Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 86 (24.8.1839)
- Date
- 1839-08-24
- Page
- Seite 427 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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427 rei. Gecstenmeht in welches ein wenig Salz und Wasser gerührt wird, ist die einzige Nahrung vieler. Ihr geringer Verdienst ist ganz der Nahrung angemessen. Ewald fragte mehrere, in einem Steinbruche arbeitende Juden, welche gerade Feierabend machten, wie viel durch diese Arbeit ein Mann des Tages über verdiene? Vier Karup (6 Kreutzer), war die Antwort. III. Tripoli. Die Anzahl der Juden in Tripoli kann zwar nicht genau angegeben werden, ist aber sehr bedeutend, und mag auf '30 bis 40,000 Seelen angegeben werden. Man findet hier drei Synagogen, und von Seiten der Einwohner kann man im Ganzen annehmen, daß die Juden doch besser als in Marokko behandelt werden. Sie tragen sich ebenso wie die Muselmänner; nur müssen sie schwarze Mützen und Pantoffeln haben, und ihr Turban ist gewöhnlich blau. Es giebt unter ihnen etwa dreißig ziemlich reiche in der Hauptstadt. Die übrigen sind Künstler, Goldschmiede u. s. w. Da ein.großer Theil des Europäischen Handels in ihrer Hand ist, so correspondiren sie vorzüglich mit Marseille, Livorno, Venedig, Triest und Malta. In Tripoli giebt es gegen 2000 Juden, welche ein besonderes Quartier bewohnen und 18 Synagogen nebst einer hohen Schule, auf welcher der Talmud studirt wird, besitzen. Sie haben einen Kaid aus ihrer Mitte zum Richter in Civilsachen. Sie zahlen jährlich der Negierung an 1000 Thlr. und dürfen treiben was sie wollen. Nur mußten sie früher Sorge tragen, daß der Pascha Iusef, welcher grausamer als Herodes regierte, nicht erfuhr, daß sie im Besitze von Geld seien. Dieser Pascha hatte einen Juden zum Aufseher der Münzen gemacht, deßwegen mußte alles Geld, welches die Regierung guspragen ließ, durch seine Hände gehen. Nachdem dieser Jude dem Geschäfte vorgestanden hatte, und nun alt wurde, ließ Iusef ihm sein ganzes Vermögen nehmen, machte aber dessen Sohn zum Wardein. Dieser hatte noch nicht lange seinem Amte vorgestanden, als ihn der Pascha zu einer Tasse Kaffee zu sich einlud. Der Kaffee war vergiftet und der unglückliche junge Mann starb unter großen Schmerzen. Und warum dieser Mord? Ein Sklave des Pascha hatte mit der Tochter seines Gebieters Bekanntschaft angeknüpft, zufälliger Werse traf der Jude einst beide im Gespräch. Der Pascha erfuhr das Betragen seiner Tochter, und rasend über die Schande, welche seinem Hause dadurch zu Theil wurde, ließ er den Sklaven grausam morden, und erkundigte sich genau, ob irgend jemand vorhanden sei, der von dem Einverständniß beider Kunde habe. Der Jude war so unglücklich gewesen, beide einmal im Gespräche zu treffen. Damit et dieses nicht weiter sage, mußte er sterben. Hierauf ließ Iusef den Bruder des vergifteten rufen und machte ihn zu seinem Münzjuden. Drei Jahre versah dieser treue Diener sein Amt mit aller Gewissenhaftigkeit, dann bat er den Pascha, er möchte ihn entlassen und einen andern anstellen. Er legte pünktliche Rechnung und glaubte sich schon erhört. Iusef ließ ihn einst rufen und sagte: Wenn du mir OOOThlt giebft, so entlasse ich dich deines Amtes. Woher soll ich dieses Geld nehmen, erwiederte der Jude. Mache nur nicht viele Umstände, sagte der Pascha, zahle oder du gehst morgen ins Gefangniß und erhältst morgen .200 Streiche auf die Sohlen, und dann verlange ich 800 Thlr. Da der arme Mann beiheuerte, er habe kein Geld, so wurde er ins Gefängniß geworfen, erhielt 200 Streiche, und 800 Thlr. wurden für seine Loslassung gefordert. , Die Freunde und Bekannten desselben erlegten das Geld und der Münzverwalter wurde frei, küßte nach seiner Entlassung dem Pascha die Hand und dieser von Großmuth überfallen schenkte ihm zwei Thalec, um einen Arzt kommen zu lassen. Journal-Mevue. In der Zeitung für die elegante Welt tummelt sich jetzt ein A- W. oder A. Wcill (nickt zu verwechseln mit der Familie des I)r. I. Weil zu Frankfurt am Main, die jenen schon einmal öffentlich desavouirt,) weidlich mit seinen Berichten aus Paris herum. Paris ist ein goldener Boden für schriftstellernde Deutsche. Sie haben da die Blüthen und Früchte fertig, und brauchen sie nur zu brechen. In deutsche Redensarten wakker verpackt und nach Deutschland versendet, fühlt sich eine jede Redaktion entzückt, sie dem Publikum auf ihrem papierncn Prasentirteller darbieten zu können. Glückt eö gar einem solchen Schriftstellercommis, der mit Phrasen handelt, sich bei allerhand französischen TageScelebriräten einzuschmuggeln, so ist er der Abnahme seiner Beschreibungen, Schilderungen, Skizzen ff. gewiß. Jener. A- W eill, derselbe, der schon im „Telegraphen" als A. W. versichert hat, die Juden wüßten nicht was Judenthum, die Christen nicht, was Chnstenrhum sei — wahrscheinlich nur er und der „Telegraph" wissen es— derselbe, der schon mehre Male ernstlich in der Zeit. f. d. cleg. Welt versichert hat, er sei ein Jude,.aber an Gesinnung ein Christ, derselbe edle Jüngling, der sich in Frankfurt am Muin mit dem Herrn Dr. Schuster, der wenigstens Jude nur gewesen, so fürchterlich blamirt, und mit Ehrenerklärungen verschimpft hat: derselbe meinte-auch neulichst, „die jüdischen Gelehrten standen allesammt nicht auf. der Höhe der Zeit." Solche Phrasen, auswendig gelernt und bei Gelegenheit recht oder übel angebracht, (denn da solche Subjekte diese Phrasen selbst nicht verstehen, können sie auch keine Rechenschaft über ihre Anwendung-geben,) naher zu untersuchen, zurückzuwcisen und dgl. ist hier nicht der Ort. Diese Art Leute, wenn sie eine, zum Bewußtsein gekommene Meinung haben, meinen, man stehe aus der Höhe der Zeit, wenn man faullenzend nach Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Paris schlenkert, sich dort die Kaffeehäuser besieht, dann neumodische Phrasen dreht,. sie im Telegraphen oder der Zeit, für die eleg. Welt abdrucken läßh und überhaupt im vornehmen Ton über.Alles ab-