Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 82 (27.7.1839)
- Date
- 1839-07-27
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
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363 Spitze deiner Genoffen; vor dem Kriege zogen wir hierher; mein Vater ist der Ethnarch der Juden zu Antiocheia. Der Brand Jerusalems brannte wieder Ln unsrer Brust, die Seufzer der Gefangenen sanken Ln unser Herz, wir halfen und retteten, wo wir konnten; auch als du tratest auf den Kampfplatz, waren wir verkleidet zugegen, mit dem Volke drangen wir über die Schranken, meine Hand leitete dich hinaus, meine Brüder trugen dich hierher. — Sahst du den Brand in der Stadt den Himmel röchen? Der Pallast des Prokonsuls liegt in Asche, das Stadthaus sinkt schon zusammen, und die FlamMenbäche ergießen sich über die Stadt. Wer weiß, wessen Hand den ersten Balken entzündet? Aber ein Verräthec seines Volks, Antiochus, rannte durch die Stadt und schrie Verderben über uns, die Juden wären des Brandes Urheber, an ihnen sei Rache zu nehmen, und du seiest unter uns, und wollest Antiocheia vernichten!*) Der syrische Pöbel hat sich zusammengecottet, sein alter Haß hat sich aufgerichtet riesengroß, inSchrekken der Nacht. Sie lassen die Flamme ungestört wüthen, um nur wüthen zu können gegen uns. Hörst du das Ge. heul der Rasenden? Sie rasen gen Juda, die Philister sind wach über uns. Unsere Hauser werden gestürmt, die Schläfer erschlagen, die Wehrlosen gemordet; Jerusalems blutrothe Nacht wirft ihren Schein auf uns. Auch wir haben uns geflüchtet in unser Heiligthum. Die große« Synagoge, von Graben und festen Mauern umgeben, hat uns schützend ausgenommen, und unsere Jünglinge sind bereit, sie zu vertheioigen mit ihrem Leben. Deiner haben Alle vergessen, nur ich nicht. Darum folge mir, ich führe dich sicher." „Und was soll ich? — Siehe, ich glaube nun zu wissen, was werden wird. Der Brand Jerusalems soll sich fortpflanzen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Allüberall, wo Israel weilet, soll es untergehen. Die alte Weissagung will sich nicht erfülleü. Der Gott Israels hat Anderes beschlossen. Antiocheia soll beginnen, Damaskos wird nicht zögern, Ephesos und Sardes folgen, warum sollte Javon schweigen, wenn Aram seinen Mordruf erhoben? So laß mich hier meinem Schicksal entgegensehen. Ich sah Untergang genug." -f- „Wenn du feige geworden, Amnon, spricht das Mädchen mit mächtiger Stimme, wenn das Fett der Knechtschaft schon dein Herz umwachsen: so laß dir sagen, daß es gilt: Syrer zu tödtek, Römer zu morden! Was Rettung? Nicht gerettet wollen wir sein — aber gerächt! Noch die fernsten Geschlechter, die, so einst stehen auf dem Grabe Roms, sollen sagen: so ging Juda unter! so siel eS Verderben verbreitend, dem Verder- ') Stimmt mit Joseph 25, I. 7, 9 überein. Red a kt. ben in die Arme! Komm, Mann, du sollst die Jünglinge wieder zur Schlacht führen, die Helden zur Vertheidigung. Ich gebe dir Mauern, bring' du dein Schwert!"... Und mit fester Hand ergriff sie meine Rechte, und zog mich fort. Aus einer Nische holte sie Helm und Panzer, Schwert und Lanze. Dann führte sie mich durch den Hof in verfallenes Gemäuer. Mitten unter Trümmern war eine Fallthüre geöffnet. „Siehst du, sprach sie, hier bin ich hergekommen. Steige mit, mir in den Schooß der Erde. Unter den Wellen des Orontes hinweg führt dieser Gang dich in das Herz der Stadt. Wenn wir hinaufsteigen, befinden wir uns im Hose unsres Heiligthums. Einst war dies ein Tempel der Diana, und die Priester, zu heimlichem Gebrauch, gruben sich hindurch bis in das Haus der Priesterinnen der Daphne. Seleukos übergab es unserm Geschlechts, und unlängst erst ward der verschüttete Gang von uns aufgefunden und gereinigt." Wir schritten eilends vorwärts. Schweigen des Todes umgab uns. Plötzlich verlosch zischend die Fackel, von heruntersickerndem Wasser getroffen. „Gieb mir die Hand, Amnon, spricht schnell daS Mädchen, ich leite dich. Israels Söhne und Töchter sind Brüder und Schwestern, und wo sie wandeln durch das Dunkel der Nacht, leuchtet ihnen das Licht ihres Glaubens." Ich schlug mit der Faust an die Brust: wo ist mein Glaube? 4. So umgebt ihr mich noch einmal Kampf und Belagerung, denen ich auf immer entrückt mich wähnte. Wieder bedeckt der Helm das Haupt, umschließt der Panzer meine Glieder, füllt das Schwert die Faust. Am Fuße der schützenden Mauer wühlen die feindlichen Massen, der Widderkops zerschlägt das Gestein, die Katapulte und Ballisten schleudern ihr Geschoß. Ich stehe droben, und schaue ruhig ihr Arbeiten. Was traurige Erfahrung, was sinnende List an die Hand gibt, vollführe ich. Herabgelassene Säcke hindern die Gewalt der Stöße, siedendes Oel strömt auf die Köpfe der Stürmenden, brennende Pechkränze fliegen auf die Schultern der Herandrängenden. Ich stelle mich an die Spitze erlesener Jünglinge, in der Stille der Nacht öffnet sich eine Pforte, und herausstürme ich, das Schwert in das Herzblut der Feinde senkend. Mit Erfolg gekrönt kehren wir zurück. Doch nicht für Juda kämpfe ich, nur für Juden. Kein höheres Gut, nicht das göttliche Hei.lkgthum, nicht der Freiheit Hochgefühl, nicht des Stammes Selbstständigkeit — nur das nackte, traurige Leben und die glühende Rache erstreit' ich. Dennoch wohl mir! Ich habe mich wieder gefunden! Als ich heraustrat an der Hanb Schulamith's aus dem unterirdischen Gange in den erleuch-