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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-07 · Heft 88 (7.9.1839) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 88 (7.9.1839)
Date
1839-09-07
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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hat viel Leidenschaft aufgeregt, aber wenig Großsi'nn und Edelmuth. Sie hat es endlich so weit gebracht, daß man meist nur in das Ungewisse hinausarbeitet, der Hand der Vorsehung das Ziel überlaßt^ und gelindest hofft und erwartet, anstatt zu haben und zu besitzen. Fragen wir zunächst nach dem Geiste der Einzelmassen. Nicht die alte Klage über Gleichgültigkeit und 'Lauheit soll hier wiederholt werden. Wohl aber von Neuem auf jene Schamlosigkeit der schamhaften Namensjuden hingewiesen werden, die das Iudenthum, ohne es aufzugeben, aus ihren Vor- und Wohn-, aus ihren Prunk- und Vedientenzimmern —; in die entlegenste Rumpelkammer verbannt haben; denen die Schamröthe auf die verblichenen Gesichter steigt, so sie den Namen ihrer Religion nennen hören, der ihre Väter Gut und Blut geopfert; die nicht die Pfosten ihrer Stallungen, viel weniger die ihrer Wohnhäuser mit dem Blute des Passahlammes besprengen würden, so sie dadurch kenntlich werden sollten als Israeliten. Ja, ihr geschniegelten Stutzer, und zimperlichen Jungfrauen, ihr Neichen und Reisende, ihr gehöret auch zu der jüdischen Masse, und darum müssen wir euch hierherziehen. Dieser Geist hat sich zu weit und zu stark 'ausgebreitet, als daß wir ihn nicht dem neuen Jahrhundert unter den Resultaten der Vergangenheit, unter den Besitzthümcrn der Gegenwart zeigen müßten, als daß wir ihn nicht demselben übergeben müßten, um es ihm zu überlassen, was er damit anfangen könne. Fragen wir alsdann nach dem Geiste derer, die sich an die Spitze der Gemeinden Israels gestellt. Es ist nicht zu verkennen, daß ein Geist der Persönlichkeit, des individuellen Ehrgeizes sich vielfach an die Stelle allgemeinen Eifers, allgemeinen Enthusiasmus gedrängt hat. Wo es gilt allgemeine Institute, die das Heil, die die wahrhafte Konsolidirung des Judenthums im Geiste der.Jetztzeit bezwecken, in's 'Leben zu rufen, da ruhen die Hände, da tritt Kopfschütteln, Aengstlichkeit, Zweifel an die Stelle frischer Regsamkeit und tiefster Aufregung aller Kräfte. Der Eine strebt nur nach dem Ruhme eines Konservators, der Andre nach dem Ruhme eines Reformators. Der Eine will die Gunstbezeugungen derer, welche das Judenthum bannen wollen in den verzauberten Kreis des ewigen Stillstandes, auf sein Haupt sammeln, der Andre die Hoffnungen und das Beifallklatschen derer-, welche das Judenthum zum Tummelplätze aller momentanen Versuche und zeitlichen Fragen zu machen gedenken. Neues Jahrhundert, was wirst du beginnen mit einem solchen Konvolut auseinandergezerrter Glieder? wirst Du das belebende Wort finden, wodurch sie sich gehorsam zu einem Organismus stellen? wirst du die ' Hände derer zu vereinigen wissen, von denen Jeder allein stehen, allein das Haupt sein will? Hat unsre Literatur im raschen Aufsteiger: sich zu neuem und höherm Leben erhoben, so liegt doch die Maßlosigkeit Allen vor Augen. Alles drängt sich zum Lichte, das Gegebene wird tausendmal wiedergegeben, die-Kräfte werden nicht erprobt, und nur den geprüften der -Raum der Oeffentlichkeit gestattet, sondern Alles, wie es. sich in den lokalsten Verhältnissen erschafft, und diesen höchstens angemessen bleibt, will sich dehnen und strecken. Das Gediegene wird erstickt, das Treffliche den Augen der. Beschauer verdrängt, und in der allgemeinen Fluth sinkt Schiff und Steurer unter. So huldigt die Gegenwart nur dem raschen und leitungslosen Drängen, ohne Pfad und Wegweiser, und zersprengt die noch vorhandenen Kräfte, aber sammelt und stärkt sie nicht! (Folgt ein dritter Artikel.) W e l l e t x i ft i f. Die Wanderung durchs Leben. Eine Zeit-Novelle. 1. Es war eine kalte Dezembernacht. Die Sterne funkelten am blauen Himmelsdom und unter ihnen schauere der Mond herab auf die Fluren, die der glänzende Schnee bedeckte. Aber an dem Orte, wo ich dich hinführe, mein Leser, verbarg er keine grünende Roggenfaat, kein knospendes Oelgewächs, bestimmt im kommenden Frühjahr das Auge zu entzücken, durch den bunten Teppich, der sich über Feld und Wiese verbreitet. Es war ein wüstes Haideland, mit wilden hochanftrebenden Tannen, nur die aromatische Erike, den Bienen so süß und nahrungsreich, gedieh in diesem Walde, doch jetzt war die Zeit nicht, wo der summende Schwarm ihr den Honig entzog, begraben lag sie unter dem weißen Leichentuchedas der Winter über die erstarrte Erde ausgebreitet. Es war eine der Fichtenwaldungen Polens, in denen der ,.zagende Wandrer noch jetzt das Geheul der Wölfe hört, zumal wenn der hohe Schnee dem Wilde-die wenige Nahrung entzieht und seine Höhleü bedeckt. Nahe an dieser Haide lag aber einsam ein Häuschen, von rohen Lehmsteinen erbaut, die Schindel mit bemoostem Stroh bedeckt, den Giebel angelchnt an eine alte Eiche, deren entblätterte Zweige das Dach überragten und die beim leisesten Winde den Schnee auf das Dach herabschüttelttn. Unge-

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