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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-24 · Heft 86 (24.8.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 86 (24.8.1839)
Date
1839-08-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 88. III. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein uuparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Phttippsvrr, Barnngärtners Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. ZU Leipzig» (Mit König!.' Sächsischer allergnädigstrr Concession.) Leipzig, den 24. August 1839. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabend-, und wird jährlich 96 Logen in Quart incl. des Titel-, Registeru. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckederselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig : mit 3 Thlr. für den Jahrgang — 1 Thlr. 12 Gr. für sich- Monate — 18 Gr. für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-, erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspeditivn sür beide Letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeitung-- Expedition allhier unterzogen. ZeitungS« ach richte«. Palästina. Jerusalem. (Neuester Bericht des Britten Georg Robinson). Die Straßen von Jerusalem sind nur zum' Theil gepflastert. Es gibt keine einzige, die auf eine Strecke von 15 Klaftern eben oder ununterbrochen sich hinzöge. Viele sind überwölbt, was der Stadt ein düsteres Ansehen gibt. Die dicht zusammen gedrängten, aus großen unbehauenen Steinen erbauten Häuser, sind fast nie über zwei Stockwerk hoch und. Festungen nicht unähnlich. Auf der Seite gegen die Straße gewahrt man nur selten Fenster, die alle gegen einen innern Hof gerichtet sind, in den man durch eine kleine, niedrige Thür gelangt. Die Dächer sindentweder in Terrassen- oder in Domform; nur sehr wenige sind zugespitzt, weil das Bauholz aus entfernten Gegenden bezogen werden muß. Die heutige Bevölkerung Jerusalems ist von den Reisenden verschiedentlich berechnet worden, und die von ihnen aufgestellten Abtheilungen derselben sind nicht immer übereinstimmend. Eine solche Nichtübereinstimmung muß vor Allem der Schwierigkeit zugeschrieben werden, genaue und befriedigende statistische Angaben, sich zu verschaffen; sondern aber auch den verschiedenen Jahreszeiten, in denen man nach Jerusalem kommt. Da jedoch die Bewohner der Stadt überhaupt in angesiedelte und in nicht angesiedelte sich scheiden lassen, kann man dennoch wohl eine der Wahrheit ziemlich nahe kommende Angabe aufstellen. Meinen persönlichen Beobachtungen, wie den Andeutungen nach, die ich mir zu verschaffen vermocht, darf ich versichern, daß die feste Bevölkerung Jerusalems nicht 12,000 Seelen übersteigt, wenn sie ja so hoch sich belauft. Davon sind die zwei Drittel Moslemin; das letzte Drittel besteht aus ungefähr 2500 Juden und etwa 1500 Christen der verschiedenen Kommunionen. Die Israeliten bilden unstreitig den interessantesten Theil der Bevölkerung Jerusalems. Wie in allen morgenlandifchen Städten, sind sie auch hier in einem abgesonderten Stadtviertel eingegränzt. Das von ihnen bewohnte ist der Theil der Unterstadt, der sich zwischen dem alten Tempel und der im Innern der Stadtmauer befindlichen Hälfte des Berges Zion befindet. Mam nennt ihn Haraht el Jahud. Die Häuser der Juden haben ein sehr ärmliches Ansehen. Auf der Außenseite sind sie gewöhnlich aus unbehauenen, unregelmäßig über einander geschichteten Steinen erbaut und ohne die mindeste architektonische Verzierung. Eine so große Einfachheit darf jedoch nicht als ein Zeichen von Armuth gedeutet werden. Die Bewohner dieser Steinhaufen erfreuen sich vielmehr im Durchschnitt eines nicht geringen Wohlstandes. Klugheit aber veranlaßt sie, vor den gierigforschenden Blicken ihrer Unterdrücker nicht allein ihren Reichthum selbst zu verbergen, sondern auch jeden Anschein, der seinen Besitz verrathen könnte. Die innere Ekntheilung der Hauser ist überall dieselbe. Durch die Eingangsthür kommt man in einen viereckigen Hof, um den sehr oft mehrere Familien ihre Behausungen haben, und der von allen Bewohnern gleichmäßig benutzt werden darf. Eine steinerne, im Innern angebrachte Treppe, führt zu den verschiedenen, fast immer im ersten Stockwerke befindlichen Gemächern. In einem derselben statteten wir.dem Kakam, oder Oberrabbine, unser» Besuch ab. In einem kleinen, niedrigen, doch reinlichen und hübsch möblirten Zimmer, fanden wir einen Greis, mit einem sehr ehrwürdigen Gesichte, auf dem Divan sitzend, umringt von einer aus mehreren Generationen bestehenden Familie. Als wir uns ihm näherten, wollte er aufstehen, woran wir ihn jedoch hinderten. Ein Freudestrahl glanzte in seinen vom Alter geschwächten Augen, als er uns sein Vergnügen bezeugte, in seinem Hause uns zu begrüßen. Er bat uns, einige Erfrischungen anzuneh-

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