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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-07 · Heft 88 (7.9.1839) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 88 (7.9.1839)
Date
1839-09-07
Page
Seite 447 (sequence 3)
Language
German
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447 fanget und der Chor, an den sich die Gemeinde anschloß, abwechselnd den Psalm 15 an. Nachdem dies statt gehabt, öffnete der Synagogendiener wieder die heilige Lade, der Landrabbine nahm die darin befindlichen Torarollen heraus und übergab sie den zu dem Ende an das Tabernakel getretenen Rabbinen und Vorstehern, die letzte Tora selbst im Arme behaltend. Wahrend d'er Vorsänger alsdann dm» Hymnus anstimmte, der vom Chor erwidert ward, geschahen die feierlichen Umgänge der Torcurager, welche nachher sämmtlich dem Landrabbinen ihre Torarollen zur Einsetzung in die heilige Lade übergaben, welche darauf wieder verschlossen wurde. Nach Beendigung dieser Ceremonie wurde von dem Vorleser bald mit dem Chore, bald mit der Gemeinde der 24.- Psalm und einige andere Lieder gesungen. Der Landrabbine, aus dem Würzburgischen nach Kassel berufen und das Vertrauen seiner, Gemeinde in einem hohen Grade genießend, betrat hierauf die Kanzel und hielt in deutscher Sprache, viva voce, ohne abzulesen, eine schöne eindringliche Weihrede, die von der Art war, daß sie in jeder chrrsilichen Kirche hätte gehalten werden können °) und nur zu lang war, um die rAufmerksamkeit hinlänglich bis zum Ende ununterbrochen fesseln zu können. Als er seine Rede beendigt, stimmte der Chor, das „Herr Gott, dich loben wir" und darauf wiederum mehre Psalmen mit der Gemeinde zusammen an. Zuletzt sprach der Landrabbine vor dem Tabernakel das Gebet für den Landesherrn, und die Feierlichkeit ward mit einem vom Chor angestimmten HaUelujah beendigt. Heute Abend findet der erste ordentliche Gottesdienst in der neuen Synagoge statt, deren Bau auch der hiesigen israelitischen Gemeinde zur hohen Ehre gereicht, da sie keine Opfer gescheut, um den Gott ihrer Vater in edeln Raumen anbeten zu können. Auch von Seiten der christlichen Einwohner unserer Stadt sprach sich die herzliche Theilnahme an diesem religiösen Fest ihrer durch die Verfassungsurkunde seit dem Jahr 1831 in bürgerlichen und politischen Rechten und Freiheiten ihnen völlig gleichgestellten israelitischen Mitbrüder auf eine unzweideutige Weise aus. f'Augsb. Allg. Zeit.) Heute beschäftigt uns übrigens auch ein religiöser Gegenstand von ganz friedlicher Art, nämlich die Einweihung „des neuen Bethauses" der israelitischen Gemeinde, das man seiner äußeren Erscheinung nach .wohl richtiger einen Tempel nennen würde, denn die Idee eines'Tempels des Herrn ist hier dem freilich gegen sonst wesentlich veränderten. Bedürfnisse einer einzelnen Gemeinde auf eine geistvolle Weise angepaßt und in allen Einzelnheiten, eben so einfach als großartig durchgeführt. Auch hat es die seltene Probe eines wahren Kunstwerks bestanden, daß es bei Kennern und Nichtkennern eine gleiche Befriedigung hervorruft. Der Baumeister ist ein junger Architekt israelitischen Glaubens, Namens Rosengarten, der fast allen seinen Bauten einen gewissen Stempel höherer Vollendung aufzudrücken weiß, und dessen Talent die schönsten Hoffnungen erregt. Zu seiner ferneren Ausbildung hat ihm die Staatsregierung, ein Neisestipendium bewilligt, um in Paris, wo er gegenwärtig weilit, und in Ztalien noch einige *) Ein sehr zweideutiges Lob. . Redakt. Jahre nur der Kunst zu leben. Die Einweihungsceremonie war anspruchslos und feierlich. Sämrmliche Minister, die Geistlichkeit der christlichen Confessionen und eine Menge Staatsbeamten waren anwesend, uno wenn auch die sehr angemessene Rede des Landrabbinen, als ein rem deistischer Vortrag,*) dem Christen etwas auffallend sein mußte, so drängte sich doch auch zugleich , d r Gedanke auf, daß der Glaube an Einen Gott, in seiner ganzen Bedeutung aufgefaßt, ein starkes religiöses Band ist, das alle Bewohner unsers Welttheils umschlingt. iSchw. M.) Bei der am 8. stattgefundenen feierlichen Einweihung der neuen israelitischen Synagoge sah man die Männer, abweichend von der alten Sitte, mit unbedecktem Haupte dem Gottesdienste beiwohnen. Nur einige Altgläubige hatten.sich mit einer kleinen Mütze bedeckt.**) Bamberg, 20. August. (Pcivatmitth.) Am verflossenen Samstag bereitere uns der Nabbinats-Assistent H. I. Klein dahier einen vortrefflichen Genuß dar durch seine AoschiedSpredigt,' die er in hiesiger Synagoge hielt. Hörte man schon früher die Predigten des Herrn Klein stets mit gespannter Aufmerksamkeit und mit Freuden an, da sein Vortrag und die Tendenz seiner Predigten ausgezeichnet zu nennen ist, so war man um so begieriger, diese Predigt zu hören, da sie zum Abschied gehalten werden sollte. Der Prediger nahm zum T.xre Jes. 52, 12 und sprach von den besonderen und allgemeinem Zwecken der Wanderungen Israels. Ich kann es hier übergehen, näher vom Thema zu sprechen, da, wie ich höre, die Predigt dem Drucke übergeben wird. Als H. Klein mit seiner gewohnten Begeisterung, wenn er vom Interesse Israels und seinem Glauben spricht, die Rede geendigt, und nun mit rührender Stimme die Abschiedsworte sprach, da blieb kein Zuhörer ungerührt, und viele Thcänen bezeugten, daß Hrn. Kleines Entfernung von hier nur ungern gesehen wird. Möge er an dem neuen Orte seiner Bestimmung (er folgt einem Rufe nach Altstrelitz im Mecklenburgischen) dieselbe Liebe und Achtung finden, die ihn von hier aus begleitet, und auch dort die Gelegenheit erhalten, - den Samen des Guten und Edlen auszustreuen durch die Kraft seines Wortes und Beispiels. Dr. R. Preußen. 25erlitt, 12. Aug. Die Auqsb. Allg. Zeit, laßt sich von hier schreiben: Seit einigen Tagen circulirt hier das Gerücht von einer vorzubereitenden Petition an den König, deren Gegenstand ungewöhnliches Interesse erregt. So viel darüber verlautet, wendet sich dieselbe dahin, „daß •) Hier spricht sich die obige Ansicht von der Einweihungspredigt des Herrn Dr. Romann deutlicher aus. Allerdings muß überall, dem Cdarakrer des JudenthnmS gemäß,. wo die Lehre von Gott zur Aussprache kommt, sich eine scheinbar deistische Ansicht, nur auf Grundlage der Offenbarung, kundgeben. Allein gibt eS keine weitern spcciell israelitische Momente, die in solcher Predigt sich kund geben mußten, und waren diese gar nicht ausgeführt? Redakt. *°) War dies wirklich an dem, waS wir gern wissen moch- »ten , oder schien dies nur wegen der Menge anwesender Christen? Redakt.

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