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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-20 · Heft 81 (20.7.1839) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 81 (20.7.1839)
Date
1839-07-20
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
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555 wlien they suffer, yvould Le an instance of tyranny, lut one degTee below that, vhichthe triumvirs gare duriug ihe Slaugliter and horror of tle proscriptions, when by edict they - commanded all men to be nierrv npon pain of dtath. (Bolingbroke, remarks on tlie history of England, lettre the Ith.). So weit meine Bedenken und Andeutungen über des unbekannten Recensenten seltsame, um nicht zu sagen, ungezogene, Aeußerungen über einen Titel, der ihm, statt seinen Unwillen zu erregen, Stoff zu ernstem Nachdenken hatte geben sollen. Allein so geht es dem Tobenden im Zorne; er wird eben so blind als toll, und verletzt sich schwerer, als seinen Feind. — Noch einige Bedenken über die Ausdrücke „Sklave und Sklavensinn" mit welchen der unbekannte Recensent so freigebig ist, mögen Ln einem zunächst folgenden Fragmente ihre Stelle finden. — III. Won der Idee eines Knechts Gottes. War unser unbekannte Herr Recensent unglücklich mit der Anpreisung seiner „Religion nach der Idee:" so wird er vollends abgeschmackt mit seiner Anklage „eines sich heilig und selig dünkenden Sklavenst'nnes" den er dem Judenthume zum Vorwurfe macht. Die triviale Methode, den Feind in effigie zu bekämpfen, und dann auch zum Lohne seiner Thorheit und Unwahrheit, als Sieger auf dem Platze zu bleiben, hat derselbe nach bestem Vermögen, und man darf sagen, mit großem Geschicke, geübt. Er darf triumphiren! — denn vor ihm liegt erschlagen und vernichtet sein Strohmann, an den er seinen Muth gekühlt, seine Tapferkeit glänzend erprobt hat. Der Strohmann ist „der Sklave, dem die Gnade seines Herrn Alles ist, Leben und Glück des Lebens nur von diesem abhängt, ohne Rücksicht auf den innern Werth der Person, da er nur dem willkührlichen Privatwillen des Herrn überall gerecht zu werden bemüht ist, um soviel ihm möglich ist, glücklich zu sein rc." das soll nun der verächtliche Charakter fein, der in der Vorstellung, „Volk Gottes, .Lieblingsvolk Gottes" zu sein, so schlagend als schnöde hervortritt. Unter den tausend und abertausend Vorwürfen, die man auf das Haupt Judäas gehäuft hat, ist der, eines Sklavensinnes, einer der ungerechtesten, und, soviel mir bekannt, der seltensten. . Bei denen namentlich, welche Werth auf den Titel „Knecht Gottes" jemals gelegt haben, oder noch legen, hat man diesen Sinn niemals als sklavisch gedeutet. Umgekehrt hat man oft in ihm einen ungemeß- I nen Stotz zu erblicken geglaubt. Weiß man denn nicht, daß der kein Sklav genannt wird, sondern umgekehrt, ein ' freier Mann, der sich vor keiner endlichen Macht beugt, sich aber der moralischen unterwirft, und dieß unbedingt, ohne Rückhalt? Das wäre ja eine der ärgsten Verdrehungen und Verfälschungen, die jemals in der moralischen Falschmünzerei gehässiger Verleumdungssucht geprägt worden, wenn wir dahin gebracht würden, eine solche Unterwerfung unter das geistig Erhabenste, das die Menschenseele zu fassen vermögend ist, als Sklaverei gebrandmarkt, und denjenigen, der sich mit freiem Entschlüsse ihm unterwirft, als einen Sklaven geschmäht zu sehen. Da darf, man wohl mit dem Araber sagen: wer gegen den Himmel speiet, dem fällt es in's eigne Angesicht zurück. — Allein woher kommt all dieser Unsinn , all' das Umkehren des oberen zu unterst, das Untere zu oberst; all' das wüste Zerwühlen der Begriffe, bis man am Ende nicht mehr zu erkennen vermag, was recht' sei, was unrecht, wenn in einem wüsten Wirbel Himmel und Hölle dtttch einander gerührt werden? Das kommt alles vom unglücklichen Recensentenbock, dem Sühn „oder Sündenbock, der mehr trägt und auf sich duldet, als selbst der Asaselbock! — Sitzt einmal, irgend ein Mensch auf diesem verhängnißvollen Bock, so ist eine ganze Legion unsaubrer Geister um ihn beschäftigt, ihn zu verdummen und zu,verwirren, und besonders der Meister dieser Legion, der Hochmuthsteufel. — Wie es unsrem Herrn Recensenten gegangen ist! — Er sitzt auf dem Erhabnen Jsolirschemet, und hat nun abzusprechen, über Offenbarung, Gott, Volk Gottes, rc. rc. Man sieht ihn, über diesem Allen erhaben thronend, und mit einer großen Sicherheit aburtheilend, natürlich verwerfend^ eben deßhalb, weil sich all das Genannte unter ihm, tief unter seiner Gedankensphäre, befindet. — Was ist das? — ruft er aus — einen Knecht Gottes, nennt er sich? — Knecht? wer sich selbst Knecht nennt, und einem Herrn sich untergiebt, ist ein Sklave; denn Herr und Tyrann ist einerlei! — Bitte — allerliebster Herr Recensent! Ist das wirklich so ganz einerlei? und^sind diese Relationen dieselben,, mögen sie sich auf die Verhältnisse von Menschen zu Menschen oder von Menschen zu Gott beziehn? — Bekanntlich ist es der höchsten Instanz des Rationalismus gelungen, die Gegensätze, die sich gegenseitig vernichtenden Streitsätze, zu überwinden, und den härtesten Aller Brocken nicht bloß zu schlucken, sondern auch zu verdauen. Das ist ein Sieg! größer noch, als derjenige, den der Venusinische Schwan besungen hat, die Selbstbezwingung! dieser unwiderstehliche, geistige Straußmagen, mit seiner siegreichen Verdauungskrast hat sich denn auch hier wiederum bewährt, und einen glänzenden Triumph über zwei Widersprüche davon getragen , den wir, so. viel es an uns liegt, 81 *

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