Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 81 (20.7.1839)
- Date
- 1839-07-20
- Page
- Seite 358 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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338 die sich sowol durch ihren anmaßenden Ton,, und ihre Gehaltlosigkeit, als auch schon dadurch selbst richtet daß der Herr Kritikus bei der sorgfältigsten Durchstöberung — keine einzige Stelle fand, die Beifall fände vor seinen Augen. Wenn man das Schwache so schnell finden kann, sollte man dann nicht auch das Gute entdecken? — Wer ein, sowol quantitativ als qualitativ bedeutendes Werk, wie die Bibelübersetzung ist, seiner Kritik unterwerfen will, der muß wehr thun und verstehen, als Sprach- und Druckfehler aufsuchen, und in Klaffen bringen; der muß vor allem durch die eignen literarischen Leistungen feine Befähigung zu einer Kritik an den Tag gelegt haben; der muß zweitens seiner Kritik das Ideal einer guten und trefflichen Ueberfetzung, wenigstens nach den Grundlinien gezeichnet vorausschicken, und die Prinzipien, die befolgt werden müssen, festgestellt haben; der muß-drittens zwar mit wissenschaftlicher Strenge, aber doch in einer bescheidnen Sprache fein Urtheil aussprechen. Da nun von allem diesen in den Bemerkungen des Herrn Schott keine Spur vorhanden ist: so würde ich von seiner Recension gar keine Notiz genommen, und dem gesunden und unbestochenen Urtheil des Publikums die Entscheidung überlassen haben, wenn die Schlußworte zu jenen Bemerkungen nicht gar zu stark nach Zelotismus und Frömmelei röche, Krankheiten denen man, wo und wie sie sich auch äußern, aus allen Kräften entgegen arbeiten muß. Der fromme Mann meint nämlich, er sei es dem lieben. Gott schuldig —• 'iib miö»V — seine Bemerkungen zu veröffentlichen, denn bei solchen Uebersetzungen sei Israels heiligstes Erbtheil in Gefahr u. s. (Was diese Leute doch für Fiktionen haben, und welche Einbildung, daß die höchste Weisheit sich solche Kampfer wählt!') Ich scheue mich nicht diese und ähnliche Reden des Zelotismus, der Scheinheiligkeit zu zeihen. Denn gesetzt, alle die Rügen des Herrn Rabbinen zu Ranhegg hätten Grund — den sie nicht haben — wäre deshalb Israels heiliges Erbtheil in Gefahr? Wie so denn? — Begünstigt die Übersetzung etwa den Atheismus? Begünstigt sie etwa irgend eine Abweichung von den Grundlehren der Israelitischen Lehre? Begünstigt sie irgend eine Abweichung von dem Decalog, von dem Sabbat und Festfeier, von den Pflichten des Menschen und des Bürgers? Giebt sie andere Gesetze, andere Lehren? Und hat sich meine, oder die Berliner Ueberfetzung für ,-unfehlbar" ausgegeben? In den mit großen Lettern in Quartformat von mir mktgetheilten „Vorerinnerungen" (Wovon jeder Bibek ein Exemplar beigelegt wurde, und noch wird), sagte ich ausdrücklich: „Jedoch nur beendet -rnicht vollendet ist das Werk. Vollendung aber soll demselben — so weit Menschen von Vollendung reden dürfen — nach und nach werden. Denn ich werde nicht aufhören, immer zu feilen und zu bessern, und sowol errores als errata fortzuschaffen. Daher ich auf die belehrenden Winke .der Sachverständigen achten, und dieselben nach unparteiischer Prüfung bei einer zweiten Auflage, so wie bei allen folgenden, mit der größten Gewissenhaftigkeit benutzen werde." Konnte ich es nun deutlicher sagen daß ich meine Bibelübersetzung nicht für unfehlbar halte und ausgebe? Habe ich jemals behauptet, daß die Ueberfetzung das Original entbehrlich und überflüssig machen solle. Herr Schott spricht aber in einem Tone als ginge man damit um, die hebräische Bibel aus Israel zu verdrängen, und es fehlt nichts weiter, als daß von Randegg aus Bannstrahlen auf. die Ueberfetzung und die Uebersetzer geschleudert würden. Ja, ja! Es sei das Pfäfflein noch so klein, Es stecken tausend Teufel drein! Schreiber dieses sah einmal einen Brief von einem, im vorigen Jahrhundert lebenden Rabbinen der viel Furore gemacht, an einen andern,- in welchem die Mendelssohusche Ueberfetzung des Pentateuchs verketzert und dem Rabb'inen anbefohlen wird, die in seinem Kreise davon vorhandenen Exemplare zu verbrennen. Der Brief schließt mit den Worten Das hat Herr Leopold Schott in seiner Kritik leider " vergessen! Männer von ausgebreiteten Talmudischen Kenntnissen und von anerkannten, ungefärbter Frömmigkeit haben meine Bibelübersetzung sorgfältig geprüft und in die Israelitischen Schulen -ihres Sprengels eingeführt, ohne die Bedenklichkeiten des Herrn Schott zu theilen. Ich. will nur Einen davon nennen dessen Gelehrsamkeit und Frömmigkeit jedem Biedermann Ehrfurcht abzwingt. Es ist der Oberlandrabbine Egev zu Braunschwekg , und ich darf es dem Herrn Rabbinen zu Randegg bei allem Heiligen betheuren, daß dieser Veteran des Judenthums den Herrn Überfalles fürchtet und das Jsraelitenthum sehr genau kennt, demselben lebt, und stirbt. — Herr Schott gestehet in dem Schlußwort zu seiner Kritik „daß er mir für manchen lehrreichen Wink, den er sich aus meinen Predigten gemerkt hat, zum aufrichtigsten Dank verbunden ist." Er lese meine Predigten nochmals, und lerne aus denselben, in seinem Urtheile besonnener, in seinen Worten