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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-07 · Heft 88 (7.9.1839) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 88 (7.9.1839)
Date
1839-09-07
Page
Seite 456 (sequence 12)
Language
German
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456 mentarschulen zu errichten. Allein eS war leicht vorauSzufthen, daß dies nur wenige Gemeinden zu thun im Stande sind, da wir ja Gemeinden haben, die kaum 20 Familien zählen. Aber auch die bedeutenderen ließen es an der Ausführung fehlen, begnügten sich, mit dem bisherigen, wenn auch sehr mangelhaften, Unterrichte, und waren meistens der Meinung, daß ein nach den Anforderungen der Zeit gebildeter Lehrer die Kinder nicht zur Religiosität erziehen, und ein nach neuerer Methode gegebener- Religionsunterricht etwas dem Judenthume Entgegengesetztes sei. So geschah äußerst wenig für israelitische Schulen bis zum Jahre 1828. In diesem Jahre erschienen nun mehrere allerhöchste und hohe Rescripte, die es jeder Gemeinde zur Pflicht machten, eine Elementarschule zu errichten, oder in jedem Falle einen geprüften Religionslehrer anzusteilen. Nun sah man ganze Schaaren alter Schullehrer in die Kreishauptstädte wallen, um dorr die Prüfung zu erstehen. Viele wurden zwar alö unfähig erklärt, einer Schule vorstehen zu können; allein auch manche wurden in ihrem Amte in so lange bestätigt, bis junge, im Seminar gebildete, Männer, in hinlänglicher Anzahl vorhanden sind, um dann durch diese sämmtliche Stellen besetzen zu können. Nun besuchten israelitische Jünglinge die königl. baierischen Schullehrer-Seminarien in Würzburg, Bamberg, Alrdorf, Dillingcn; und jetzt nach Verlauf eines Decenniums finden tmr in allen Kreisen diesseits des Rheins keine israelitische Gemeinde mehr, die nicht einen geprüften Religionslehrer hatte; ja sogar viele Gemeinden errichteten Elementarschulen, und in Mittelsranken allein-könnte ich Ihnen deren 13 nennen. Etwas später legte man in der Pfalz Hand an'S Werk; allein auch dort bestehen bereits 32 öffentliche Schulen, und gewiß 'bald wird man auch noch mehrere in'S Leben rufen. Viel Gutes läßt sich von der folgenden Generation erwarten, und wird man vielleicht auch in der zweiten Hälfte deS neunzehnten Jahrhunderts über die Beobachtung mancher Ceremonialgesetze leichter si'ck hinwegsetzen-, alö dieß noch am Anfänge desselben Jahrhunderts der Fall war; so wird dennoch der wahre religiöse Sinn unter den Israeliten allgemeiner, ihr Leben wird Gott ergebener sein, da ihre Begriffe von dem höchsten Wesen reiner sein werden. Ja der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen wird den Haufen in Israel, der ja ohne dieß seinen Gott stets als Talisman mit sich herumträgt, diesen recht verehren lehren, und ihn überzeugen, daß allgemeine Menschenliebe, ohne Unterschied der Consession, ausdrückliches Gebot des Schöpfers ist. So wird man sich entfernen von jenen finstcren und unfreundlichen Geburten des Mittelalters, aber auch ferne bleiben von jener, in unfern Tagen nicht seltenen, Gottvergegenheit, die über den zu spotten sich erdreistct, der noch beten kann. Gewiß besser wird es unter den Israeliten BaiernS werden. Wir thun das Unsrige. Und sind wir auch fest überzeugt, daß jene Behauptung: „Der Jude ist der,Emanzipation noch nicht würdig," nur von Judenfeinden herrühren kann, die eö weder mit dem Juden, noch mit dom Judenthume gut meinen; denn diese Würde Haben wir ja schon als Menschen, als ein Theil des bair. Volkes, als Abkömmlinge jener Israeliten,, die sich von den übrigen Bewohnern BaiernS blos dadurch unterschieden, daß sie, anstatt den Taut zu verehren, dem wahren Gott dienten, und vielleicht einige Jahrhunderte später, als jene, in unserem jetzigen Vater-- lande sich ansiedelten, — haben wir diese Würde nicht erst zu erlangen: so arbeiten wir dennoch, bloS aus Liebe zur guten. Sache, mit regem Eifer an der Verbesserung unserer religiösen Verhältnisse, und nicht wir tragen die Schuld, wenn unsere politischen nicht gleichen Schritt halten. M. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen I Gr. Gebühren für die gespaltene Zeilean- Petit-Schrift oder deren Raum aufgerrommen. Die Verla gsHandlung» Bei I. E. Renard in Köln erscheint noch im Laufe des Monatö August und ist durch alle Buch- und Kunsthandlungen zu beziehen: ÄVnmi Mi nattan rotö Wedenktafel zur sechsmidfliufzigsteu Säcnlarfeier der Erschaffung der Wett. Am ersten Th isch ri. Atterr israelitischen Gemeinden gewidmet. Allegorisches Blatt, nach einer in al't-testamentlschem Geiste und Form abgefaßten Rhapsodie entworfen und lithogcaphirt von D. Levy-Elkan. Gr. Folio auf feinstem franz. Kupferdruckpapier. . Preis: 17^ Sgr. Eröffnung einer Pensionsanstalt. Zum Herbste d. I., bin ich gesonnen eine Pensionsanstalt zu eröffnen. Die mir anvertrauten Zöglinge werden neben sorgfältiger körperlicher Pstege, liebreiche Aufnahme in einem freundlichen Familienkreise finden, und mein Streben wird stets dahin gehen, die sittliche religiöse Bildung derselben mit der wissenschaftlichen gleichmäßig zu befördern. Die Verhältnisse am hiesigen Orte sind vorzüglich geeignet, dieses Ziel mit Glück zu verfolgen, denn, erlaubt mir meine Stellung an der unten erwähnten Anstalt auch nicht, dieselbe lobend zu gedenken, so darf ich doch mit der größten Unpartheilichkeit die Behauptung wagen, daß sie die jüdischreligiöse Bildung, auf eine höchst zweckmäßige Weise mit der schulwissenschaftlichen vereinigt, wovon, wie ich mir schmeicheln darf, die erste am 3. April d. I. abgehaltene öffentliche Prüfung, vortheilhaftes Zeugniß abgelegt hat. Knaben aber, welche dieser Schule bereits entwachsen sind, finden in der hiesigen höhern Bürgerschule und km Gymnasium und Erwachsene in der Handels-Akademie, Mittel für ihre fernere Ausbildung, wobei ich neben der Beaufsichtigung der häuslichen Arbeiten, den besondecn Unterricht im Hebräischen selbst leiten werden. Diejenigen verehrten Eltern und Vormünder, welche mir ihre Kinder und Mündet anzuvertcauen gesonnen sind,, belieben wegen der Bedingungen sich schriftlich an mich zu wenden. Danzig im August 1839. vr. Bram, Dircktorder israelitischen Gemeinden- und Freischule und israelitischer Prediger der hiesigen Genreinden. Ein junger unverheirathetec Mann mit den besten Zeugnissen, der als Vorsänger, Schächter und geprüfter Lehrer fungicen kann, sucht eine Stelle. Portofreie Briefe bittet man entweder an die Redaktion dieses Blattes oder an den Rabbinats-Verwalter Herrn Ottinger zu Berlin, unter Adresse 1. A. einzufenden; auch sind bei Letzterem Erkundigungen einzuziehen.

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