Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 83 (3.8.1839)
- Date
- 1839-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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III. Jahrgang. Allgemeine §lo. 83. Zeitung -es Zu-enthums. Ein «vpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philrppforr, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger «» Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concesston.) Leipzig, den 3. August 1839. Diese Zeimng erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. deS^Titels, Registers u. s. w. um« fassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jabrgang — 1 Tdlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS» Speditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. ZeitungS - Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. England. . London, 15. Juli. (Privatmktth.) Durch eine ganz eigene Führung der Tories haken wir, gewiß wider die Hoffnung der Letzteren, die Aussicht erlangt, daß von Staatsseiten auch Etwas für uns, für unsere Schulen und Schüler gethan werde. In England nämlich hat bis jetzt der Grundsatz geherrscht, der Staat habe sich in das Schulwesen nicht zu mischen, und jen?s Aufsichtsrecht des Staats über die Schulen, welches insonders Preußen und Oesterreich mit so segensreichem Erfolge üben, wurde stets verleugnet. Die Whigminister suchten immer dieses Aufsichtsrecht zu erlangen, und sonderbar genug, aber leicht erklärlich, weil die Hochbischöflichen jenen nichts Gutes gegen die „herrschende Kirche" Zutrauen, waren es nicht die dissentirenden Kirchen, wie die Römisch-Katholische, die Socinianer, die Juden rc., sondern die anglikanische, welche den Ministern hierin um jeden Preis entgegenstand. Die Minister versuchten demnächst die Sache auf einem andern Wege zum Ziele zu führen. Sie ließen sich vom Unterhaus 30,000 L. St. jährlich bewilligen, welche sie zur Unterstützung und Beförderung sämmtlicher Schulen zu benutzen hatten, wodurch denn dem Ausschüsse des Geheimenraths das Recht einverleibt würde, die sämmtlichen Schulen zu inspiciren und zu kontrolliren. Da nun aber die anglikanische Kirche auf's strengste darauf wacht, die Schulen nur der Kontrolle Per Geistlichen zu unterwerfen, so ist dadurch unmöglich geworden, daß die 30,000 L. St. für die Schulen der anglikanischen Kirche verwendet werden, und der Nießbrauch derselben fallt allein den Schulen der. dissentirenden Partheien zu, den Römisch-Katholischen, Juden, Socinianern rc. Die Tories suchten dies nun dadurch abzuwenden, daß sie das Oberhaus zu einer Petition an die Königin veranlaßten, daß dieser ganze Akt dem Oberhause zur Beratung vorgelegt werde, weil, die Minister diesem aus dem Wege gegangen, indem sie ihn als Geldbewilligung nur der Autorität des Unterhauses vorgelegt. Allein die Königin hat am 11. d. der Petition eine abschlägliche Antwort ertheilt, indem sie zwar sich für verpflichtet halte, der „herrschenden Kirche" allen Schutz zu gewahren, daß sie aber dennoch von den'Grundsätzen der Gewissensfreiheit nicht abweichen könne. Es werden nun zwar alle möglichen Anstrengungen gemacht, daß wenigstens die Juden, weil sie . keine Trinitarier sind, leer ausgehen sollen: allein da die Geldbewilligung für sämmtliche Schulen des. Königreiches gestellt war, so können wir diesmal auf keine Weise umgangen werden. Schweiz. Basel, 9. Juli. Baselland hat den Juden jeden Aufenthalt auf seinem Gebiete, außer an den Markttagen, untersagt. Alle Handlungsdiener jüdischen Glaubens sollen binnen einigen Tagen das Land verlassen. — —. Wir haben diese Nachricht bis jetzt nur in einer Berliner Zeitung gefunden, und erwarten deren Bestätigung aus dem „Lande der freien Schweizer" selbst. Frankreich. Paris, 12. Juli. (Prkvatmitth.) In diesem Augenblicke sind alle rvmtt genannten Gesellschaften von Paris höchst aufgebracht gegen das Konsistorium, und zwar aus folgendem Grunde. Nach den beklagenswerthen Begebenheiten des Mai hat der Minister des Innern das Konsistorium des Seine-Bezirks aufgefordert, die rrmri genannten Gesellschaften zu verhindern, und das Konsistorium hat sich dieser Vorsichtsmaßregel, welche die höhere Behörde vorgeschrieben, gefügt (s'v8t eonkormö.) Die miian denken, daß das Konsistorium selbst diesen Befehl hervorgerufen, um dieser Administration sich zu bemächtigen. Um so mehr werden sie darin verstärkt, da das Konsistorium nicht den geringsten Einspruch gegen diese Maßregel, die es so leicht