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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-17 · Heft 85 (17.8.1839) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 85 (17.8.1839)
Date
1839-08-17
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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408 habe bald keinen Erstgebornen mehr, mein Joseph und Hillel sind, noch schwaci-e Jünglinge: - auf wen soll sich meine zitternde Hand stützen?" Ich bleibe, wo ich bin, erwiederte ich, und wo man mich nicht von sich flößet. „Du vergißt, Vater, siel Schulamith ein, daß Amnon in Antiocheia nicht sicher ist, man kennt und verfolgt ihn hier." „Antiocheia! sprach der Greis. Habt Ihr gehört, welcher neue Frevel geschehen? Als der Casar in das Amphitheater trat, empfing ihn der laute Jubelruf der Syrer. Aber als er freundlich gedankt, traten abermals Abgeordnete der Stadt vor seinen Stuhl, und baten, wenn die. Juden bleideN sollten in Antiocheia, ihnen wenigstens die ehernen Tafeln, zu nehmen, auf denen ihnen Gleichheit der Rechte mit den Syrern zugesichert, und die' am Eingänge der großen Synagoge aufgchängt sind. Titus blieb standhaft, und verweigerte es ihnen. Da stiegen Frevler in der Nacht durch die Bresche in das vcrlasiene Gebäude, tödteten die alten Diener, welche darin wohnen und zerschlugen die Tafeln mit Aexten. Kein Jude wagt es, vor Titus zu treten, und ihm dies kund zu thun." Wir schlafen über einem Erdbeben, das losbrechen wird, wenn Titus abgezogen. „Ich habe heute die Gemeinde berufen lasten, um die Ethnarchenwürde nieder zu legen. Mein Haupt und mein Arm sind zu schwach geworden, sie tragen. Aber Niemand gehorchte dem Rufe, ich blieb allein. Jeder weilt im verborgensten Theil der verfallenen Wohnungen, nur hie und da schleicht eine Schatt-engestalt aus den Trümmern hervor, und eilt rasch vorüber. Wehe dem Augenblicke, wo die Gluth von Neuem aus der Asche schlagen wird. Unsre Vater sündigten, sie sind nicht mehr: wir tragen ihre Schulden: Knechte herrschen über uns, Keiner entreißt uns ihret Hand*)." „Israel, sprach Schulamith, hat sein Loos beendet in Asien. Es soll entwurzelt werden seiner Heimath, einer neuen Sonne soll es zueilen, die im Abendland langst aufgegangen. An den Strahlen dieser neuen Sonne soll es sich stärken und erhalten. Der uralte Haß Asiens gegen Juda ist das Werkzeug des Herrn, womit er den Ueberrest Israels nach Abend treibt, aus Asien verdrängt^ In den alten Sitzeü können wir. nicht mehr weilen. ^Man hat uns zu lange gefürchtet/ um uns unsre Niederlage zu vec?! zeihen, zu lange bekämpft, um unsre Schwäche zu bemitleiden.^ Wer zurückbleibt/ ,vernichtet sich selbst.: In Asien -) 2er. Klaget. 5, 7, 8. Redakt. (kann Juda keine Ruhe mehr finden. Laßt uns nach-dem ^Abendlands gehen!" ' . „Weh dem Greise, jammerte- Maeseja,. der noch wandern muß. Das Grab meiner Zillah soll ich hinter mir lasten, und mein Simon begleitet mich nicht!" Wenn Ihr ziehen wollet, sprach ich, wenn Ihr. Asiens blutgrrötheten Boden verlassen wollet, so geht nach Athenä. Dort, wo Morgen- und Abe^üand Zusammentreffen, ist man gleichgültig gegen Beides. Ein Jude, der dort wohnte, und nach Jerusalem zum Passah kam, hat mir Gutes von dort berichtet. Es ist dort eine Gemeinde, nicht zu stark, um des Pöbels Blicke auf sich zu ziehen, nicht zu klein, um Ankömmlinge nicht gastlich aufnehmen zu können. „Ich habe der Kostbarkeiten nur wenige gerettet, meine Lander muß ich zucückläffen, und seht euch um in dem zerstörten Hause, Syrechande haben Alles zerschlagen. Soll ich betteln in meinem Alter, ich, Maeseja, der nur zu geben gewohnt ist?" „Wir können arbeiten, Pater, sprach Joseph, sieh'unsre stacken Arme, in Zeiten, wie unsre, sind sie die sicherste Habe." - „Vater, fuhr Schulamith fort, der Gott Israels wird sich uns nicht entziehen und uns nicht untergehen lasten. Daß wir sind^ ist Beweis, daß wir sein so Um. S ollte Juoa ganz umkommen, würden uns die Trümmer Jerusalems allesammt begraben haben. Lehrtest du es uns selbst nicht, als wir die heilige Stadt verließen vor ihrem letzten Kriege: der Gott Juda's hat seit Jahrhunderten im Voraus Haufen geführt aus Jerusalem nach allen Ländern, daß Juda nicht fallen solle mit Jerusalem. Der Herr zeigt lange vorher, was wir thun sollen, wenn wir es verstehen und befolgen. <Wenn Dieser da sein letztes Lager gefunden, gehen wir nach Arhena^> Der Sterbende seufzte tief auf und fing wieder an zu röcheln. „Und Du, Amnon?" frug Maeseja. Wenn es gehen will, erwiederte ich, fo gehe ich mit. Ihr habt wieder Bande geknüpft um mich, ich möchte sie nicht zerreißen. Das Weitere weiß ich nicht. „Ja, Amnon, sprach Schulamith, du gehest mit uns, so der Herr will. Du bist meines Vaters Sohn geworden, und unser Bruder. Was der Herr dir bei uns aufgelegt, mußt du tragen. Wer wollte wandern ohne Ziel, und wo könntest du bleüben?" Jetzt öffnete Simon die Angen , ^aber es-war ein zerknickter Strahl in ihnerj; seine Hand wollte sich heben, aber sie griff nur; die Seufzer folgten schnell, aber die Brust hob sich nicht mehr/ Da floß ein rother Schaum

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