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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-27 · Heft 82 (27.7.1839) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 82 (27.7.1839)
Date
1839-07-27
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
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570 so er es nicht bergen kann bei einander. Wird das Eine , geraubt, bleibt das Andere ihm wohlverwahrt. Es kommt eine stürmische Zeit über die Welt, aber Israel überdauert sie,, weil es nicht getroffen wird an Einem Orte. Dann, wenn die Zeit voll ist, wird der Herr kommen. Willst du verlangen, bis dahin zu leben?..." Schulamith, Friedensbotin, auch du' sollst sterben? Rette, dich, Jungfrau, durch den Gang, dm wir gewandelt. Der Hain der Daphne ist jetzt verlassen, du kannst ihn sicher durchschreiten. „Jener Gang ist entdeckt und verschüttet. Als man dich suchte, fand man ihn. Dies befürchtete ich, und ließ ihn vermauern." O, vermöcht' ich dich zu retten! Mein Blut soll willig fließen, meine Hand nicht erlahmen, mein Fuß nicht ermüden. Meine Mariamne sah ich sterben, soll ich dich auch sehen in des Römers Gewalt? „Laß mich, Amnon, in der Stunde der Gefahr werd' ich die rechte Rettung finden. Morgen schau' ich auf dich, so du gefallen bist, dein Haupt gesunken, dein Auge gebrochen: werde ich dir folgen zu deiner Mariamne und deinem Säugling." Sprach's, und war verschwunden im Dunkel der Rächt. 5. Die Gefahr war aufs höchste gestiegen. Um Mittag sank ein Theil der Mauer zusammen, die römischen Cohorten und der syrische Pöbel machten sich fertig, die Bresche zu besteigen. Was Waffen tragen konnte und Waffen hatte, bestieg die Mauer zum letzten Kampfe, ich selbst mit den tapfersten Jünglingen vertheidigte die Bresche. Seit zwei Sonnenuntergängen hatten wir keine Speise und kein Wasser mehr, dennoch ließen wir das Schwert nicht sinken. Alle umarmten sich wie Brüder, die Aussicht des Todes heiligte alle Herzen. Die Römer rücken heran, sie bilden ein festes Schilddach, die Griechen lassen ihre Alala vernehmen, die Syrer ihr Wuthgeschrei, der Boden schwankt unter dem Stampfen ihrer Füße. Schon haben sie die Bresche erstiegen, Andere auf Leitern die Mauer heran, der Kampf ist allgemein, ich stürze mit den Jünglingen den Feinden entgegen, auf der Bresche werden.wir handgemein. 1 Ich erblicke neben mir Schulamith in Waffenrüstung, ihr Anblick entzündet mich mit Löwenmuth, Alles sinkt in Vergessenheit in mir, Kampf und Tod der einzige Gedanke •-Schon häufen sich ringsum die Gefallenen, der Augenblick des Unterliegens scheint gekommen-Da ertönen von ferne her Geschmetter der Tuba, das Schrillen der Pfeifen, das Schilderklappern eines großen Heeres. Näher wälzt sich ein mächtiger Freudmmf. „Titus ist da! Es lebe der Cäsar Titus, der Sohn des JmperatorSk" ertönt von den Lippen Hunderttausender. Dieser Ruf fesselt jeden Arm, das Schwert, zum Mordsioß erhoben, '.sinkt zurück. Auch aus dem Munoe der verzweifelnden Juoen erhebt sich ein Freudengeschrei. /Der Zerstörer Jerusalems jsoll der Netter der Juden werden! 1 TituS nahet dem Kampfplatz. Auf milchweißem Rosse, in goldnec Rüstung, aber mit gerunzelter Stirn. Er gebietet Ruhe. Lautlos steht die Menge. Ec steigt vom Roß. Geschäftige Diener schlagen einen Sessel auf dem höchsten Punkte der Bresche auf. Er entbietet den Prokonsul und den Erhnarchen der Juden vor sich. Maeseja, auf Schulamith gestützt, wankt hervor. Titus vernimmt Anklage und Vertheidigung. Der Verräther Antiochus mit einer Schaar Zeugen tritt vor den Casar. Laut wiederholt Antiochus, daß die Juden die Stadt angezündet. Auch mein Name wird genannt. Aber vor dem scharfen Blicke des Titus erbleichen die Zeugen, einer verweist auf den andern, von dem er es vernommen haben will. Die am lauteste» geschrieen, verstummen ganz. ' Bald sind die Juden gereinigt von aller Schuld, und wüthend gebietet Titus, den Antiochus zum Rrchtplatz zu führen, Petus seiner Würde zu berauben. Da drmgen die Aeltestm der Stadt vor den Stuhl des Titus. Sie verlangen die Ausweisung der Juden aus Antiocheia, da sie mit ihnen nicht in Frieden zu leben vermöchten. Die syrische Volksmasse wiederholt mit dumpfem Geschrei das Verlangen. Aber Titus erhebt sich, und spricht: „Man hat ihnen zerstört, den Unglücklichen, wohin sie flüchten könnten, so müssen wir sie behalten."*) (Fortsetzung folgt.) *) Auch diese Worte finden fich Jos. B. 2. 7, 14. R e d a k r. Correspo u denze n. -- Amsterdam, Juni. Ausführlicher Bericht über die innere und äußere Organisation der israelitischen Synagoge in dem Königreiche der Niederlande. (Schluß.) Hl. Das israelitische Armen-Schulwesen. Nachdem durch die Gleichstellung der Jsraeliteii in den Niederlanden im Jahre 1796 ein regeres Leben unter denselben erwacht, wurde im Jahre 1869 ein israelitisches Ober-Consistorium bestellt, und hierzu Männer, die des vollsten Vertrauens würdig waren ernannt. Im Gefühl der Nothwendigkeit eines verbesserten Unterrichts für ihre Glaubensgenossen, wurde den 1(K September 1809 «in königl. Beschluß bewirkt, daß in den Schulen der Ge-

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