Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 82 (27.7.1839)
- Date
- 1839-07-27
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
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567 Ich blickte meinem Gegner in's Angesicht, aber stand regungslos. Das Schwert hing nieder in meiner schlaffen Rechte, die Linke mit der Pelta ruhte auf dem Rücken. So erwartete ich, gelaffen und ruhig, den Mordspcung des Löwen. Es durchfloß meine Glieder warm und leicht. Wir standen, Aug' in's Auge gesenkt. Groß starrte der Blick des Löwen in den meinen, der ruhig den Tod erwartete. Eine lange Pause. Ringsum keine Bewegung, kein Laut. Da senkte der Löwe sein Haupt, schüttelte wie verneinend seine Mahne, wandte sich um und ging langsam in den Zwinger zurück. Ein Freudengeschrei der Menge erhob sich zu den Lüften. Aber der Prokonsul winkte verdrossen; gewaffnete Knechte begaben sich in den Zwinger, den Löwen zu reizen und hinauszujagen, dieser aber brüllte und schlug mit dem Schweife, packte mit der Tatze einen Knecht und riß ihm den Arm heraus. Gemurmel und Geschrei entstand, die Söldner warfen sich auf den Löwen, die Menge zerbrach die hölzernen Planken, ergoß sich in den Kampfplatz, und umwogte mich bald, der ruhig im Gewühle stand. Der Prokonsul erhob sich von dem Sitze, und gab Befehl, Kohorten vorrücken zu lassen. Da ergriffen mich im Nu starke Arme, eine zarte Hand faßte die meine, man warf eine Chlamys um meine Schultern, riß den Kranz von meinem Haupt untr bedeckte es mit einem griechischen Hute. In einem Augenblick war ich außerhalb der Arena. Aber man hatte meine Entfernung bemerkt, und schnelle Söldner eilten uns nach. Da hob man mich auf die Schultern starker Mannöc, eilenden Flugs ging es durch die verödeten Straßen; man watete durch den Orontes, man gelangte in den Lorbeerhain der Daphne, und legte mich nieder in den Schranken der Freistatt, des Asyls in der Mitte des Haines. So schnell sie gekommen, waren die Männer verschwunden, ein Bündel voll Nahrungsmittel zurücklaffend. So ward ich versetzt aus dem dunkeln Kasicht in den rauschenden Lorbeerhain, an die murmelnden Wellen des Orontes, mir selbst kaum bewußt. Wieder ist des Todes Flügelschlag über mein Haupt gezogen, und hat es nkch berührt. Aber eine kurze Frist. Schon umringen die Söldner des Römers das Asyl, jeden Ausgang versperrend. Wer mich hierher gebracht, er wird mich nimmer davon führen. Ihre Götzen schützen auch den gefangenen Juden — aber wie lange? Hier war es, wo der fromme Hohepriester Onias flüchtete*), laut anklagend die Feinde des Gottes Israels. Bald aber drang .der Schmeichler in seine Freistatt, zog ihn freundlich hinaus, und sein Blut trank der Kiesel des Orontes. Ich harre, was werden wird? 3. Die Sonne sinkt im Abend nieder. Ein kühler Wind streift durch den Hain. Ich suche mir ssine Ruhestätte. In der Nahe erblicke ich ein uraltes Sacrum, vor dem zwei Lorbeerbäume, an denen Jahrhunderte vorüber gezogen, zu schützendem Dach sich wölben. Plötzlich erhellt ein Flammenschein den nächtlichen Himmel, daß die Sterne erbleichen. Ueber die Stadt lagert sich eine dichte Rauchwoike, aus der bald eine Flammensäule emporsteigt. Ein lautes Getöse dringt aus der Stadt bis zu meinem einsamen Asyl. Die Tuba tönt durch die Straßen, Sturm und Feuersbrunst verkündend. Ist auch über dich die Fackel der Zerstörung entzündet, Antiocheia? die du gefcohlockt bei dem Brande Jerusalems, Hohn sangest bei dem Untergang Juda's, ist die Stunde des Gerichts so bald angebrochen? Immer mehr schwankt die Nacht vor der röthlkchen Glut, schon zittern die Strahlen auf dem grünen Glanze der Blatter, und das Getöse des Aufruhrs dringt immer gräßlicher durch das nächtliche Schweigen. O, brennet nur, ihr stolzen Pallaste der Syrer, die nur Sklaven, ihr Götzentempel, die nur Heuchler beherbergen, was will eure Vernichtung gelten vor der, so ich gesehen, eure Trümmer reichen nicht hinauf zu den Trümmern der Zijonsburg. Ich höre die Rüstungen der römischen Legionäre aus der Ferne klirren, Voten kommen über den Orontes zu den Söldnern, welche den Hain umringen, sie abcufend, und nur wenige Wächter umringen mein Asyl. Doch welchen Theil hatte ich an den Schicksalen der Feinde? Ruhen will ich unter den schützenden Aesten vor dem Sacrum, wahrend Jene sich abmühen im Kampf gegen das zerstörende Element. Nicht mir verbrennt, nicht mir zerstört es Etwas. Was ich besaß, ist verloren, was ich geliebt, getödtet, was ich geehrt, geschändet.... Da steht eine Gestalt vor meinem Lager; ihre weißen Gewänder schimmern durch die Nacht; dunkle Augen blitzen aus dem verhüllten Antlitz; sie faßt meine Rechte, sie winkt und zieht mich nach sich;, sie öffnet die Pforte des Sacrums, und ich trete mit ihr in die finstre Halle des heidnischen Heiligthüms. Schnell hat sie eine Fackel angezündet, der Schleier ihres Hauptes fallt hernieder, und ich erblicke eine Jungfrau aus Iuda's Geschlecht. „Du kennst mich nicht?" spricht sie mit sanftem Ton. „Nein!" „Ich aber dich! Iojada's Sohn, du sollst mir folgen." „Wohin?" '„Ob zur Rettung, weiß ich nicht, vielleicht zum Kampfe, zum Tode — aber doch in die Mitte unsrer Brüder." „Laß mich. - Habe ich noch nicht genug? — Aber wer bist du?" „MeineFamilie, aus dem Geschlechte Athaja's, war wohnhaft in der heiligen Stadt, dort sah ich dich öfter an der ») Makkab. 2 B. K. 4. Redakt.