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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-24 · Heft 86 (24.8.1839) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 86 (24.8.1839)
Date
1839-08-24
Page
Seite 424 (sequence 8)
Language
German
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424 hoben eine falsche Anklage gegen ihn, in deren Folge er eines gewaltsamen Todes sterben mußte. Die Ohren schmerzten denen, die dieß hörten, und die Augen, die es sahen, weinten Blut. Erschrecket ihr Himmel über diese Gräuel! Ach, sie haben das Blut eines Gerechten vergossen, um der Gottlosigkeit und Falschheit seiner Ankläger willen! Seine Gebeine werden vor Gott um Rache schreien, der in der Höhe wohnt. Er aber ist in die Wohnungen des Paradieses zum ewigen Licht eingegangen. Möge seine Seele im Licht glänzen." H. Auf eine Frau. „Ach, all ihr tugendsamen Weiber, kommt und trauert um Sarah, und weinet um sie. Sie war das Weib R. Abrahams von der Familie Leon. Sie starb kn den Ruinen ihres eigenen Hauses im Jahr 5445 am 14. Tage des Monats Kislew. Möge Gott in seiner überschwenglichen Güte ihre Seele mit denen anderer rechtschaffener Weiber in das Paradies aufnehmen." Weder Juden noch Mauren tragen schwarze Kleidung als Trauer für Verstorbene, aber die erstere begleiten den Leichenzug immer in ihrem schlechtesten (wenigstens einfachen) Gewand, um ihren Schmerz kund zu geben (vielmehr um keine Pracht bei solcher .trauriger Gelegenheit zu zeigen). Die Männer klagen und weinen bei Begräbnissen sehr; zuweilen'sind auch Weiber gegenwärtig, und ist dieß der Fall, so kann man daraus rechnen, daß ihr Schmerz nicht stumm ist. Eine je nach dem hohem oder niedern Stande des Verstorbenen längere oder kürzere Rede wird in kleiner Entfernung vom Grabe gehalten, Gebete werden abgesungen und Sammlungen für die Armen veranstaltet. Wie man mir sagte, herrscht ein höchst abergläubischer Gebrauch noch immerdort; wenn nämlich ein Mann stirbt, so glauben sie, der Teufel laure vor dem Hause, um sich des Leichnams auf dem Wege nach der Begrabnißstatte zu bemächtigen. Da dieser aber wahrend des Zugs von den Rabbinern umgeben wird, so verliert seine höllische Majestät den Muth, folgt*aber doch der Prozession nach, in der Hoffnung, einen günstigen Augenblick zu seinem Vorhaben zu finden und mit dem Leichnam ins Grab zu schlüpfen. Wenn dieser daher dem offenen Grabe nahe ist, so weichen die Träger mit dem Verstorbenen plötzlich bis auf eine gewisse Entfernung zurück, und. der Rabbiner wirft nach verschiedenen Richtungen hin Gold aus. (?) Der Teufel, der indeß dem Grabe schon nahe gekommen war, wird durch seinen Gei; verleitet, das Gold aufzulesen, und während er sich damit beschäftigt, beeilt man sich, den Leichnam zu beerdigen. Als ich dieser Tage mit einem Mauren, der die Juden bitter haßt, von dieser Sitte sprach, bemerkte ich, daß er we- ' nig davon wußte. An gewissen Tagen gehen die jüdischen Familien auf den Begrabnißplatz, um auf den Gräbern ihrer Angehörigen zu weinen. Die Franzosen haben zwar in Algier nichts gefunden, was einer Lancaster'schen Schule ähnlich gesehen hätte, wohl aber bestanden schon lange vor der Eroberung Schulen gegenseitigen Unterrichts zu Algier, Bona und Oran, die den eingebornen Kindern — der Juden sowol als der Moslem — offen standen. Pcivatunteccichtsanstalten giebt es zwei für Knaben mit 72, und vier für Mädchen — wovon drei in Algier und eine in Oran — mit 169 Zöglingen. Dabei ist bemerkenswerth, daß die Juden die neu eröffnten Unterrichtsanstalten weit eifriger benutzen als die Mauren. II. Tunis. Sicheren Nachrichten zufolge nimmt der Fürst von Pückler-Muskau an, daß von den 700,000 Juden, die sich in den sämmtlichen Staaten der Berberei befinden, 50,000 auf die Stadt Tunis kommen. Die Israeliten, sagt er, suchten, als eine wahnsinnige ^Politik sie aus Spanien und Portugal vertrieb, von der Religion der Duldung verjagt, eine Zuflucht bei den Barbaren. Sie fanden in Fez, Algier, Tunis und Tripoli eine große Anzahl ihrer Brüder, ursprünglich aus Judäa und Aegypten hier eingewandert, viele auch, wie man sagt, von den Cananitern abstammend, die, vor Josua fliehend, sich in Mauritania und Tingitania angeft'edelt hatten. . Man erzählt viel von der harten und grausamen Behandlung, welche die Juden von den Muselmännern zu erleiden hatten; es scheint dies jedoch sehr übertrieben zu sein, daß sie mit Verachtung und Insolenz behandelt werden, ist gewiß, wiewol auch dieß täglich geringer wird. Sonst dursten sie z. B. bei keiner Moschee vorübergehen und ihre Schuhe anbehalten, jetzt habe ich nicht gesehen, daß irgend einer daran denkt, sie auszuziehen. Zur Zeit Hammuda Pascha's fiel in dieser Hinsicht eine lächerliche Begebenheit vor. Unter den Juden, die bisher immer dreieckige Hüte oder röche Mützen getragen hatten, singen einige junge Neuerer an, sich der christlichen runden Hüte, zu bedienen, und mit der Dadine.in der Hand, als damalige Fashionables auf dem einher zu stolzieren. Die Mauren nahmen dieß übel und beklagten sich beim Pascha, der den Juden verbot, solche Hüte ferner zu tragen, und zugleich befahl, daß wo einer sich künftig damit blicken ließe, ihm der Deckel desselben mit dem Sabel abgehauen werden sollte. Nach einigen Executionen solcher Art kehrten die Juden sehr entrüstet und mißvergnügt zur Mütze und zu

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