Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 83 (3.8.1839)
- Date
- 1839-08-03
- Page
- Seite 374 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 hätte wieder beseitigen lassen können, wenn es der Behörde die NtttUr Vieser Gesellschaftest vom rechten Standpunkte dargeHÜrgethan. Ich werbe Ihnen umgehends eine Rede senden) )i>veW Netzen dieses' Gegenstandes im Konsistorium., Herr Creange gehalten, derselbe, welcher bei dem Begrabniß des unglücklichen Jonas, der am 12. Mai getödtet worden, die von Ihnen No. 67 gegebene Rede gesprochen. Paris, 18. Juli. (Privatmitth.) Folgendes Schreiben, datirt von Paris, 10. Juli, hat uns Herr Tsarphati eingesend.et, und geben wir dasselbe in wortgetreuer Uebersetzung: „Mein Herr Redakteur! Ich hoffe, daß Sie mir gern erlauben werden, einige Zeilen zur Beantwortung Ihres Korrespondenten von Metz (Allg. Zeit. d. Jud. vom 11. Juni, No. 65) einzusenven. Diese von Ihnen redigicte Zeitung ist so anziehend, so belehrend, daß ich bedaure, einen, gewöhnlich so gut ausgefüllten Raum einnehmen zu müssen: es ist mein eigenes Interesse, kurz zu sein, ich Werde es sein." „Im 12. Lsarphatischen Briefe habe ich gesagt, daß die Tora, die einem asiatischen Volke übergeben worden, die Ideen eines solchen Volkes hat in Betracht ziehen müssen und in Betracht gezogen hat. Denn die erste Bedingung jeder Gesetzgebung ist die Möglichkeit ihrer Ausführung; dies drückt auch die Tora selbst auf eine klare und bündige Weise aus: vNE Aber bei fast allen Völkern der alten Welt ward das Weib als ein untergeordnetes Wesen, von zweitem Range behandelt. Die Tora hat es eben so behandelt. In diesem Bezüge machte ich die Bemerkung, daß in den beiden Dekalogen unter den Personen, welche den Sabbat feiern sollen, das Weib ausgelassen ist. Hierüber klagt mich Ihr Korrespondent des Jrrthums an; denn, sagt er, das Weib ist erwähnt, weil es heißt „und deine Tochter"; er Härte hinzufügen können, daß darin auch gesagt wird 'fr.Mfin „und deine Magd," was ein zweites Weib ist; aber das dritte, das die erste im Range sein sollte, ist vergessen, die Gattin, und von dieser spreche ich ja, was Man leicht ersehen wird, wenn man diesen zwölften Brief durchlauft; man findet sie weiter unten, wo die Rede ist, die Begierde nach ihr zu verbieten. Es findet sich da eine Variante in den beiden Dekalogen; in dem des 5. B. Mos. ist die Gattin für sich gestellt (-[Eftn abi rr&ia), und in dem des 2.23. Mos. nimmt das Haus ihre Stelle ein (pn nwnn ö6i). In einer so wichtigen, so konstitutionellen Urkunde, wo man eine so strenge Gleichmäßigkeit, bis auf die Sylben erwarten sollte, ist es sonderbat, so zahlreichen und so ursprünglichen Verschiedenheiten zu begegnen: die Bedingung der Unverändeclichkekt hat also nicht die übertriebene Wichtigkeit, welche man damit verbinden will. Die Erklärung , welche mir die befriedigendste scheint, ward durch den Talmud gegeben, der zü einem Mirakel Zuflucht nimmt: wo." „ ÄZettn man einen Knoten nicht lösen kann, haut man ihn durch; es ist dies kürzer und offener. Aber es ist Zeit, zu Ihrem Korrespondenten zurückzukommen. Er wirst mir vor, der Synagoge den Beinamen m&allique gegeben zu haben; niemals habe ich mich eines ähnlichen Ausdrucks gegen die Synagoge bedient; ich habe wohl im 13. Briefe