Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 86 (24.8.1839)
- Date
- 1839-08-24
- Page
- Seite 418 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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418 men, und auf ein von ihm gegebenes Zeichen entfernten sich die jüngsten Mädchen, um jene zu holen. Nach einigen. Minuten erschienen sie wieder mit, Kaffee, Nosolio, Kuchen-und gefüllten Tabackchseifen- Unsere Unterhaltung konnte nothwendkgerweise nur Allgemeinheiten betreffen, weil wir, aus Achtung für unfern Wirth und die anwesenden Personen, uns hüteten, über religiöse und politische Gegenstände zu sprechen. Wir befanden uns alle mehr oder weniger in einer gewissen Verlegenheit; hatte aber jeder unverholen aussprechen können, -was er fühlte, wie viele verschiedenartige und entgegengesetzte Meinungen würden sich da Luft gemacht haben. Unsere Gesellschaft bestand aus Franzosen und Britten. Man beglückwünschte uns über unsere Nationalität auf eine Weise, wodurch man uns, ohne sich darüber naher auszusprechen, zu verstehen gab, daß man uns als Werkzeuge -Gottes betrachte, deren er sich in Zukunft bedienen werde, um das jüdische Volk vom Joche seiner Tyrannen^ zu befreien. Möge der Himmel recht bald einen solchen Wunsch in Erfüllung bringen. Denn der Anblick dieses unterdrückten Volkes, das verdammt ist in Sclaverei und als verachteter Fremdling, in dem ihm ursprünglich gehörigen Lande zu leben, chat etwas höchst betrübendes. Man müßte das kälteste Herz haben, wenn man untheilnehmend das Elend und die Leiden der armen Israeliten in Jerusalem betrachten konnte. . Die wohlbekannte Sitten-Eigenthümlichkeit dieses Volkes — denn seit Langem schon bildet es nicht mehr eine besondere Nation — ist vorzüglich auffallend bei allen in Jerusalem wohnenden Juden. Sie unterscheiden sich von einander durch verschiedene, den von ihnen früher bewohnten Landern entlehnte Gebrauche, denen sie sich/nach ihrer Niederlassung in der Stadt ihrer Väter, nicht sobald entnehmen können. Die schroffste Verschiedenheit zwischen ihnen und ihren levantischen Brüdern, ist eine gewisse Sitten- Freiheit zwischen den beiden Geschlechtern, die man besonders in den gesellschaftlichen Verhältnissen bemerkt. Bei alledem lassen sich die Jüdinnen nie unverschleiert in den Straßen sehen. Die Zahl der in Jerusalem wohnenden Israeliten, ist von den meisten Reisenden sehr übertrieben worden. Da sie in der Stadt wenig oder keinen Handel treiben, beschränken sie sich nothwendkgerweise auf einige Familien, die, blos von religiösen Beweggründen angetrieben, sich in ihr niederlassen. Ich halte mich berechtigt, zu glauben, daß ihre Zahl nie dreitausend überstiegen, wovon überdem noch die zwei Drittel zum weiblichen Geschlecht gehören. Die Synagogen in Jerusalem sind nicht allein klein, sondern auch übel unterhalten, was man, wie gesagt, weder der Armuth der Gemeinde, noch dem Mangel aus der Fremde eingehender Beitrage, sondern einzig und allein der unsichern Lage der Juden zuschreiben muß, die ihnen strenge Vorsicht und Klugheit zur ersten Pflicht macht. Ich wurde gerührt bis zu den Thränen, als ich, nahe am Vorhofe der großen Moschee, welche die Stelle des alten Tempels einnimmt, vier oder fünf Juden bemerkte, die Rabbinen zu sein schienen, und die, mit einem Buche in der Hand, has Gesicht gegen die-Mauern gerichtet, sehr andächtig beteten. ' In diesesMhekle der Maires gewahrt man mehren große Steine, -die augenscheinlich im hohen Alterthuck' bebauen worden, insofern man das aus ihrer ganz besonder«'Form schließen darf. Einige davon sind 12 bis 15 Fuß lang und 5 bis 6 Fuß hoch. Man gewahrt dergleichen Steine noch an mehreren andern Stellen in den neuen Mauern, vorzüglich auf der Südostseite. Da man an ihnen keine Spur von den Flammen bemerkt, die zu Titus Zeiten den ersten Tempel verwüsteten, haben einige Reisende vorausgesetzt, daß sie zu den von Julian dem Abtrünnigen, zum Wiederaufbau des Tempels bestimmten, Materialien gehörten; ein Unternehmen, dessen Ausführung, sagt man, von dem aus den Trümmern hervorbrechenden Feuer verhindert wurde. — London, 31. Juli. Der Tod der Lady Esther Stanhope, welcher am 23. Juni zu Dschur in Syrien erfolgt ist, kann in diesen Blattern nicht unerwähnt bleiben, nachdem sie so lange Zeit in der Nachbarschaft des heiligen Bodens gelebt, und stets so viele Sympathien für den Glauben und die Nachkommen Israels bewährte (s. No. 21. d. I.) Sie verstarb in einem Alter von 64 Jahren. Frankreich. Paris, 29. Juli. In allen den verschiedenen Kulten gewidmeten Gebäuden haben heute Trauerceremonien zuEh< ren der im Juli 1830 Gefallenen statt gefunden. — Die Synagoge der Israeliten war ganz schwarz ausgeschlagen; ein großer Zulauf von Teilnehmenden ließ sich kn derselben bemerken. Der Gottesdienst wurde mit dem größten Pompe gefeiert. (1. de8 Oed.) —. Die Wkttwe des am 12. Mai gefallenen Munizipal-Quartiermeisters Jonas hat die bei den Kammern in Vorschlag gebrachte besondere Pension von jährlich 1000 Fr. unter dem Titel einer Nationalbelohnung erhalten. (1. der. Oöb.) —. Da durch den Tod des bekannten Komponisten Paer die Stelle eines Professors der höhem musikalischen Komposition am Konservatorium erledigt ist, so schlugen das Konnte und die Kommission der königl. Theater den Herrn Halevy (israel. Glaubens) vor, und es ist kein Zweifel, daß die Wahl von der hohem Behörde bestätigt werden wird. Metz, 1. Aug. (Privatmitth.) Herr Tsarphati hat seinen 16. Brief im Courr. de la Moselle No. 88 vom 23. Juli erlassen. Wir müssen gestehen, dieser Brief ist ein Schreiben voller Geschicklichkeiten. Man hat selten wohl diese Gewandtheit gesehen, in einen Gegenstand einen andern hineinzuschmuggetn. Es ist eine talmudische Geschicklichkeit, und gerade gegen diese ist das Schreiben gerichtet. Geben wir zuvor den Inhalt. Er beginnt damit, daß er die Juden den Zigeunern gegenüberstellt, mit dem Unterschiede, daß jene eine Geschichte haben, diese nicht. Jeder wird fragen, warum Herr Ts. diese beiden zusammenstellt? Etwa darum, daß die Juden nach Europa kamen, nachdem sie ei'n anderthalbjahrtausendjähriges Staatsleben gehabt? nachdem sie eine vollendete Gesetzgebung, eine herrliche Literatur, eine gelauterte Gottesverehcung bereits her-