Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 86 (24.8.1839)
- Date
- 1839-08-24
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
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419 vorgebracht? nachdem sie eine hohe Kulturstufe schon erreicht, und eine glänzende Mission für alle Völker der Erde zum Theil erfüllt? nachdem sie die blutigsten Kämpfe für Freiheit, Heerd und Glauben gekämpft, und zu'einer Zeit den Römern Widerstand leisteten, wo Griechen und Syrer, Aegyptec und Iberer, Gallier und Britten vor ihrem Hauche zitterten? — die Zigeuner aber, unbekannten Ursprungs, nichtig an Gesittung, an Charakter, an allem, was über die unterste Stufe der Kultur hinausreicht? — Nein, darum und so stellt der Herr Ts. nicht die Juden mit den Zigeunern zusammen, er will nur sagen, Juden und Zigeuner'sind aus Asien gekommen — Germanen und Hellenen nicht? — und haben sich über Europa zerstreut, die Juden hätten aber Schriftsteller und folglich eine Geschichte, die Zigeuner nicht. Man sieht, Herr Ts. kennt keine Parteilichkeit. Dabei nimmt er denn Gelegenheit, über den Artikel Mosrkm, Denunzianten zu sprechen, daß sie früher nicht' betrauert wurden, 'was er für frühere Zeiten ganz gerecht findet. Jetzt aber sei es ganz anders, jetzt muffe man die Wahrheit öffentlich verkünden, sie könne nur noch Einzelne und individuelle Interessen verletzen. Er hat Recht, der Herr Lsarphati, dennoch wird.er uns eine Bemerkung gestatten. Alles kommt auf die Weise an, wie man einen Gegenstand behandelt, wie man die Wahrheit darstellt. Da kein Ding ohne Schwäche und Mangel ist, wir halten uns überzeugt, auch nicht ohne Lugenden, so kann auch die Wahrheit eine lebensgefährliche Waffe werden, wenn schonungslos die Gebrechen hervorgewendet werden, und mit ungeschichtlichem Blicke nur das Nachtheilige dem Lichte des Tages ausgcsetzt wird, wenn man das Gute, Wirksame verschweigt, die historische Aufgabe einer Erscheinung mißachtet. Dann opfert man-der Wahrheit, aber nicht ohne Falsch und Jcrthum. Der Herr Ts. richtet scharfe Pfeile-in diesem Briefe gegen das Talmudstudium, namentlich wie es früher getrieben. - Es ist wahr, jener Geist der Verdrehung, der es durchdrang, schadete dem Gerechtigkeitsgefühle, dem Geschmacke, der Wissenschaftlichkeit, jene Traktate über Nida rc. schadeten der Unschuld der Jugend, ja, es paßt in dieser Gestalt nicht mehr für unsere Tage, und ist so verderblich für Judenthum und jüdische Theologie. Aber' warum mit keinem Worte daran gedacht, daß dennoch dieses Talmudstudium das Judenthum erhalten? daß es allein der geistige Hebel war, der unter dem gewaltsamsten Drucke den Sinn für Geistesthatigkeit, für Diskussion und höhere Bewegung bei den Juden rege erhielt? ohne dey wir nirgends ein Mittel sehen, wodurch die Juden bei ihren Verhältnissen nicht unter das Niveau alles griffigen Lebens tief, tief gesunken wären? — Dies, nur dies allein versuche Herr Ts. zu leugnen! Nie wird es ihm gelingen, und was sind wir dann diesem Talmudstudium, das in dem Herzen des 13 jährigen Knaben schon das Streben nach höherem geistigen Erwerbniß weckte, schuldig? Hat es uns dann nicht allein befähigt, unter der Sonne des neunzehnten Jahrhundert wieder hinauszutreten in den Kreis des Lebens, in das Gebiet der Wissenschaft? Allerdings also bedürfen wir jetzt einer'ganz andern Studlcnweise, viel muß entfernt, viel herangebracht werden — aber vernichten, ausrotten — das ist das Werk unsrer allseitigen Zeit nicht! Alles dies bringt Herr Ts. in die Biographie des Ensheim hinein, und gewiß würdigen wir seine bittre Klage, daß in Frankreich kein Versuch gemacht wird, das Studium der jüdischen Theologie auf. wissenschaftliche Basis zu bringen, und die Consistorien meist aus Leuten bestehen, die das Eine wie das Andre nicht verstehen. Zuletzt bedauert er, daß Herr Cerf-Beer durch seinen Eintritt in das Kriegsministerium keine Zeit übrig hat, um sich mit diesem Fache, in. welchem er bewandert ist, zu beschäftigen. Deutschland. Dresden, 24. Juli. Nach dem so eben erschienenen Staatshandbuche des Königreichs Sachsen betrug Ende 1837 bei einer Gesammtbevölkerung von 1,652,114 Personenchie Zahl der Juden 845. Aus Mittelfranken, 7. Aug. (Privatmitth.) Die obskuranten Gegner alles Bessern haben mit allen Kräften gestrebt, das gegen l)r. Löwi erschienene Reskript allseits publik zu machen, obgleich sie darin selbst als Denunzianten (ü'nö'ra) erscheinen. Dekrete aber, worin sie eine offenbare Niederlage erleiden, erwähnen sie mit keiner Sylbe. Ich zögere daher nicht. Ihnen einen solchen allerhöchsten Erlaß, worin jene zum Schweigen gebracht, sind, hiermit mitzutheilen. In No. 26 und 32 d. I. wurde bereits berichtet, daß wider die von der Kreisversammlung zu Ansbach beantragte, von der königl. Regierung bereits bestätigte Synagogen-Ordnung für Mittelfranken von dem Rabbinen Wechsler zu Schwabach Protest eingereicht wurde, obschon ec selbst jener Versammlung beigewohnt, und der Synagogen-Ordnung seine Zustimmung gegeben, und daß er möglichst viele Cultgemeinden aufgefordert, diesen Protest zu unterzeichnen. Seine Pcotestation wurde durch folgende Erlasse erledigt. Staatsministerium des Innern. Nachdem die gemäß Ministerial-Entschließung v. 21. Jan. vorigen Jahres allerhöchst genehmigte Synagogen-Ocdnung für Mittelfcanken bei der zur Berathung über die Religionsverhältnisse der Israeliten im Jahre 1826 berufenen Versammlung, sowol von einem besonders gewählten Ausschüsse, als auch von der Plenarversammlung in reifliche Erwägung gezogen und von 104 anwesenden Rabbinern, Religionslehrern und Israeliten als angemessen und zue allgemeinen Einführung geeignet erkannt wurden, ohne daß irgend ein Anwesender, selbst nicht der nunmehrige Beschwerdeführer Rabbiner Wechsler, eine Einwendung gegen den Inhalt zu machen fand, nachdem letzterer auch dermalen in der Vorstellung vom 8. Dez. vorigen Jahres, und der im Duplikat anliegenden neuen Vorstellung vom 7. Jan. laufenden Jahres erhebliche Bedenken gegen dieselbe nicht vor-- zubringen vermag, und nur die unwesentliche und in vielen Synagogen bereits bestehende Ordnung der Synagogenstände und Einführung eines Chorgesangs, als mit dem mosaischen Cultus unvereinbar bezeichnet hat, ohne seine Behauptungen naher begründen zu können, nachdem endlich das Bedürfniß möglichster Gleichheit im äußern Cultus allgemein