Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 88 (7.9.1839)
- Date
- 1839-09-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225102--02133-3234697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Literatur. Archäologie. Homiletik. Die Reuchlin'sche Vertheldigmig des Talmuds. Don Nubin in Coperrhageer. (Schluß.) Uebersetzung des Schreibens. An meinen Herrn, der im Ruthe der Weisen sitzt, großes Licht und Säule des exilirten Israels, Himmelsleuchte, meinem Herrn und Lehrer gutes Glück, Boneto, prcckt. Arzte in den römischen Landen und Leibarzt beim Papste. Ew. Ehrwürden verbeuge ich mich Endesunterzeichneter, der jung vom Alter und an Verdiensten gering ist, in tiefer Demuth nach der Weise der sich bescheiden Nahenden, die deshalb sich gewärtigen einer freundlichen Aufnahme und friedlichen Entlastung. Nachdem ich meine vielen Glückwünsche nebst der Bitte, mich meiner schlichten Sprache und geringen Einsicht willen zu entschuldigen, Euer Ehrw. voranschicke, zeige ich Ihnen zugleich an, daß auf einer Reise, die unser Herr Kaiser vor ohngefahr 2 Jahren nach Köln, einer Stadt, wo eine große christliche Universität ist und große Gelehrten in der Theologie wohnen, gemacht hat, daselbst Alles, in einem Verbündniste untereinander, klagend und jammernd zu Ihm hinstürzte mit dem Zetergeschrei: Hilf o König und Kaiser! denn siehe es lebt in Deinem Reiche ein Volk zerstreuet und verworfen, das sich in seinen Gesetzen unterscheidet von allen übrigen Nationen. Und dies geschiehst durch seine talmudischen Bücher, weil in denselben niedergeschrieben sind Lasierungen und Schmähungen, Flüche und Verwünschungen gegen unsere Religion und deren Oberhaupt den Papst, gegen Bischöfe und Geistlichen, ja sogar gegen Kaiser und Könige, Fürsten und Grafen, und endlich gegen unsere ganze Nation, und auf diese Weise beten sie täglich und fluchen u. s. w. An diesem allen aber sind die Talmud,-Bücher schuld. Ja noch ein größeres Uebel, das nicht unberücksichtigt bleiben darf, entsteht durch diese, denn waren diese nicht vorhanden, so gäbe es jetzt nur eine Religion, und Alle glaubten an unseren Messias, allein diese Bücher sind es einzig und allein, die sie von dem rechten Wege abführen, daher solltest Du o König derey Existenz nicht länger gestatten. Wir tragen daher nach dem Rathschlusse unserer Religion und Kirche darauf an, und scharfen es ein, daß alle jüdische Bücher, so es dem Könige wohlgefallt, eingefordert und unter Aufsicht eines Königl. Commissair in das Königl. Archiv gebracht, und sodann alle, bis auf die 24 ^Bücher der heiligen Schrift, die Grundlage unserer Religion, verbrannt werden mögen. Es werden daher sämmtliche Talmud-Bücher dem lodernden Feuerstöße übergeben, damit nicht fernerhin sie die Veranlassung hergeben, unfern König und Kaiser, unser Volk und seinen Glauben, unfern Gott und unsere Gotteshäuser zu schmähen, zu fluchen und zu lästern, und aus einem noch weit wichtigeren Grunde geschehe dies, damit nach dem Verbrennen derselben Alle einen Namen anbeten mögen, da jene bis jetzt die Scheidewand zwischen ihnen und unserem Glauben bildeten, und jene daher unfern Schöpfer nicht anerkennen konnten. Dieses Alles that und bewerkstelligte Einer *) aus euerer Nation und der von. euerem Glauben abgefal'len ist, von dem es in der Schrift heißt: „von dir selbst wird abstammen der dem Göttlichen Böses ansinnt und so Verderben beschließt" ferner: '„aus Deiner eigenen Mitte werden Deine Zerstörer hervorgehen." Dieser Apostat, wie ihr einen solchen zu nennen pflegt, hatte bei sich mehrere Briefe von Fürsten und Grafen, und außer diesen einen von einer Nonne, der Schwester des Kaisers. Außer ihrem Briefe ging diese auch selbst zum Kaiser hin, warf sich ihm zu Füßen, weinte vor ihm und flehete: o mein Herr Bruder,, Beherrscher der Völker und Bezwinger der Welt! auf Dir lasten die Sünden und Verbrechen alle, die durch diese Bücher begangen werden, da es in Deiner Macht steht, diese zu vernichten, und Du uni terlassest es. Wie, bedarfst Du noch eines zuverlässigeren Zeugnisses als das von einem Manne, der sich früher selbst zu ihrem Glauben bekannte, und folglich die Talmud-Bücher kennt! Ich erflehe mir daher dieses von Deiner Herrlichkeit, mein Herr, auf daß Du, indem Du dieses thust. Dir einen berühmten Namen verschaffst,, unter den Königen und Kaisern, die vor Dir gelebt haben. Und in der That, wodurch anders könntest Du zu erkennen geben, daß Du mit treuer Festigkeit an unserem Glauben hängst, wodurch anders Dir Wohlgefallen bei Gott und Menschen auswirken, als. wenn Du befiehlst, daß die Taldmud-Bücher, wo irgend nur sie gefunden, weggenommen und wegen der Klagepunkte verbrannt werden sollen? •) Der berüchtigte Pfefferkorn.