Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 86 (24.8.1839)
- Date
- 1839-08-24
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225100--02094-3234656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
420 anerkannt und deren Herbeiführung von der erwähnten Versammlung dringend erbeten war, so kann zur Zeit der Beschwerdevorstellung des Rabbinen Abraham Wechsler - eine Folge nicht mehr gegeben werden, und es hat bei der Entschließung vom 20. Jan. vorigen Jahres zu verbleiben. Die königl. Regierung St. des Innern wird unter Rückempfang der mit Bericht vom 24. Dez. vorigen Jahres vorgelegten Verhandlungen hiernach weiter geeignet verfügen, zur Durchführung der neuen Synagogen - Ordnung aber den einzelnen Cultusgemeinden, je nach ihren pekuniären Kräften, bezüglich der Ordnung der Synagogenstande, und sie nach der Möglichkeit der Unterweisung der Schuljugend im Gesänge, bezüglich des zu bildenden Chors, die angemeffne Zeit anzugönnen wissen. München, den LI. April 1839. II. Ansbach, den 27. April 1839. Nachdem mehrere Gemeinden der Rabbinatssprengel Ansbach, Fürth, Gunzenhausen, Pappenheim, Tomuhtlingen und Wassertrüdingen die Erlaubniß nachgesucht und erhalten haben, die durch die Regierungs-Entschließung vom 16. Nov. vorigen Jahres angeordnete Einführung der neuen Synagogen-Ordnung vom Marz 1836 in so lange zu sistiren, bis auf die hiegegen von dem Rabbiner Wechsler zu Schwabach bei Sr. Majestät dem Könige ekngerekchte Vorstellung vom 8. Dez vorigen Jahres eine allerhöchste 'Entschließung erfolgt sein würde, so erhalt untengenannte Behörde im Anschlüsse Abschrift der auf gedachte Vorstellung ergangene allerhöchste Entschließung des königl. Staats-Ministeriums des Innern vom 11. laufenden Monats, mit dem Aufträge, den israelitischen Cultgemeinden ihres Distrikts und den einschlaglichen Rabbinern dieselbe unter dem Zusätze zu eröffnen, daß es hiernach bei dem durch die Regkerungsentfchließung vom 16. Nov. vorigen Jahres angeordneten Auftrag, zur Einführung der neuen Synagogen-Ordnung, sein Verbleiben habe, und solche daher nunmehr in Vollzug zu setzen sei. Weil indessen durch die nämliche Ministerialentschließung gestattet ist, einzelnen Gemeinden, bezüglich der Durchführung der Vorschriften der Ersetzung der Synagogenstande durch Subsellien, und der Bildung des Sängerchors, auf Verlangen, mit Rücksicht auf ihre pekuniären Kräfte, und die Möglichkeit der Unterwessung der Schuljugend im Gesänge, zum Behufe des zu bildenden Chors, die angemeffne Zeit anzugönnen, so hat die untenbezeichnete Behörde die israelitischen Cultgemeinden ihres Bezirkes mit ihren desfallsigen Anträgen zu vernehmen, die Erinnerung des einschläglichen Rabbiners hierüber zu erheben und die desfallsigen Verhandlungen binnen 4 Wochen zur weitern Verfügung vorzulegen. Königl. Regierung von Mittelfranken, Kammer des Innern, v. Giech. Preußen. Berlin, Ende Juli. Die von Zeit zu Zeit in der Staatszcitung aus der Feder des Herrn vr. Hoffmann erscheinenden Aufsätze über die Bevölkerung des Preußischen Staates und deren Bewegung, sind jetzt von ihm gesammelt worden. Auch diese Allg. Zeit, des Jud. brachte zur Zeit Auszüge aus denselben. Da aber so häufig irrige Angaben über das Verhältniß der Juden in Preußen veröffentlicht werden, mag hier noch einmal eine Passage aus der Leipz. Allg. Zeit, stehen, welche einen Auszug aus jener Schrift bringt. Die Juden waren Ende 1837 in Preußen zu 183,579 Seelen herangewachsen, und machten so ein Skebenundsiebenzkgstel der Gesammtbevölkerung aus.— „Von den Juden in der Monarchie, sind seit dem Jahr 1823 nur 1888 zur christlichen Religion übergetreten, das ist jährlich nur die sehr geringe Zahl von 125, also, , nach dem heutigen Maßstabe dieser Bevölkerung, noch nicht sieben von je 10,000 Juden. Da bleibt denn freilich der Judenbekehrungsgesellschaft noch ein schönes Felo für ihre Thätigkeit! Die Judengemeinden km Staate vermehren sich jährlich durch den Uebecschuß der Geburten um lj- Procent, während die Gesammtheit der Einwohner sich nur um wenig über ein Procent vermehrt; und doch kam nahe auf 25 Lebende eine Geburt, während die Juden erst auf 28 Lebende eine hatten; aber sie haben dagegen auch erst einen Tobten auf 45—46 Lebende, während die Gesammteinwohner schon auf 33 — 34 einen zählen, woraus wieder ein wichtiger, von den oben genannten Statistikern hervorgehobener staatswirthschaftlicher Satz sich recht beweisend herausstellt, daß nämlich nicht die Anzahl der Geburten, sondern die Verminderung der Sterblichkeit das wünschenswerthe Mittel für die Volksvermehrung sei. Die Juden verlieren auch weniger Neugeborene und erreichen in größerer Anzahl ein hohes Alter als die übrigen Einwohner: beides sehr erklärlich aus der größern Sorgfalt, die sie, im Allgemeinen nicht durch Feldarbeit, Lohndienste rc. aus dem Hause gehalten, ihren Kindern widmen können , wie andererseits aus der großen Mäßigkeit, die diesem Volke eigen ist, unter welchem man selten einen Trunkenbold (deshalb auch so selten einen Selbstmörder) findet." Berlin, 9. August. Die Allg. Augsb. Zeit. No. 213 enthält von hier aus folgenden Artikel: „Man hört hier häufig darüber sprechen, wie doch so mächtig, wider alles Erwarten, sich der christliche Geist in unsern Tagen wieder rege, und als Beweis dafür die sogenannten Altlutheraner anführen, die wegen des Abendmahlsstreits, der seit der Kirchenverbesserung zwischen der lutherischen und reformirten Kirche bestanden und durch die Union hat ausgeglichen werden sollen, .Vaterland und Haus und Hof verlassen. Aber sollte ein Hauptgrund der auffallenden Erscheinung nicht auch in der Zeitkrankhekt der Auswandecungslust liegen? Möchte man dieß nicht zu glauben versucht werden, wenn man in der Philippson'schen Allg. Zeitung des Judenthums No. 70 f. 1839 unterm 11. Juni folgende Privatmittheilung aus Hamburg vom 27. Mai liest: „In diesen Tagen geht der erste*) Transport jüdischer Auswanderer, 86 Seelen stark, auf einem Schiffe nach New-Pork ab. Es sind Baiern aus dem Würzburg'schen; größtencheils Professionksten aus den Gebieten der Standes- *) Also scheinen mehrere bevorzustehcn. Unm. d. A. A. Zeit.