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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-17 · Heft 85 (17.8.1839) · p. Seite 409

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 85 (17.8.1839)
Date
1839-08-17
Page
Seite 409 (sequence 9)
Language
German
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409 aus seinem Munde, sein Haupt gleitete schnell von dem Busen Schulamiths herab, und fiel tief in die Kiffen, und es war Alles still an ihm. Wir waren aufgesprungen, und riefen stehend: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott., der Ewige ist einig!" Schulamith sprach es mit, aber plötzlich brach sie zusammen. Ich hatte auf sie gesehen, und sing sie schnell in meine Arme auf. Sie lag in Lodesbleiche an meiner Brust. Ich weinte, meine Thränen rannen auf ihre geschlossenen Augen, und ich wußte, daß es meine Thranen waren- Da sielen starke Schläge auf die verschlossene Thüre. Der Ton, der durch die öden Hallen wkederhallte, sagte mir, daß er von Fasces römischer Liktoren käme. Niemand wich von seinem Platze, Maeseja und seine Söhne standen erstarrt, und ich hätte um keinen Imperator die Bürde /nkedergelegt, die meine Brust beschwerte. Das Thor gab bald nach, und in kurzer Zeit traten römische Soldaten ln das Zimmer. Als sie unsre Gruppe erblickten, wichen sie scheu zurück. Der Centurio trat vor, und frug, wer von uns Amnon, der Sohn'Jojada's sei? Da winkte ich Joseph, er nahm seine Schwester und . trug sie auf ein Ruhebett. Hier bin ich. „Im Namen des Imperators, folget mir zum Cäsar." Ich warf keinen Blick zurück auf die Zucückbleibenden, sondern schritt schnell zur Thüre hinaus. 7. Bald war ich an dem Eingänge des Pallastes, wo Titus resi'dirte. Durch Hallen und Gemächer, durch Wachen und Sklaven, durch Tribunen, Pcincipili und Decurionen hindurch, wurde ich geführt in das Speisezimmer des Casar. Auf bogenförmigem Ruhebett, um eine runde, mit Speisen beladene Tafel, lag Titus mit seinen Gästen, ihre Häupter waren mit Kränzen geschmückt, ihre Hände 'umschlossen goldene Becher, in denen der Wein aus Chios perlte. Als ich eingetreten, erhob sich Titus mit halbem Leibe, und blickte mich lang an. „Du bist einer der Zeloten, welche den Brand jenes Tempels verschuldet, den ich dem Jupiter weihen wollte, der den Namen meines Vaters tragen sollte." Ich habe mein Volk, meinen Heerd und meinen Glauben vectheidigt, so lange ich e§ vermochte. „Warum bist du nicht herausgekommen auf meine Aufforderung mit den Edelen, die ich nach Gophna sandte?" So lange der Kampf noch währte, gehörte ich ihm. Ich hatte ihn nicht angefangen, konnte ihn nicht beenden, aber entziehen durfte ich mich ihm nichtich mußte bel ihm bleiben. „Ihr habt eure Hände mit dem Blute eures eigenen Volkes befleckt. Du bist des Todes schuldig." Meine Hand ist rein geblieben. Ich habe nur gegen Römer gefochten. Was Andere thaten, mögen sie selbst vertreten. Aber wo der Kampf entspannen ist um sein Dasein, sein Recht und seinen Gott, wer kann da sagen: so weit und nicht weiter, (^ann ist der Tod so nahe an mir vorübergegangen, ich habe ihm die Hand brüderlich entgegengestreckt, warum sollte ich sie jetzt nicht ergreifen, wenn sie mir geboten wird^ „Ich habe mir erzählen lassen die wundersame Weise, wie dich der Löwe im Kampfspiel verschont. Ich habe jetzt ein Anderes mit dir vor." Was du beschlossen, es geschehe, so du es ausführen kannst. „Du sollst leben bleiben bis — zu meinem Tkiumph« zug. Mit Simon ben Gioras sollst du dem Zuge der Besiegten in Trauerkleidern vorangehen. Dein Leben stehe dann in der Hand meines Vaters. ' Lene iwperatori, Freunde!" Und sie tranken das Wohl des Kaisers in gemischtem Chierweine bei meinem Schmerze. „Was meinst du?" frug mich Titus dann. . Schmeichler nennen dich den Großmüthkgen, Titus, erwiederte ich. Und du bist kein Menschenschlächter, das weiß ich, wie die Meisten deines Volkes. Aber mir hast du deine Großmuth nicht erwiesen. „Könige gingen schon vor dem Triumphwagen des Römers,, und waren stolz darauf, und du .findest es unbequem, du Unbedeutender?" Ich bin ein unwissender Hebräer; auch ein Casar muß solche Unwissenheit verzeihen. Bei uns galt es stets für eine größere Wohlthat, den gefährlichen Feind dem Tode sogleich zu übergeben, als ihn gefesselt dem Pöbel zu zeigen, mit ihm zu prunken und ihn dann—: zu schlachten.^ Doch wir sind rohe Barbaren, nach eurer Sprache. „Solchen verzeihe ich auch die Sprache des Spottes. Geh, du bist zu deiner Bestimmung reif." Die Pforte des Cönaculums schloß sich hinter mir, und die Pforte des Gefängnisses öffnete sich vor mir. ■ 8. Ein Heller Morgen stehet über der Erde, da ich das römische Kriegsschiff betrete, welches mich im Gefolge des Cäfars nach Alexandrien bringen soll, und von da auS nach der Herrscherin der Welt, nach Rom. In zahlloser 85*

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