren habe, daß Deine Ehrwürden beständig in dem päbstlichcn Kabinett weilt, und daß sogar seine heilige Person Deiner Weisheit anvectrauet ist — daß Du von der Heiligkeit des Papsies zu erstreben suchst, daß jene weder Macht noch Erlaubnis bekommen, mich zu, zwingen vor einem anderen Gericht, außer vor meinem Landes-Richter, wie es auch unsere Gesetze und Verhaltungsvorschriften mit sich führen, zu erschei-. nen. Wollen sie aber dennoch vor der Heiligkeit unseres Herrn Papstes mit mir erscheinen, so fand' ich mich dazu bereitwillig, ihnen daselbst auf Alles und Jedes Rede und Antwort zu stehen, aber zu ihrem Gerichte in Köln, oder in ihre Nahe zu gehen, finde weder ich für gut, noch das Gesetz für recht, daß ich um eine Rechtssache zu führen erst aus dem Laiche reisen müßte. Hierdurch werde ich wissen, daß ich in den Augen Deiner Ehrwürdigkeit Gnade gefunden, und daß ich mich nicht vergebens in dieser Angelegenheit bemüht und bestrebt habe, da ich schuld daran bin, daß alle die Talmud Bücher in Deutschland nicht verbrannt worden sind, wie wohl aus gewisser Ueberzeugung und festem Glauben, daß alles Nachtheilige, was von diesen Schriften gesagt und über sie ausgebreitet wurde in der Absicht geschähe, nur der Menge zu zeigen u. s. w. Nochmals ersuche und bitte ich Dich, daß Du ja meine Bitte nicht vergeblich zurückweisest, indem es in Deiner Gewalt stehet, sowol dieses als noch mehr zu bewirken. Ich werde mich nicht weniger bestreben in meinem Lande Deiner Ehrwürdigkeit, wie Andere, zu gefallen, in.allem mir Möglichen mit der größten Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit zu dienen, und Deine Ehrwürdigkeit hat nur zu befehlen,- und ich zu gehorchen. Dieses weiß der Einzige Gott/ der Deine Ehrwürdigkeit und alle Deine Schützlinge im Wohlergehen