Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 82 (27.7.1839)
- Date
- 1839-07-27
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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566 AuS Würzburg: DieSynagvge von Vr. L. Adler. Heft VI. Aus Frankfurt am Main: ^Ktlüvolk Olam von Rev. A. M'Ca u l. Nach dem Englischen herausgegeben von Rev. W. Ayerst, M. 1839. — London/ 18. Juni. (Pnvatnntth.) Das von Ihnen ui No. 4V d. I. gewürdigte „Word in Season Irom an Israelite to his Brethern“ wird nun bald die gewünschte.Fortsetzung erhalten. Der Vers., der jetzt aus seiner Anonymetat herausgetreten, ist ^err A. A. Lindo, derselbe, der auch in diesen Tagen eine am Pessachfeste gehaltene, für unsere jetzigen Verhältnisse wichtige Predigt herausgcgeben. Ein gut geschriebenes Circulatr benachrichtigt die Theilnehmenden,. daß eine Reihenfolge von acht Nummern, incl. der schon erschienenen ersten Nummer, monats- I weise veröffentlicht werden soll; die zweite Nummer soll d.en gegenwärtigen Stand der israelitischen Angelegenheit, und die Umstände, welche ihm zu Grunde liegen, schildern, die dritte die Maßregeln, durch welche derselbe verbefferr werden kann, besprechen, und die folgenden Nummern werden diese Maßregeln im Detail behandeln. Die Absicht deö Verf. ist gewiß eine wahrhaft lautere. Er will seine Glaubensgenossen mit aller Energie daran erinnern, daß, wenn auf dem Wege des krassen Egoismus/ des erschrecklichen Jndifferentiömus, auf welchem sich eine große Zahl unsrer Glaubensgenossen befindet, fortgewandelt wird,e die traurigsten Aussichten einer immermehr fortschreitenden Auflösung des israelitischen Religivnsverbandes vorhanden seien; daß es ferner, um diese drohende Gefahr abzulenken, eines ernsten Willens, einer besondern Kraftäußerung, einer innigen Vereinigung aller derer, die durch Intelligenz und Charakter hervorragen, bedarf; daß aber die Verbesserungen mehr eine Erstarkung deö innern Geistes, als die zerstörungssüchtige Hinwegräumung einzelner formeller Mißbräuche beabsichtigen müssen. Belletristik. Der Flüchtling ans Jerusalem. (Fortsetzung.) Da rauschte es und rauschte vorüber,, bald ein brummender Bär, bald eine schrillende Tiegerkatze, bald ein heulender Wolf, ohn' Ende... Ich wußte, was es bedeutete. Das Kampfspiel sollte beginnen, und ich — ein Spielgenosse der Löwen und Baren werden. Eine sanfte Warme floß bei diesem Gedanken in meiner Brust empor, und hüllte das Herz mir ein; es ward lebendig in der versteinten Brust, leise rang ein Seufzer aus der Tiefe sich auf, und drang als Thrane durch das trockne Auge. Der Schatten meiner Mariamne trat zu mir mit dem wieder genesenen Säugling, und ich weinte über ihre entgegengeftreckte Hand, draußen standen mein Vater, meine Geschwister mit der ehrwürdigen Mutter, und winkten mir, und Schalom alechem! riess aus meinem geöffneten Herzen — o, warum tauschtet ihr mich? warum kam ich nicht zu euch?-1 Bald trat der syrische Knecht zu mir ein, faßte mich bei der Hand, und führte mich — den langen, engen Gang, wo die Tatzen der Raubthiere ihre Spuren gelassen. Ich folgte ihm willig, und bald befand ich mich in der Badekammec. Ich wurde untergetaucht in erfrischendes Wasser, man salbte mich mit duftenden Oelen, unb rieb den Körper mit Salben ein, man band eine Schürze um meine Lenden, und fetzte einen Blumenkranz auf mein Haupt. Alsdann legte man ein kurzes Schwert in meine Rechte, eine Pelta an meine Linke, und geleitete mich in ein enges Gemach. Eine dünne Bretterwand schied mich von dem Kampfplatz. Draußen ertönte von Zeit zu Zeit die Tuba, dann ward es still, bis irgend ein Ungethüm hörbar ward, das heulend auf seine Beute stürzte; da vernahm ich das Knistern heftiger Tritte im Sande, das Rauschen des Kampfes, Schlürfen und Schleppen vom Weheruf des Kämpfers und Schmerzgeheul des Raubthiers unterbrochen, endlich erhob sich das Triumphgeschrei der Zuschauer, das langsam be« gann und immer höher schwoll, und mit dem Stampfen der Füße das Gebäude erschütterte; allmalig erlosch es wieder, Schritte gingen im Gange vorüber, Träger der geopferten Menschen und Thiere, eine Pause trat ein, bis die Tuba von Neuem schmetterte... Kein Leben kam in meine Brust; es war wieder ruhig geworden in ihr; nur still erleichternd hob mich die Ahndung des 'Todes. ^Ich versank in mich selbst, aber kein Gedanke nach oben richtete sich auf. Der Gott Israels war sehr fern von mir, ich dachte fein nicht. Nicht der kühne Muth des Kampfes kam in Idas Herz, nichts als die Gewißheit des Sterbens. Auch nicht der draußen harrenden Menge erinnerte ich mich, kein Gefühl des Hasses, kein Trotz der Verachtung gen die blutigen Tyrannen durchfurchte meine Seele. Nichts als das ^üße Vorgefühl des Scheidens.^ Plötzlich öffnete sich die Pforte zum Kampfplatz, die Thürhüter winkten mir, ich trat aufrecht und langsam heraus. Der Glanz der Sonne bedeckte den' Raum vor mir, und schoß von dem weißen, blutgefärbten Sande in die geblendeten 'Augen. Ich schüttelte den Kopf, daß meine schwarzen Locken auf die entblößten Schultern sich legten. Ich schritt vor und stand still. Ein Ach! entfuhr den Lippen der schaulustigen Menge. Gegenüber saß unter einem Zelte auf erhöhter'Bühne der Pcokonsu'l, und schoß racheglühende Blicke auf mich. Ich sah ihm ruhig entgegen, und senkte das Haupt auf die' Brust. Der Römer winkte. Die Tuba ertönte. Die Pforte eines Zwingers öffnete sich. Heraussprang der Löwe von Tadmor, mein Nachbar. Wieder erscholl ein lautes Ach! aus dem Munde der Menge. Bei dem Schmettern der Tuba erhob sich der Löwe, erst langsam, dann in schnellen Sätzen umkreiste er mich, end- [ lich mit einem Sprung stand er kampffertig mir gegenüber.