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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-17 · Heft 85 (17.8.1839) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 85 (17.8.1839)
Date
1839-08-17
Page
Seite 404 (sequence 4)
Language
German
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404 durch unsre eigenen Werke: sondern durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes, die wir Ln taufend Psalmen feiern, und welche wir für so unendlich und so wahrhaft göttlich anerkennen, daß sie hinlänglich ist, um die Geschöpfe,. die sie geschaffen, wieder zurück zu bringen zu sich, ohne Dazwischenkunft. Das ist der Unterschied des Judenthums, und kein andrer! Die zweite Fälschung, die man sich gegen das Judenthum erlaubt, ist diese, die unser Gottesheld auch S. 37 ausspricht: „Nicht eine Sekunde deines Lebens muß ohne Liebe zu Gott, und zwar Liebe von ganzem Herzen ff. gelebt sein, nicht ein einzig Mal mußt du deinen Nächsten minder geliebt haben, als dich selber, nicht ein böser Gedanke, nicht eine, böse Lust, nicht ein unnützes Wort müssen dir zur'Last fallen können: oder, du bist — verflucht." Fehlgeschossen! sagen Sie: — „oder du hast gesündigt" — dann haben Sie den Grundsatz des Judenthums! „Kehre nur einen Tag vor deinem Tode um, und du kannst die Gnade Gottes noch erwarten," sagen unsre Weisen. „Wenn der Frevler, sagt Ezechiel, sich kehret von seiner Sünde, und übet Recht und Gerechtigkeit — in den Satzungen des Lebens wandelt, so daß er kein Unrecht übet: so soll er leben, snicht sterben. (Sie wissen doch, was das im biblischen Sinne heißt?) All seiner Sünden, womit er gesündkget, soll ihm nicht gedacht werden; Recht und Gerechtigkeit hat er geübet, leben soll er." Und kennen Sie nicht den herrlichen Spruch Mosis: „Erkenne in deinem Herzen, daß nur wie ein Vater seinen Sohn züchtigt, so züchtigt der Ewige dein Gott dich!" (5 Mos. 8, 5). Wo also unterliegt das Judenthum dem Fluche um eines Augenblickes, einer bösen That wegen? Wissen Sie nicht, daß der Versöhnungstag eingesetzt und vom Judenthume streng beobachtet wird, um als Mittel zu dienen dem wahrhaft Reuigen, mit seinem Gotte versöhnt und rein zu werden? von dem aber unsre Weisen wohl sagen: „wer da spricht: ich will sündigen, der Versöhnungstag versöhnt's — den versöhnt er nicht." (Joma 85). — Uebrkgens muß ja Herr Stip auch wissen, daß das herrliche Wort: „ganz nahe ist dir das Wort, in deinem Munde und in deinem Herzen, daß du es thuest" welches Paulus Röm. 10, 5 ff. braucht, aus 5 B. Mos. 30, 11—14 genommen ist. — So viel, oder vielmehr so wenig zur Vertheidigung unsres Glaubens, um kurz die Fälschungen aufzudecken, die man sich gegen ihn erlaubt. Was unsre Personen betrifft, so schweige ich davon, und erwiedere dem Manne nur mit Verachtung. Ja, mein lieber Herr Stip, Sie haben Ihre Kanzel mißbraucht. Sie haben sie zu einem Orte des Skandals und der Lästerung gemacht. Sie haben sich auf derselben der gröbsten Injurien und gräßlichsten Schimpfworten schuldig gemacht, aber — auf wen dies fällt, das ist nun klar! Gebe nur Gott, daß es den Hämischen und Lästerern nicht gelinge, in Wirklichkeit unsern Frieden zu stören, aus unsrer Ruhe uns aufzuschrecken, und die Herzen unsrer Mitbürger uns abwendig zu machen. Uebrigens muß es Herr Stip sich gefallen lassen, daß die Zeit des Mittelalters vorüber ist, so ungern er es sehen mag. Preußen. Bonn, 25. Juli. (Privatmitth.) Man wird mich den Delator an hiesiger Juristenfakultät nennen! Aber Jude durch Erziehung und Gesinnung, glaube ich mich berechtigt, an das einzige Tribunal, das wir haben, an die Oeffentlichkeit zu appelliren, wenn man sich nicht scheut, einer andern Oeffenttichkeit, der studirenden Jugend, aus der die Blüthe der Staats-Intelligenz hervorgehen muß, seine Ansichten, und. waren es die gehässigsten und unwürdigsten, zu übergeben. Es gilt hier die, vorwaltenden Meinungen in einer Region zu beleuchten, aus welcher man das Vodurtheil und die Gehässigkeit sonst verschwunden wähnt. Sind wir nach Perthes (No. 74 d. Bl.) Fremde, so hat der Staatsrechtslehcer, Herr Prof. Dr. Maurenbrecher hier in seinem — vielleicht weil ec's gratis liest — ungewöhnlich stark besetzten Colleg über Völkerrecht, die Juden zu — „Tyrannen des Alterthums" gestempelt, „weit sie beim Einzug in's gelobte Land die friedlichen Grenznachbaren im Kriege ausgerottet! — Zu solcher Rede konnte ihn nur seine im Colleg so oft laut gewordene Apathie gegen die historische Seite der Rechtswissenschaft verleiten! Wie konnte er sonst ignoriren, daß im Kindesalter eines Menschen, wie eines Volkes/ Genugthuung des Beleidigten stets vorherrscht; daß ferner sein Vorwurf auch die Griechen und Araber trifft, da bei ihnen Blutrache als die ehrenvollste That durch Gesänge gefeiert wurde; daß endlich Rom, dessen Rechtsansichten wir noch jetzt nachbeten, den Galliern das „vae vietis!“ einst zugeruftn; daß Scipio erst auf Carthago's Schutthaufen geweint; daß Titus, g0N0il8 iiumani deliciae, das Würgen unglücklicher Gefangenen und Besiegten zugelassen.- Wahrlich, auch an den Manen unserer Altvordern versündigt man sich! — Weinen aber könnte Israel über den Fünfschillingsfortschrltt unserer Zeit und Herrn M. der gröbsten Unwissenheit zeihen, wenn es hört, daß er uns im Hörsaal zum Besten gab, was man in Gaffen und Gelagen lernen kann, daß nämlich Betrüg und Haß gegen Peregrinen den Juden von jeher Vorschrift gewesen und diese auch auf die Christen auszudehnen sei! Merkwürdig ist es jedenfalls, daß unsere Juristen so leicht die erste Regel des ooipu8 Juris vergessen, die da heißt: alter um non laodore, 8NINN cuique tribuere! Wo bleibt nun, Herr Professor, Ihre Ehrfurcht vor Menschenrecht und Menschenwerth, die Sie Ihren Zuhörern zum zehnten und hunderten Male betheuern? Alexander Friedländer, sind, juris. —. Der Herr Prof, und vr. M. kommt leider! mit seinen Ansichten und Worten ein Jahrhundert zu spät. Dahin hatten sie sehr gut gepaßt. Wir rathen ihm aller Ernsten, seinen Gegenstand ein wenig genauer zu ftudiren, und sind ihm die Quellen zu schwierig, so studire er nur. ein Werk, wie Hugo Grotius de siire belli ac pacis, da kann ec lernen, was im Alterthume Rechtens war. Er schlage z. B. Lib. III. Cap. IV. §. V. et seq. auf, da wird tz sehen, daß nicht bloß die Kriegeshelden, nicht bloß Geschichtsschrciber und Redner, sondern auch die Dichter, wie Euripides, Seneka, Homer, Horaz, nicht bloß den Mord der

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