Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 80 (13.7.1839)
- Date
- 1839-07-13
- Page
- Seite 337 (sequence 9)
- Language
- German
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357 dem Nationen hatte das nicht Noth; die hatten einen ursprünglichen Fond in sich, ein Ideal, oder Ideale, aus denen sich — dis zu einem gewisien Grade — sogar ihre Religion, ihre philosophische Religion entwickeln konnte. Und jetzt, heut zu Tage, könnten wir auch nachgerade, wenn wir nicht zu oft Recensentcn und zu selten Recensirte waren, zur Einsicht gelangt'sein, daß in unserm Falle diese Methode eingeschlagen wurde. Andeuten -mit wenig Worten laßt es sich also: die andern. Kinder waren dem Lehrmeister vielleicht schon zu gelehrt, jedenfalls aber zu sehr — Recensentcn, für diese einfältige Gotteslehce; und dieses — dieß Volk Gottes — anfangs zu roh, zu hartnäckig, zu widerspänstig, zu unartig, aber dafür auch, sehr ungelehrt. Wußte nichts von Kosmologie und Theogonie, von den beiden Principien, dem Zeugenden und dem Empfangenden, von Liebe, Haß und Harmonie; kurz! es war ein dummes Volk, ein leeres, schlechtes Gefäß, und eben deßhalb das geeigneteste für den edelsten Traubensaft, der jemals von der Kelter troff, für das Wort des lebendigen Gottes, der Offenbarung. Wie wäre es anders denkbar, daß der Titel , des Volks Gottes entstanden wäre? Vom Volke selbst rührt er nicht her; denn, wer sich solchen Titel gibt, ehrt sich auch anderweitig und vermeidet sorgfältig, mit sich selbst dadurch in grellen Widerspruch zu treten, daß er sich vor den Augen der ganzen Welt schilt und heruntersetzt. Dieser -Titel würde gewiß von mehr als Einem Recensenren in seiner Lächerlichkeit und bettelstolzen Widerwärtigkeit bloß gestellt worden sein, hätte nicht derselbe Mund, der diesen Titel ertheklte, ihn doppelt und dreifach dem Gegenstände wieder entzogen, zu dessen Erlösung er ausgesprochen zu sein das Ansehn hat. Nein! das ist ein Tstel, der dem Besitzer eine schwere Verantwortlichkeit, eine neue Rang-Steuer auflegte, wie in manchen Staaten, z. B. in Persien, Ehrenbezeugungen des Schach's. Wäre es nicht wahr, was so wahr ist, als je eine geschichtliche Thatsache, daß an jenem Ehrentitel ein großer , heiliger, weltbeglückender Gedanke haftet: der Titel für sich würde bei dem zerfetzten Bettlermantel des Knechts Gottes sich noch übler ausnehmen, als die gelbe Schleife, die ihm der würdige Professor Fries in Jena zu jener Blüthezeit der Volksthümlichkeit anflicken wollte. Ist er ein Ehrentitel, so muß er's noch werden; er ist ein antickpicter, aber ein angenommener; angenommen aüfs Wort im Bündnisse, und als Beruf und Verpflichtung .beibehalten bis zur Erfüllung, wo er dann abgelegt wird, oder, was auf Eins hinauslauft, mit dem ganzen Menschenbunde in gleiche Theile geht. Herr Recensent! das ist das wahre Verhältniß mit diesem „ungöttlichen Gedanken!" Wenn man doch, bevor man das sogenannte Volk Gottes also schmäht und schilt, etwas reiflicher erwäge, wer zugleich mit getroffen werde? Wirft man denn seine beschmutzende Rede nur so blindlings unter die Menge, und lächelt einfältig über sein albernes Thun, das nicht bloß diejenigen trifft, auf die es abgesehen ist, sondern auch viele Andre, die man nicht gemeint hat, seine werthesten Freunde vielleicht? Der Herr Recensent ist ein sehr kluger Mann, was man aus jeder Zeile jener Recension des Nitz'schen Werkes entnehmen kann: allein im Zorne gegen das Iudenthum ist ihm das Schicksal widerfahren, daß er — vielleicht erschreckt er davor, wenn ers erfahrt — am empfindlichsten seine besten Freunde verletzt hat. Die Evangelisten, welche sich die jüdische „fromme Einbildung und Engherzigkeit, den ungöttlichen Gedanken, Volk'Gottes zu sein" als Erbtheil mit angeeignet haben — denn wer hat es ihnen aufdrängen können oder wollen? — mögen noch immerhin zu dem verunglimpften Volke gerechnet werden: aber ihr Meister, wie halt es der Recensent mit dem? Ist es auch bei diesem ein'„sich heilig und selig dünkender Sklavensi'nn" wenn er nun auch alle Heiden berufr, geistig nur den Samen Abrahams ausgenommen und auf den zahmen Oelbaum als wildes Reis gepfropft zu werden? Wer hatte mehr, als der Stifter jener Religion, zur Verbreitung jener „eudamonistisch particularistischen Denkart" beigetra- ' gen? —- Das ist auch eine Frage, die keine Frage ist, und sich selbst beantwortet. Wie es zugegangen sein mag, weiß ich nicht recht; aber gewiß ist, daß der Recensent sein Fach nicht versteht. Ein andrer aus seiner Schule hätte den Satz vom Volke Gottes, Bundesvotk, und wie er sich sonst darstellen mag, ein Weniges in die Reparatur genommen. Er hätte aus dem Persischen, dem Sanskrit, dem neu aufgefundenen Sanchuniaton etymologisirt, präparirt, ihn hermeneutisirt, exegetisirt, herumgerührt, aufgeziert, bei der Nase umhergeführt, bis er in einen andern Gedanken hinein gearbeitet hatte. Wahrscheinlich hat er sich in der Hitze des Recensirens ein Weniges übereilt und statt mit Manier diesen Gedanken, wie den der Offenbarung, aus seinem heiligen Tempel hinaus zu complimentiren, hat er ihn in seinem heiligen Zorne hinaus geworfen, und niche bedacht, wen er zugleich mit expedirte. Dieß Geschäft des Auslegers, das der Herr Recensent so unbegreiflicher Weise in Beziehung auf' jenen Gedanken von sich gewiesen hat, wäre ihm aber sehr leicht geworden, schon durch die Schrift selbst kinderleicht. Er hätte ungezwungen alles daraus machen können, nur keinen Schmahartikel, versteht sich, deün, wie schon erwähnt, dieser Ehren - oder Standestitel kommt unter verschiedenen Wendun- 80»