Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 82 (27.7.1839)
- Date
- 1839-07-27
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
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565 zel — die wir auch ihm verdanken, und welche eine Zierde der Synagoge ist — und hielt eine geist- und gemüthvolle, der Feier vollkommen entsprechende Rede an seine Gemeinde, für welche sie gleich rührend, wie voll Erbauung für die anwesenden Christen war. Sodann wurde die Prüfung der Konfirmanden vorgenommen. Die Jugend beantwortete die an sie gerichteten Fragen so richtig , mit Pracision und Ausdruck, mit Gefühl und Wärme, daß es für jeden unverkennbar war, daß sie auch verstehen, fühlen und erfassen alle die Lehren, zu denen sie sich öffentlich bekannten. Nach einer feierlichen Anrede an die Konfirmanden legten diese ihr Gelübde ab, der Rabbine betete für sie auf eine erhebende Weise und sprach den priesterlichen Segen über sie aus. Das Fest endete mit Absmgung des 150 Psalm in hebräischer Sprache nach der Melodie in der Zeitung ,des Judenthums von 1838. Die höheren — weltlichen und geistlichen — Beamten, sowie sonstigen Honoratioren hiesiger Stadt, die alle Lieder mitsangen, erhöheten und verherrlichten durch ihre Anwesenheit noch mehr, das uns unvergeßliche neue Fest, um welches wir, wie sich ein Altgläubiger aussprach, reicher geworden. Je seltener jetzt in der Gemeinde Israels die volle Anerkennung der Verdienste eines Geistlichen sich findet, desto tiefer fühlen wir den Dank, den wir dem uns'rkgen schulden, nachdem er die Veredlung des innern und äußern Gottesdienstes, die Bildung des Chors, die Verschönerung im Innern der Synagoge, die Ordnung bei Leichenbegängnissen, sowie den Leseverein ins-Leben gerufen. — Göttingen, 12. Juli. (Privatmitth.) Es ist schon erfreulich wahrzunehmen, daß das Zeitgemäße und Sittlichbessere bei unsern Glaubensbrüdern Anklang findet, wenn solches von außen her bedingt wird. Erfreulicher ist es aber, in solche jüdische Gemarken zu treten, wo das Gute aus eigener Ueberzeugung erkannt, wo kein Opfer gescheut wird, dasselbe auch zu ergreifen, weil es Gottessache ist. In letzterer Hinsicht giebt auch die aus nur 10 Familienvätern bestehende, dem Rabbinate Hannover zugehörende, jüdische Gemeinde in Moringen (ohnweit Göttingen) ein sehr erfreuliches Beispiel ab. Hier war man nicht nur bedacht, einen zeitgemäß gebildeten Lehrer aufzunehmen, sondern es hat auch diese kleine Gemeinde im vorigen Jahre, aus eigenen Mitteln, einen neuen Tempel erbaut, der seiner Schönheit und Zweckmäßigkeit wegen mit Recht Bewunderung verdient, und hatten sich bei, der Einweihung desselben der Vorsteher Eliasberg, der überhaupt allem Gutem für seine Gemeinde mit edler Bereitwilligkeit entgegen tritt, und der Lehrer Lessec daselbst recht würdig gezeigt. Erstere wußte nämlich das Fest der Einweihung sehr sinnig zu ordnen und Letzterer verherrlichte dasselbe durch religiöse Vorträge, die auf das Gemüth der zahlreichen Anwesenden von Einheimischen. und Fremden, worunter sich auch viele Geistliche und andere Honoratioren von unseren. christlichen Glaubensbrüdern befanden, einen wahrhaft erbauenden Eindruck machten. So fand denn auch in dieser Gemeinde gm Sabbat karsekat UL80 die erste öffentliche Konfirmation und zwar mit zwei Mädchen statt. Seine Predigt, die er zu diesem Zwecke über' Richter Kap. 13. V. 7 hielt, wie der Prüfungsgang selbst, waren brav bearbeitet und erwarb sich dieser junge Mann die Anerkennung mehrerer dabei anwesend gewesenen christlichen Kanzelredner und anderer Sachkenner, die da gekommen waren, das Wort des Herrn gepredigt durch die Zunge ihres alttestamentarischen Glaubensbruders, mitanzuhören. Preußen. 4 Berlin- 15. Juli. Die Preuß. Staatszeit. No. 186 enthät den „Landtags-Abschied für die im. Jahre 1837 zum Westphalischen Landtage versammelt gewesenen Stände," ausgefertigt unter dem 8. Juni 1839. Derselbe enthält auch folgenden Passus: (Beschränkung der Juden beim Ankauf ländlicher Grundstücke.) 18. Unsere Verordnung vom 20. Sept. 1836, durch welche die Juden in den Kreisen Paderborn, Büren, Marburg und Höxter gewissen Beschränkungen unterworfen worden sind, haben Wir nur erlassen., nachdem durch sehr genaue Erörterungen Thatsachen ermittelt waren, durch welche die Nothwendigkeit solcher Beschränkungen zur Erhaltung des Wohlstandes der bäuerlichen Einsassen jener Kreise sich ergeben hatte. Hinsichtlich der anderen Kreise ist bis jetzt nichts bekannt geworden, was solche Erörterungen als nothwendig . dargestellt hatte. Ohne solche und ohne dringende daraus sich ergebende Thatsachen können Wir uns aber auf den vorliegenden ganz allgemeinen, durch keine spezielle faktische Gründe unterstützten Antrag nicht bewogen finden, die den Juden der gedachten Kreise hinsichtlich der Erwerbung bäuerlicher Grundstücke aufgelegte Beschränkung auf die Juden der ganzen Provinz auszudehnen. Wir haben aber Unsere Behörden angewiesen, auf den Verkehr der Juden in der Provinz und dessen Einfluß auf den Wohlstand der christlichen Einwohner genau Acht zu geben, und wenn sich aus dem Resultate dieser Beobachtung die Nothwendigkeit außerordentlicher Maßregeln ergeben sollte, deshalb an Uns die erforderlichen Anträge zu richten." —. Wir sehen daraus, daß die Provinzialstände Westphalens in ihrem Streben gegen die Juden sich consequent geblieben, können aber mit Vergnügen daran erinnern, daß inzwischen unter dem 5. Januar d. I. eine bedeutende Erleichterung jener Beschränkung durch eine allerhöchste Kabinets-Ordre (s. No. 46 d. Z.) getroffen worden — das lauteste Zeugniß, daß die hohe Regierung seit 1837 selbst in den erwähnten Kreisen keine nachtheilige Wirkung Seitens der Juden bemerkt habe. Jedenfalls aber müssen die jüdischen Bewohner Westphalens dringend darauf aufmerksam gemacht werden, jede Veranlassung zu vermeiden, wodurch auch nur im Entferntesten ein nachtheiliger Schein auf sie fallen könnte; mögen die Lehrer, Rabbinen und Vorsteher die Gelegenheit ergreifen, darüber-zu ihren Gemeinden zu . sprechen, und ihnen solches dringend an's Herz zu legen. Literarische Nachrichten.. Magdeburg, 12. Juli. Angekvmmen aus London: viseoorse VN the pa&sover festival by MK. A. A. Lindo, deliyered by him at the Synagogue of the spanisli and portuguese jews, London, on the first day of the festival, the 15th Nisan 5599, etc. London by ISorris and son 1839. —