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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-24 · Heft 86 (24.8.1839) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 86 (24.8.1839)
Date
1839-08-24
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
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425 Allgemein behaupten dieß die Juden, daß, seit die Franzosen hier sind, es keinen Handel mehr gibt, und der einzige Türke, dessen Bekanntschaft ich hier gemacht habe, bricht jedes Gespräch, das ich über die Franzosen mit ihm anknüpft, mit dem Ausruf: „Bestia!" ab. Beim Abschied sagte mir dieser Maure noch mit einem wilden Lächeln, daß bei einer Aenderung der Dinge es eine sehr sehnlich gewünschte Genugthuung sein würde, die Juden zu züchtigen. „Sie beschimpften uns, fügte er hinzu, am Tage nach dem Einrücken der Franzosen, und schon am Tage nach ihrem Abmärsche würden wir Rache nehmen." Nach Allem, was ich hörte, dürste ein plötzliches Verlassen der Regentschaft von Sekte der' Franzosen seine, den neuesten Ereignissen zufolge, sehr ungegründete Furchtj furchtbare Repressalien nach sich ziehen, und die armen Juden könnten leicht Gefahr laufen sammtlich ermordet zu werden. Hatte, vor Ankunft der Franzosen, ein Jude Streit mit einem Moslem, so ward die Entscheidung einem muselmännischen Kadi übertragen; Zwistigkeiten unter ihnen selbst aber wurden von den Rabbinen und einem jüdischen Beamten, den man den König nannte, geschlichtet. Dieses Königsamt wurde gewöhnlich von irgend einem reichen Mitglied der jüdischen Gemeinde durch große Geschenke vom Dey erkauft. Es war mit demselben das Recht verbunden, gewisse Abgaben zu erheben. Die Franzosen haben diese Würde, diese, so zu sagen, jüdische Majestät, nicht abgeschafft. - Die Rabbiner hatten als Richter dieselbe Befugniß, wie die Kadis, auch stand ihnen eine besondere executive Gewalt zu Gebote. Die Verachtung der^Türken gegen die Juden war Ursache, daß man sich nicht viel um sie kümmerte, doch ist diese Verachtung nickt der einzige Umstand, der den Juden ihre unabhängige Gerichtsbarkeit sicherte. Der Prophet selbst hat gewissermaßen Achtung 'gegen das mosaische Gesetz vorgeschrieben. Ferner sagt der Koran rücksichtlich der Christen: „Lasset sie nach den Evangelisten richten." Wenn ein Christ sich auf diese Stelle berief, so erlangte er ohne große Mühe den Schutz des Konsuls seiner Nation; ausgenommen bei Vergehungen gegen die Regierung oder Religion des Landes, wo die Einmischung des Konsuls stets verboten war. Ich kann nicht sagen, daß die Israeliten hinsichtlich ihrer Grabschristen eben so frei von Wortreichthum sind, als die Mauren, aber.es ist mir doch sehr angenehm, daß die Eroberer ihre Gräber verschont haben. Weiter westlich vom Thore Bab'-el-Ded, als der maurische Begrabnißplatz, und glücklicherweise außerhalb der Linie der Landstraße, liegt der jüdische. Es. gibt da weder Blumen noch Bäume, aber dennoch ist es ein interessanter malerischer Platz, ganz nach meinem Geschmack, auf dem sich meiner Schätzung nach gegen hundert Gräber befinden mögen, sammtlich mit großen Platten von weißem Marmor bedeckt, auf denen die hebräischen Inschriften fleißig eingegraben und die Buchstaben sorgfältig geschwärzt sind; einige werden von einer ausgehauenen Hand überragt, zum Zeichen, daß ein Rabbiner dort begraben liegt. Ich brauche meine Vorliebe für die Hebräer bei Ihnen nicht erst zu entschuldigen, denn sie ist Ihnen bereits bekannt, und Sie wissen, daß schon der Anblick ihrer Schrift mich mit Ehrfurcht erfüllt. Du altes, ehrwürdiges und so sehr mißhandeltes Volk! Es gewahrt doch mindestens einen Trost,-deinen Staub in einem Lande ungestört zu sehen, wo du so viel gelitten hast. Vor fünfzehn Jahren verlegte ich mich mit Eifer auf die hebräische Sprache, habe sie jedoch aus Mangel an Uebung so sehr vergessen, daß ich die Inschriften auf diesem Begräbnißplatz nur unvollkommen verstand, und deßhalb einige abschrieb *). Ich brachte so viel heraus, daß mehrere der hier Ruhenden Märtyrer für den jüdischen Glauben gewesen waren und den Feuertod erlitten hatten. Ein Jude, der etwas Englisch verstand, lieferte mir eine Uebersetzung, die jedoch kaum verständlicher' aussiel als das Original. Sämmtliche Grabschriften sind in Versen, und einige sogar in gereimten Versen. I. Auf einen Rabbiner. „Dieß ist das Grab eines würdigen, geachteten, mild» thätigen, 'frommen und weisen Rabbiners Jacob Zeror. Er starb ruhmwürdig im Monat Nisan 5500. Der Stein auf diesem Grabe erweckt die Thränen und die bittern Klagen um einen Mann von achtbarem und edelm Gemüth. Wie schön und ruhmwürdkg waren seine Werke. Cr war aufrichtig in allen seinen Handlungen, streng rechtschaffen, ein großer'Wohlthäter. der Armen seiner Gemeinde, ein Schild seiner zahlreichen Nachkommenschaft, die Krone eines guten Namens; zuerst Schatzmeister der Gesellschaft Nos' ai Mittah **) und zuletzt ihr Theilhaber. Aus einer heiligen Familie hervorgegangen, ist sein Name wohlbekannt in den Städten. Nach allem Mühsal auf dieser Erde standen die Söhne Belials auf gegen ihn und er- *) Nach meiner Rückkehr nach England legte ich Hrn. Hurwitz, Professor der hebräischen Sprache an der Londoner Universität, meine Abschriften vor, und erfuhr nun von ihm, daß sie in neuerem oder korruptem Hebräisch abgefaßt seien, das selbst für den besten (?) Sprachkenner seine Schwierigkeit hat. Cr gab sich die Mühe mir einige, wörtlich zu übersetzen, von denen zwei hier eine Stelle finden mögen. Das heißt die Gesellschaft der Leichenträger smuß heißen Nosse Mittah rnroia «.

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