Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-17 · Heft 85 (17.8.1839) · p. Seite 405

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 85 (17.8.1839)
Date
1839-08-17
Page
Seite 405 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225099--02078-3234639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

405 Männer, sondern auch der Frauen, Kinder, Greise, Gefangenen, Flüchtlinge anempfaylen und für Recht erkannten, und Beispiele genug aufgeführt finden. Will übrigens aus dem angeführten Grunde Herr Prof, und Dr. Maurenbrecher die Juden die „Tyrannen des Alterthums" nennen, so muß er die Germanen, seine Altvordern, dicht-dabei stellen, Und sie mit demselben Titel beehren, denn vielleicht erinnert er sich noch, was er auf dem Gymnasium gelesen, nämlich der Worte Casar's L. 6-. Lib. Vit Cap. 23: „Ciritatibus (sc. Gennanorum), maxima laus est, quam latissimas circuin se vaslatis linibus solitudines habere, hoc proprium virtutis existimant, expulsos agris finitilBlOjS ceilere, neque quemquam prope se audere consisiere. Aber diese Herren haben ein sehr kurzes Gedachtniß, nur nicht um die Juden zu schmähen, und nebenbei der heiligen Schrift so einige Seitenhiebe zu versetzen. — Was Titus anbetriffr, so kann es bei aller Zartheit des Ausdrucks Josephus nicht verbergen, wie gut es dem „ Großmüthigen" anstand, nach dem Kriege 2500 Juden allein zur Feier des Geburtstages seines Bruders Domitian theils verbrennen, theils gegen Bestien kampfend tödten zu lassen in Caserea, und dies zum Vergnügen seiner Soldaten an drei, vier Orten zu wiederholen (Jos. L. I. Lib. VII) -— Zeigt aber Herr Prof, und Dr. M. eine so krasse, absichtliche oder wirkliche Ignoranz, so ist er es nicht Werth und ist es unsrer Zeit nicht würdig, noch immer wieder auf die Widerlegung seines zweiten, dummen Satzes zurückzukommen. Redakt. Literarische Nachrichten. Hamburg, 25. Juli. (Privatmitth.) DaS im homiletischen Bciblatte dieses Jahres No. 18. S. 72 ausgedrückre, und von Ihnen in einer Anmerkung erläuterte Bcdürfniß einer tcilmudischen Chrestomathie wird bald seine Erledigung finden. Der unermüdliche Dr. Salomon hat eine solche unter der Feder, und wird sie unrer dem Titel erscheinen lafien : „Schatze aus dem Orient, eine talmudisch-rabbinische Chrestomathie." Dieselbe wird den Text und die Uebersetzung geben, meist aus dem Talmud, der Misch na und den Midraschim. Sie wird, ganz wie Sie es ausdrückten, mehr das Philosophische und Moralisch- Religiöse als das Dogmatische im Judenthum behandeln, . und nach den Materien systematisch geordnet sein.— (Wir geben dem geehrten Bearbeiter dieses Gegenstandes zu bedenken, ob nicht, da daü Buch doch besonders auch für den Jugend- und Schulunterricht geeignet sein soll, ein kleines Wörterbuch zu den Texten, öder kurze Anmerkungen, in denen die Wurzelwörter und deren Bedeutung gegeben sind, hinzugefügt werden müßten? Redakt.) —. Derselbe Schriftsteller ist jetzt auch mit der Herausgabe seines dritten Lebensgemäldeö, nämlich des Eliah beschäftigt, das sich an seinen Mose und David reihen soll. In der Subscriptionseinladung hierzu sagt er: „Es paßt dieses dritte Lebensgemälde um so mehr in die Zeit hinein, um so aufgeregter sie ist und der Kampf für die heilige Sache des Lichtes und der Wahrheit auch in Israel aufs lebhafteste geführt wird. Ob und wie und wofür der Kampf zu kämpfen sei, daö lehrt kein Seher nachdrücklicher als der für Gott und Religion entflammte Eliah, der gegen ein versunkenes und verflachtes Geschlecht, das der Halbheit und der Lüge verfallen ist, das Schwert der Wahrheit zu führen, daö Wort der Wahrheit zu reden verstehet." — Magdeburg, 2. August. Angekommen, aus London: msni'pbi nösb “inD Vr 'n mbsntt na und srDcri anb *no ,lmi pbn '-di ett-isd 'p;'p with an Knglisli Tianslation by tli.e Kev. D. A. De Sola. London 5598. 2 Vol. — Hebräisch - deutsches kursorisches und alphabetisches Wörterbuch zum allgemeinen Siddur von Dr. Hcinemann. Lcipztg 1839. — Auö Köln: Mannheim, Lese- und Lehrbuch. 1839. Von dems. leichtfaßliche hebr. Sprachlehre. 1839. — Tages^Controle. Das u e ne Zahrhuudert. Erster Artikel. Der erste Tischri bringt uns ein neues Jahrhundert; wir schreiten in eine neue Zahl hinein, wir schreiben 5600. Es ist hier nicht der Ort, den alten Streit über die Jahre der Welt wieder anzufachen und weiter zu führen; auch nicht den Bestand unserer Zeitrechnung neben der europäischen zu vertheidkgen, da doch das Judenthum immer einer kirchlichen Zeitrechnung bedürfen wird, weil die christliche, eben wie die mahomedanische, das Prinzip ihrer Kirche enthält. Es ist genug, daß wir diese Zeitrechnung haben, und nach dieser Zeitrechnung ein neues Jahrhundert zu zählenbeginnen. Die Synagoge hat hiermit einen Zeitabschnitt abermals zurückgelegt, ein neues Jahrhundert erreicht, und einem Jeden wird es daher willkommen sein, an dieser Stelle unserer Wanderung durch den Lauf der Zeiten, einige Gedenksteine aufzuhäufen. Wir sind ja nichts weiter als eine Kirchengemeinde, wir lassen keine Glocken tönen, keine Kanonen donnern, wir halten keine Zweckessen und Festbälle —:: so laßt uns nur ein ganz wenig am Ende dieses Jahrhunderts in unseren Annalen blättern, in unsrer Kkrchmchronik die Thatsachen mustern, die darin verzeichnet sind, den Geist belauschen, der darin laut geworden. Das Jahrhundert, welches jetzt abläuft, war unstreitig für das Judenthum das wichtigste, seit dem Brande-Jerusalems, seit der Zerstreuung Juda's. Nicht Selbstgefälligkeit, nicht Ueberschätzung der vorhandenen Bestrebungen diktiren diesen Ausspruch, sondern die laute Stimme d?r Thatsachen. Zeugniß hiefür ist auch, daß nicht, irgend eine einseitige Förderung und Thatkgkeit, nicht , ein einseitiges. Resultat in demselben erzielt worden, sondern von einer wahr--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.