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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-31 · Heft 87 (31.8.1839) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 87 (31.8.1839)
Date
1839-08-31
Page
Seite 435 (sequence 7)
Language
German
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435 den konnte, sondern vielmehr den Wirth des Caffeehauses in ihm vermuthete, so grüßte er ihn mit den Worten:. „Guten Morgen, Scheik Mohammed!" ober statt aller Antwort empfing er einen drohenden Verweis, daß er, als Jude, den andern mit einem Namen hätte anreden können, der doch einem Manne seines Glaubens der verhaßteste unter allen sein mußte, die über die Lippen gebracht werden können. Sogleich wurde der Beleidigende vor einen Hohenpriester geschleppt, welcher ihm gezwungen den Ausspruch that, sich eine Tracht Schlage für die vermeinte Beleidigung gefallen zu lasten, wenn schon derselbe hundertmal betheuerte, daß es nicht so gemeint gewesen wäre!" Ein gewöhnliches Sprüchwort ist es unter den ägyptischen Muselmännern: „Er haßt mich mit dem Hasse eines Juden." Aus diesem Vorurtheile also erklärt es sich, daß der Jude dort noch mehr verhaßt ist, als der Christ selbst. Vor kurzem wurden sie in den Straßen Cairo's oft gestoßen, ja geschlagen, weil sie einem Muselmann an der rechten Seite vorübergegangen waren. Jetzt sind sie zwar nicht mehr in' dem Grade unterdrückt; jedoch dürfen sie immer noch kaum einen Laut über ungerechte Behandlung ausstoßen, wenn sie der gemeinste Araber oder Türke beschimpft, oder ohne Ursache schlagt; denn mancher Jude wurde auf die falsche, und arglistige Anklage hingerichtet, sich gegen den Koran oder den Propheten schmähender Ausdrücke bedient zu haben. Oft sogar wurde ein Jude in Aegypten aufgeopfert, um -einen Moslim zu retten, was' folgendes Beispiel bestätigen kann. Ein türkischer Soldat hatte» bei Gelegenheit eines geringen Geldumsatzes von dem Seyrefee, (dem Geldwechsler) einem Moslim, einige türkische Geldstücke, wovon jedes 16 Piaster an Werth hatte, erhalten. Er bot diese Münzen einem Kramer, als Betrag füx einige von ihm gekaufte Maaren, an; Letzterer wollte den Adleeyeh, (so hieß dieses Geldstück) nicht höher als zu 15 Piaster anrechnen, indem ec ihm sagte, der Pascha hatte erst vor einigen Tagen den Befehl gegeben, daß diese Münze keinen höhern Cours haben dürfe.. Der Soldat trug nun die Adleeyeh's zu dem Wechsler zurück, und verlangte für jeden einen Piaster Zusatz. Da dieß ihm verweigert wurde, so begab er sich ohne Weiteres zum Pascha, der, höchlich darüber entrüstet, daß seine Befehle nicht aufs Pünktlichste befolgt würden, den Seyrefee holen ließ. Der Mann bekannte nun zwar, ein Verbrechen begangen zu-, haben, suchte es aber auf der aydern Seite damit zubeschönigen, daß er angab, fast jeder Geldwechsler in der Stadt hätte dasselbe gethan, weshalb er selbst Adleeyeh's zudiesem Course erhalten hätte. Der Pascha jedoch, der ihm nicht glaubte, oder wenigstens ein öffentliches Exempei zu statuiren für nöthighielt, gab sogleich ein Zeichen mit der Hand, anzudeuten, daß er enthauptet werden sollte. Der Dolmetscher des Pascha's, von Mitleid gegen denarmen Mann ergriffen, bat den Despoten, seines Lebens zu schonen. „Dieser Mann,- sagte er, that nichtmehr als alle übrigen Geldwechsler der Stadt; ich selbst erhielt vor nicht Längerer Zeit als gestern,, mehre Adleeyeh's zu demselben Preis." — Von wem," lärmte der- Pascha. — „Von einem Juden, lautete des- Dolmetschers Antwort, mit dem ich für mehrere Jahre Geschäfte abschloß.." — Der Jude wurde gebracht und verdammt,, gehangen zu werden, wahrend der Moslim Begnadigung erhielt. Der Dolmetscher suchte, in der größten- Gemüthsunruhe, den Juden ernstlich zu vertheidigen: aber der Pascha war unerbittlich; es sollte durchaus,, so meinte.er,, ein Exempel ausgestellt werden;, und es dünkte ihn besser,, eines Juden Leben zu rauben, als einen schuldigen Moslim um den Kopf zu bringen. Lane sah noch den Unglücklichen an dem Fenster einer öffentlichen. Wasserkunst auf der Hauptstraße hangen. — Sein Leiden war noch obendrein durch eigens dazu gemachte Anstalten verlängert worden.; und die einzige Gnade, welche seine Verwandten,, die ungeheure Summen für seine Rettung boten, erkaufen konnten, war die, daß sein Angesicht dem Fenster zugewendet werden könne, so daß die Vorübergehenden es nicht sähen. Er war. von allen,, die ihn kannten, sehr hochgeschätzt worden' (natürlich mit Ausnahme des Moslims);. und er verließ, eine Familie in der verzweifeltsten Lage; doch suchte der Dolmetscher, die halb unverschuldete Ursache seines Todes, ihre. Unterstützung) zu befördern und zu ihrer Erhaltung beizutragen. Die Juden in Aegyptenführen ein' sehr eingezogenes- Leben; sie finden auch in der That nur Personen ihres Glaubens, welche sich mit ihnen verbinden wollen. Ihre Nahrung ist zwar sehr reich und gut; doch gelten im-Allgemeinen für ein sehr mäßiges Volk. Die Reicheren unter ihnen tragen im Hause, eine geschmackvolle Kleidung; legen aber größtentheils eine schlichte, ja selbst abgerissene an> be-- vor sie ausgehen: und obgleich ihre-Häufer ein schlechtes' usth ärmliches Ansehn von Außen haben, sb findet' man doch in: -vielen' schöne und netteingerichtete Zimmer; In ihren Hau-' fern nun sind sie nicht so ängstlich; ihre Frauen vor Fremden zu verbergen-, wenigstens nicht yor ihren eigenen Glau-, bensgenossen und vor den Franken; es-geschieht'oft,, daßein fremder Europäer in ein Zimmer eingeführtt wird', wo.' die jüdischen- Frauen unverschleiert sitzen und daß> er so - von ihnen selbst bedient .wird:- Bei vielen syrischen Christen, welche zu Cakro leben-, gilt' derselbe Gebraus — Und doch findet man unter diesen Frauenzimmerw keine, dze sich öffentlich preis gäbe.. Die niedrige Klaff? befindet sich in der-

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