Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 87 (31.8.1839)
- Date
- 1839-08-31
- Page
- Seite 436 (sequence 8)
- Language
- German
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436 Stfyat in der schlimmsten Lage; .da viele derselben keine, anderen Unterhaltungsmittel haben, als das Almosen, welches ihre reichen Mitbrüder ihnen, freigebig doch für die Waffe nicht ausreichend, spenden. Kein Wunder ist es wohl, daß der Geiz den jüdischen Einwohner Aegyptens mehr charakterisirt als überall sonst, wo sie weniger unterdrückt find. Sorgfältig suchen sie durch alle ihnen zu Gebot stehenden Mittel, den Verdacht großen Güterbesitzes oder einiger Wohlhabenheit zu verhüten. Darum legen sie jene ärmliche Kleidung öffentlich an; darum vernachlässigen sie das äußere Ansehn ihrer Häuser. Sie halten sich streng an die genaue Befolgung ihrer Glaubensgebote. Und obgleich mit Verstand im Handel ausgerüstet, sind sie doch in der Erfüllung ihrer Vertrage ehrlich und gewissenhaft. Viele unter den ägyptischen Juden sind Sarrafs (d. h. Banqüiers und Geldvecleiher): andere sind Sey'refees, und sind in diesem Geschäfte wegen ihrer hohen Rechtlichkeit geschätzt. Einige sind Silberärbeiter oder Goldschmide, und noch andere treiben einen ziemlichen Verkehr als Gewürzkrämer und Getreidehändler; wenige von den Reichern sind große Kaüfleute.. Alle Reisende stimmen mit Lane darin überein, daß die Stellung der jüdischen Frauen in Aegypten noch freier ist, gls die der koptischen und armenischen. Auf öffentlichen Orten zwar wissen sie den Schleier zu tragen und überhaupt das Benehmen der muselmännischen Frauen sich anzueignen, rm Innern ihres Hauses, aber sich eine so achtunggebietende Stellung zu gebest, daß sie fast auf gleicher Stufe mit ihren Männern 'stehen. Sie führen die Haushaltung ohne Aufsicht und sind mehr die Gehülfinnen 'als die Sklavinnen .ihrer Gatten. Die jüdische Frau sucht dem. Manne seine Geschäfte zu erleichtern, und. schafft von dem, was bei einer ordentlichen Verwaltung, von der Haushaltungskasse .übrig bleibt, sich einen kleinen Schatz von Putz und Schmuckwaaren an, dessen. Werth der Gatte oft gar nicht kennt. Za dessen Dasein ihm oft ganz unbekannt ist. Sie halt vorzüglich auf Reinlichkeit und Ordnung. Oft contraftir.t Neben solchen Frauen, die nichts gn ihrer Toilette gespart Haben, ein mühebeladener Mann, -oft in zerlumptem Gewände, dem ein alter Turban kaum die Haare Zusammenhalt. Leider rechtfertigt dieser Contrast iy den Augen der Lreniden die Erklärung.der ägyptischen.Juden, daß auch diejenigen, denen bessere Mittel zu Gebote stehen, diese Livree, der Armuth dennoch anlegen müssen, um sich den Plackereien und Erpressungen der Regierung zu entziehen. Sie stecken alle ihre Reichthümer in den Schutz der Frauen, weil dieses Eigenthüm unverletzlich und heilig ist> nicht nur für die gewöhnlichen Gläubigen, sondern selbst für die Regierung. Kommt eine Geldverlegenheit, so können sie die Diamanten verkaufen, wahrend' der Werth der Münzen, die der. Pascha schlagen läßt, alle Jahr wechselt. Diejenigen, welche die Aufopferungsfähigkeit ihrer Frauen nicht für stark genug hatten, vergraben beträchtliche Summen in Gold- und Silberstangen, ohne irgend Jemand das Geheimnkß ihres R<ichthums anzuvertrauen. Daher kann jeder, Her ein altes, verfallenes Haus kauft, hoffen, vielleicht einen verborgenen Schatz zu finden. Die Christen können mit weit weniger Gefahr das Innere ihrer Häuser verzieren und in der Nähe der Stadt einen Garten mit Bäumen und einen Bach kaufen: aber der Jude, der Tyrannei der Regierung mehr ausge'setzt, besitzt in der Regel nur ein schlechtes Haus, und sein ganzes Vermögen steckt häufig in den Edelsteinen, die das Haar feiner Gattin schmücken. Oft sitzt diese, mit der ganzen Habe des Mannes angethan, an dem Fenster, um die Spaziergänger zu sehen, die sich vielleicht in das Labyrinth der engen Gaßchen des Judenquartkers verirren; drei Fuß vor ihren Augen ist das Fenstergitter des gegenüberstehenden Hauses, und wenn man gegen den Himmel steht, so steht man nichts als einen schmalen Streifen Blau's, das zwischen den Dächern dürchscheint. Uno doch ist ihr Gatte neben ihr glücklich, stolz auf die Tugend und Häuslichkeit seiner Ehegattin. Denn vor allen andern orientalischen Frauen zeichnen sich die jüdischen durch ihre eheliche Treue aus. Die Starke ihres Glaubens und ihr hoher Nationalstolz schützen sie vor Verirrungen, die so häufig die Ruhe der Familien stören. Wenn sie von den muselmännischen und den christlichen Frauen verachtet sind, so vergelten sie ihnen dieß reichlich. Sie würden sich für befleckt und entehrt halten, mit ihren fremden Unterdrückern näher zu verkehren. Selbst bei dem Verlust ihrer Familie betragen sie sich wie Königinnen und unterscheiden sich von dem gemeinen Haufen. Die Schönheit der jüdischen Frauen im Orient ist merkwürdig; ihre Züge sind höchst regelmäßig, Majestät ruht auf ihrem. Antlitz, die Augen sind schwarz und glanzend, der Wuchs ist schlank, ihre Bewegungen sind rasch und zeigen eine weh? müthige Grazie. Daß ihnen, wie fast allen Frauen des Orients, die Farbe fehlt, rührt wahrscheinlich von ihrem zurückgezogenen Leben her, das sie der Sonne nicht, aussetzt. Die Männer haben bei/weitem nicht diese Regelmäßigkeit der Züge. _ Nur Unbärtige findet, man größtentheiss von männlicher Schönheit, wogegen die ausgewachsenen Männer alle eine - gedrückte Gesichtsbitdung haben. Möglich, Haß dieser Contrast von der verschiedenen Lebensweise herrührt;