Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 84 (10.8.1839)
- Date
- 1839-08-10
- Page
- Seite 398 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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398 und nicht einmal so leicht Hoffnung vorhanden ist, eine bald errichtet zu sehen, wenn schon vr. Wolff, dem selten so etwas mißlingt, die mehreren bereits gemachten Versuche, wenigstens eine Religionsschule zu bilden, bei seinem eifrigsten Bestreben dafür nicht zur Ausführung bringen konnte, so daß der wohlhabende Vater— für arme Kinder beiderlei Geschlechts blühen hier zwei herrliche Institute, deren jedes an 80 — 90 Armenkinder aufnimmt — dem es etwa ja ernst um eine religiöse Erziehung seines Kindes wäre, sich verurtheilt siehet, den Religionsunterricht seinem Kinde privat ertheilm zu lassen. So wird die Kopenhagens Gemeinde in Beziehung dieses von der kleinsten Gemeinde Deutschlands, ja selbst Polens beschämt! — Wenn es leider noch Väter giebt, die nicht einmal unter der Predigt ihre -Söhne an ihrer Sekte stehen haben, ja die sogar ihre Kinder aufsichtslos umherschweifen lasten, so wird ja ihnen, selbst an diesem einzigen Tage, an welchem ihnen der Vater eine geistliche Anleitung und Pflege widmen könnte, ohne durch den Drang der Tagesgeschäfte gestört zu sein, der Segen der Religion entzogen — und mit dem Psalmisten könnten wir gefragt haben: woher, woher soll die Hülfe kommen? wenn nicht eine anderweitige Hülfsquelle, die viel Ersprießliches verspricht, für dieselbe geöffnet, wäre. Es darf nemlich, nach allerhöchster Verordnung , die Jugend der hiesigen israelitischen Glaubensbekenner nicht eher zu irgend einem Gewerbe oder Stande ausgenommen werden, bis sie sich einer öffentlichen Religionsprüfung unterworfen, und darüber ein Zeugniß bekgebracht hat. Sie genießt daher vom 14. Jahre an und weiter, sechsmonatlichen Unterricht vom Herrn Vr. Wolff — welcher demselben wenigstens 8 Stunden in der Woche widmet— da die Mädchen nicht gemeinschaftlichen Unterricht mit den Knaben haben — und nach Ablauf dieser Zeit wird an einem Sonntag, oder Mittwoche, vor einer Königl. Commission, die Religionsprüfung (Consirmation) unter feierlichem Gottesdienste abgehalten. Dieses geschiehst jedes Jahr im Mai oder Juni, und die Zahl der Consirmanden beiderlei Geschlechts belief sich noch bis jetzt jedesmal auf 60—70 Kinder. So erziehet sich der Seelsorger eine junge Gemeinde in den Consirmanden, die des Segens viel verspricht, schon dadurch, daß er sie nach seiner Lehre erziehet, nach seiner Art sie bildet, und so ihr ganzes Wesen gleichsam in Macht hat, er kennt und weiß, wie er es später zu benutzen hat, wodurch er ihr Herz in dessen innersten Tiefen erwärmen und erheben kann; aber auch dadurch, daß ihm so Gelegenheit gegeben ist, sich — wie es bei vr. Wolff der Fall ist — ihre kindliche Liebe, ihr kindliches Vertrauen zu erwerben, das schönste Ziel eines geistlichen Führers'. *— So bewahrt es sich hier ganz besonders, .welche großen Hülfsquellen ein jedes auf Wahrheit, gegründetes Streben in sich hat; so es sich mit Gottesvertrauenin frischer Thätigkekt äußert. Denn wenn gleich Herrn vr. Wolff Alles überschauender Blick, seine bewundernswürdige Gabe, überall den rechten Punkt zu treffen, die fragliche Sache kurz und bündig zu fassen, und in der Rede auszudrücken, Md vorkommenden Nebeln die passendsten Mittel im-entscheidendsten Augenblicke entgegenzusetzen, die überhäuften Arbeiten in seiner Amtsführung als Rabbine und Prediger ihm um Vieles erleichtern; wenn gleich die ungetheilte Liebe, das völlige Zutrauen, was er seiner Gemeinde durch sein gesetztes, ruhiges, bescheidenes und gefälliges Wesen, durch aufopfernde Pflichttreue,, mit welcher er sein Amt verwaltet, abgewonnen, die Beschwerden dieses ihm um Vieles erträglicher kmachen; wenn endlich sein seltenes Rednertalent, seine nicht genug zu bewundernde Leichtigkeit, mit welcher er memorirt, es ihm möglich machen, in einer Woche 6 — 7 der verschiedenartigsten Vortrage zu hasten, so ist jedoch diese Erscheinung, daß er vonder Kanzel herab einem dänischen Publikum fast dasselbe Predkgertalent in der dänischen Sprache, einer Sprache, die er vor 8 Jahren nur dem Namen nach gekannt, und in der er sich jetzt trefflichst ausdrückt, kund gibt, daß schließlich — und besonders charakteristisch — Ünmuth, Laune und Unpäßlichkeit, wenn sie ihn bisweilen überraschen, in Heiterkeit' und Freudigkeit und Wohlbefinden sich umwandeln, wenn die Stunde herbeikommt, in welcher er das Wort Gottes predigen soll, diese seltene Erscheinung, sagen wir, durch nichts verständlich, als durch die Kraft der Religion, der er sich ganz und von ganzem Herzen gewidmet, und die sich in solchen Augenblicken an ihm äußert. — So sehen wir im Norden realisirt, was jetzt, wie wir aus dieser Zeitung erfahren, von allen Seiten im Süden Deutschlands in voller Regsamkeit ist, und wenn freilich, was vom gottesdienstlichen Leben der Gemeinden mitgetheklt wird, zum Theit nur auf einzelnen Handlungen, wie Consirmatkon und bergt, sich bezieht, so leidet es doch keinen Zweifel, daß das gesammt religiöse Leben Israels davon durchdrungen werden wird, und die Zeit nicht mehr fern steht, wo des Propheten Wort nicht mehr lauten wird: .m» »Vi.V- 121 Ivp2b itataw• niw 121 -,1LL01 (Amos 8, 12).