gesagt, daß unsere Gemeinde (communion) metallique wart, was sehr verschieden ist. Di« Synagoge ist ein abstraktes Wesen,', wahrend die Gemeinde-aus Personen, Individuen besteht, Mit Fleisch und Knochen, und für diese bekräftige ich meinen Ausdruck. Man müßte wahrlich seine beiden Augen aus der Tiefe ihrer Höhlung reißen, wollte man nicht bemerken, daß das Geld in allen unseren Administrationen herrscht, in unsrer ganzen liturgischen Organisation, wie diese das Unglück dev Zeiten gestaltet hat. Ich finde diese Herrschaft nicht allein in dem Mizwotverkaufe, welchem Ihr Korrespondent mich eine wahrhaft lächerliche Wichtigkeit beilegen läßt, sondern ich entdecke diese Herrschaft besonders in dem System der Chorstühle, in den den Reichen verpachteten, verkauften, vermieteten Platzen; dieses System ist haffenswerth, denn ich, ein einfacher Künstler, von der Arbeit meiner Hände lebend, ich habe das Recht, nstch an die Sekte eines Rothschilds zu stellen, im Tempel; außerhalb des Umkreises des letztem, in meinem m'edem Stande, weiß ich alle von Gott errichteten Machte zu respektiren, und der Reichthum gehört zu diesen, wenn er gut angewendet wird; schlecht angewendet stammt er aus der Hölle, und kehrt dahin zurück. Aber in dem Innern des Heiligthums will ich keine andre Macht anerkennen, als die, von der Moses zu uns gesprochen hat, vor der unsere elenden Unterscheidungen in Rauchwirbeln verschwinden. Lassen wir den Schauspiel-, Concert - Sälen diese Trennung in Parterre und Paradies, erste, zweite und dritte Loge, nach der Verschiedenheit der Glücksgüter der Zuschauer; aber in einem Tempel — muß alles gleich sein: derselbe Preis, gar kein Preis, für Jedermann. Unsere Synagogen sind so Bethaussr, aber Tempel des Ewigen nicht; das ist nicht das Haus Gottes 'ii ma, wie es so bewundecnswetth unser unsterblicher Jesaja definirte. Dennoch stimme ich mit Ihrem Korrespondenten überein, daß diese schädliche Einrichtung lange Zeit eine dringende Nothwendigkeit war. Da die christlichen Regierungen uns nichts gaben, und im Gegentheil uns viel nahmen, mußte man durch irgend ein Mittel die Kosten unsres Kultus aufbringen. In jeder Sache, wie ich weiter unten gesagt, ist die erste Bedingung, zu bestehen; aber jetzt ist diese Bedingung auf einem andern Wege erfüllt. In Frankreich (und für mein Vaterland schreibe ich ja) macht unser Kultus einen Theil der Nationalausgaben aus. Es wird daher eine Zeit kommen, wo wir Anderen, Handwerker, Künstler, öffentliche Beamte, ohne Besitz eines Synagogen-Grundstücks, vom Staate den Tempel fordern werden, den er uns schuldet, um unfern Kultus darin auszuüben, wir werden die Synagogen ihren Eigenthüm'ern überlassen, und unsere Konsistorialrathe können dannfortfahren, davon immer denselben Gebrauch zu machen, das heißt gar keinen. — Es bleibt mir nun übrig, mich zu entschuldigen, daß ich öfters gesagt, wir waren une raee asiatique, ein asiatisches Geschlecht. Wo ist hier das Uebel? Sind wir ein amerikanisches, ein polynesisches Geschlecht? Ich weiß es nicht. Ferner, wann wird es verboten sein, die Sachen bei ihren Namen zu nennen? Wir haben Ist Frankreich eine Provinz, Elsaß genannt, votr trefflichen Patrioten, von den besten Franzosen bewohnt, und dennoch sind die Elsässer eine deutsche Bevölkerung. Sollte