Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 85 (17.8.1839)
- Date
- 1839-08-17
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225099--02083-3234644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
410 Menge sind die Schisse versammelt, die in ihrem Schooße die Trümmer Juda's bergen, den goldenen Leuchter, .den Tisch der Schaubrode, Gesetzrollen undunzählige Kostbarkeiten, daß der römische Pöbel sein lüsternes Auge daran weide,, und feine-Knechtschaft vergesse vor dem Glanze seiner Herrscher. —, Die .Morgensonne überschüttet mit ihren Strahlen die ehernen Schnäbel der Schisse, und glänzt silbern, von den Wellen zurück, welche die Ruder schlagen. Ein frischer Wind schwellt die kurzen Segel, und kräuselt das Meer. Aber nicht lange, so geleitet man mich hinab in den Bauch des Schiffes, und schließt mich mit Fesseln in eine enge Kammer. Eine vergitterte Luke gestattet mir noch die Aussicht auf die nahe Küste, der das- Schiff enteilt. So stehe ich aufrecht, wenn auch von den Fesseln gedrückt, gelehnt an die Schiffswand, die mich von den Wogen. deMMeeres trennt, und schaue hinaus. Hat man mir diese Fernsicht gestattet, daß ich Abschied nehme von dir, theures Heimathsland? daß ich dir Lebewohl sage, Land meiner Freuden und Schmerzen? Schon legt sich der Nebel um die zurückweichenden Ufer, <^das Einzelne verschwindet, -und nur als weiter Kranz um das Gewässer bist du sichtbar^ Jetzt erst trenne ich mich von dir, Gebirge Juda's, letzt erst verlasse ich Dich, thauiger Hermon, Dich, Jordan, und Dich, murmelnde Quelle des Siloah. Jetzt erst bist du mir entrückt, Wüste von Jericho, und ihr, schattige Haine Hebrons. Jetzt erst fühle ich, daß ich fern von euch bin, und mein Auge euch nie wieder sehen wird. Ich bin verlassen, verlassen von Vater und Mutter, Geschwistern und Freunden, ihr aber seid noch mehr verlassen. Dies Schweigen der Wüste hat sich über euch gelegt, der Tod eines Volkes hat sein Leichentuch über euch gebreitet: wann werdet ihr wieder erwachen? Rasttag habet ihr für die Ruhetage, die nicht gehalten worden, Brachjahre mehr denn alle Jobeljahre Israels, keine Pflugschaar durchfurcht, ^elne Hacke zerschneidet euren Bodeu^ und die spärliche Pflanze, die ihr hervorruft, sprießt nicht einmal für das Gewild des Feldes, das sie verschmäht. Wo hast du hingethan deine Bewohner? Wo hast du gelassen das Volk des Herrn-? du hast es verrathen ay Jschmael und Esau, an Aram und Javon — darum wandeln keine Propheten mehr auf dir, keine Feste werden dir gefeiert, keine Pilgergesange angestimmt, und das Wort des göttlichen Gesetzes hörst du nicht mehr. Meinest du,, daß darum der Kampf zu Ende ist? meinest du, daß du genug. Blut getrunken, w«il du das Blut deiner eigenen Kinder lechzend aufgefangen? da du Keinen gehörst, wirst du Allen gehören, Alle werden um dich werben mit dem Schwerte, und dein Staub wird ihre zerfleischten Leiber empfangen. Umt die heiligen Spuren, die dir eingedrückt sind, wird dex Kampf beginnen, um die Trümmer/ die du trägst, wird Schlachtmtzader entstehen, und die Schatten derer, die du begraben, werden den Schall der Krkegsdrommete immer von Neuem heranbcingen I Lebet wohl, ruft ich hinaus, ihr Gräber, lebet wohl, Begrabene und Unbegrabene, Glieder meines zerschmetterten Säuglings, du todter Leib meiner Marianne, Jejada mi deinem Weibe und deinen Kindern, ruhet wie Wächter um den großen Leichnam Jerusalems, um dessen zerschelltes Haupt, dm Aschenhaufen des Tempels. Euer Volk ist ausgewandert als Sklave, und kommt nicht wieder; Eure Fürsten schreiten in Ketten vor dem Triumphwagen Eures Zerstörers. Wollt ihr fragen nach den Euren, erhebet eure Stimme laut, daß sie sie vernehmen, rufet bis an die vier Ecken der Erde, bis an das Ende des Himmels, dann werden sie sie vernehmen. Warum habt ihr uns gehen lassen? warum nicht bei euch behaltm? Nun kommen wir nicht wieder, wir waren denn um den Rand der Erde gewandklt. Aber ihr habt uns mitgegeben euer Angedenken und euren Namen, und das ist eine schwere Last. Denn man wird uns. sagen, wir röchen nach Leichen, und sahen nach Trümmern aus .... Lebet auch ihr wohl, Maeseja und Schulamith, letzte Strahlen meiner Lebenssonne. Habet ihr euren Tobten gebettet in den Schooß der Erde, den ihm kein Syrer streitig macht? Habt ihr den Wanderstab ergriffen, der euch frei mache vom Boden der Unfreiheit? Auch euch werde ich nicht Wiedersehen .... Das Schiff macht eine Wendung, und nur das unermeßliche Meer liegt noch vor mir. Ich werfe Mich nieder auf die harten Planken des Schiffes. Ich will den doppelten Himmel nicht sehen, droben und im Meere, da ich keinen habe in mir und um mich! Auszüge. Die jüdische Sekte der Karotten in Süd-Rußland. Von I. G. Kohl.' (Fortsetzung.) So. viel von der Geschichte und Statistik dieses kleinen Völkchens, dessen Charakter und Sitten, doch so eigenthümlkch und ehrenwertb sind, daß die Kärai'tcn überall, wo sie erscheinen, sich seines Namens erfreuen, dessen Ruf mir ihrer geringen Anzahl in gar keinem Verbaltnisse steht. Jbr ganzes Aeußere sowol, als auch ihr inneres Sein und Wesen ist eine Mischung aus Tatarischem und Jüdischem. Und eS ist auS dieser Mischung, gegen die gewöhnliche Regel, etwas ganz Angenehmes und Erfreuliches hervorgegangrn. l Mit türkischer Ruhe und Gesetztheit, die ihren