Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 81 (20.7.1839)
- Date
- 1839-07-20
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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347 Art. 6. Das Konsistorium, oder in seinem Namen die Kommission, wird die Ausübung des Beschneideramtes demjenigen untersagen, welchen das vorgerückte Alter oder ein physisches Leiden weniger zu der Operation geschickt gemacht hat. (Fortsetzung folgt.) Parks, 27. Juni. Wir entlehnen aus der No. 123 der Zeit. f. d. eleg. Welt von obigem Datum aus einem Aufsatze, der die Unterschrift A. W. tragt, folgende Bemerkung. Da diese Unterschrift wegen ihrer abstrusen religiösen Ansichten vollgültige Autorität nicht besitzt, so können wir die Bemerkung nur eben als solche hknstellen: „Man kann sich keinen Begriff machen, erstens wie viele Juden hier in den kleinen Theatern als Künstler herumlaufen, und wie zahlreich die gemischten Ehen zwischen Juden und Christen sind. Nur die Deutschen halten sich davon zurück. Unstreitig sind mehr als 300 solcher Ehen hier. Ich war neulich auf einem Hochzeitsball, wo ein jüdischer Hauptmann ein Christenmadchen heirathete, und wo sich 50 jüdische Decorirte befanden, ohne daß ich einen davon als solchen erkannte. Aber sie untereinander kannten sich, und da es lauter Milrtairs waren, so holte ec sie aus allen Theilen Frankreichs zusammen. Ich mußte herzlich lachen, als mir der Eine unter seiner Uniform hervor sein jüdisches Schausadenkleid zeigte, um mich davon zu überzeugen, doch schwor mir der Vater des Bräutigams, der Lieferant bei der französischen Armee 18JL5 war, daß nach der Schlacht von Waterloo er und sein Freund die Juden auf dem preußischen Wahlfelde herausgesucht habe, und daß sie 1400 solcher Kleider mit Schaufaden gefunden hatten. Der Mann heißt Morel und ist — nun ja, ein Millionär, weiter nichts." Wir wünschen von unserm Correspondenten noch ein Nähereshierüber. Deutschland. Karlsruhe, 24. Juni. (K. Z.) Am heutigen Tage wurde in der zweiten Kammer unter andern Petitionen auch die des Vereins zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden, die gesetzliche Gleichstellung der Staatsbürger israelitischer Religion mit denen der christlichen betreffend, vorgelegt. Jebenhausen im Würtemb., 16. Juni. (Privatmitth.) Der heutige Tag war ein Tag der innigsten Wehmuth, des herbsten Schmerzes'für die hiesige Jsraeliten-Gemeinde. Sechs Familienvater, mit Frauen und Kindern — im Ganzen 44 Individuen mos. Conf. — verließen den heimischen Heerd, um in dem fernen Amerika ein neues Vaterland zu finden. Kein Auge blieb thranenleer, kein Gemüth unbewegt, als die bittre Abschiedsstunde schlug. Solche Auswanderungen machen fühlbare Lücken bei der hiesigen Gemeinde, aus deren Verband bis jetzt 100 Personen — die in den vereinigten Freistaaten Nordamerikas sich niedergelassen haben und niederlaffen werden — getreten find L..j. Aus Unterfranken in Baiern, 2. Juli. (Privatmitth.) Das Edikt vom 10. Juni 1813 betreff, die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Baiern, welches unter der Regierung unseres höchstsellgen Königs Maximilian emanirte, hatte den Zweck, die jüdischen Glaubensgenossen durch die Uebung bürgerlicher Gewerbe sowol, als auch durch die allmalige Verbesserung ihres Cultus zu tüchtigen Staatsbürgern heranzubilden. Daher wurde denselben, diesem Edikte zufolge, gestattet, alle bürgerliche Gewerbe zu erlernen und nach erlangter Concesfion, mit einigen Ausnahmen, zu treiben; ebenso in Hinsicht des Cultus sollten nur der deutschen Sprache mächtige und überhaupt wissenschaftlich gebildete Rabbinen angestellt werden. Dankbar anerkennend den. erhabenen Willen des geliebten Monarchen griffen die Jünglinge willig zu den bürgerlichen Gewerben und nach kurzer Zeit konnte man an allen Orten Baierns, wo Israeliten wohnen, auch israelitische Meister finden, die ihr Gewerbe nicht nur tüchtig verstanden, sondern auch gehörig betrieben und sich redlich davon nährten. Auch zu den öffentlichen Lehranstalten drängten sich viele fähige Jünglinge, die durch Fleiß und Thätigkeit den Beweis lieferten, daß auch der Geist-des Israeliten für Kunst ^und Wissenschaft empfänglich ist. Und wirklich gingen aus den Schulen in kurzer Zeit Männer hervor, die unserer Konfession Ehre machen, wie z. B. mehrere praktische jüdische Aerzte, Rabbinen rc. Durch die Besetzung der Rabbknate nun mit wissenschaftlich gebildeten Männern ward unstreitig, wie es voraus zu sehen war, der Cultus bedeutend verbessert, deutsche Predigten wurden in den Synagogen gehört, die das Herz der Zuhörer erbaueten, die veralteftn Mißbräuche wurden aus den Bethäusern entfernt und an deren Stelle traten neue, zeitgemäße Anordnungen. Dieß waren für jeden gutgesinnten, für die Fortschritte seiner Glaubensgenossen und für die Verbesserung seines Cultus eingenommenen Israeliten, nur erfreuliche Erscheinungen und man konnte sich der tröstenden Hoffnung hingeben, daß, da der Israelit in Baiern sich selbst auf diese Weise zu emanckpiren eifrig bemüht ist, auch die bürgerliche Emancipation,von Seiten der Staats-Regierung nicht mehr fern sein könnten. Allein unsere Hoffnungen ziehen sich wieder in die Ferne zurück, und wir müssen zu unserm größten Leidwesen sehen, wie die Handwerker und Oekonomen, die sich sonst reichlich mit dem Schweiße ihres Angesichtes genährt haben, gegenwärtig es nicht mehr können, weil von den Gutsherrschäften allenthalben ihnen Schutzgelder und andere Steuern abverlangt, ja, besonders im Untersranken, die sogenannten, sehr bedeutenden Judenschulden eingefordert werden, wodurch der Israelit entweder unwillkürlich zum Handel zurückverwiesen, oder gezwungen wird, den Wanderstab zu ergreifen und nach Amerika auszuwandern. Nicht viel besser gehet es aber auch mit dem Cultus; denn die gutgesinnten Rabbinen müssen nun mit ihren Anordnungen Einhalt thuN/ um nicht für Neologen erklärt zu werden und die noch unbesetzten Stellen werden -wahrscheinlich künftig solche Individuen einnehmen, die vom Lichte der Aufklärung nicht erleuchtet, überhaupt alles Licht scheuen, während viele Kandidaten, die Gymnasium und Universität besucht und eine gründliche wissenschaftliche Bildung sich an-