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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-13 · Heft 80 (13.7.1839) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 80 (13.7.1839)
Date
1839-07-13
Page
Seite 336 (sequence 8)
Language
German
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556 stenthums, die durä) ihre Evangelisten-jenen „ungöttlkchen Gedanken,'" den doch selbst der Stifter des neuen Bundes so geflissentlich weiter zu vererben; bemüht gewesen, überkommen haben, mögen den Herrn Necensenten zur Ordnung wessen. Wir wollen uns und unserm Gegner jenen Gedanken bloß in wenigen Blattern zu erläutern versuchen, und dem Herrn Necensenten darlegen, daß es so schlimm mit jenem Gedanken nicht stehe", als der Herr Necensent uns glauben machen will. Ein großer deutscher Denker, eine Nieseneiche im tiefen schattigen Forste, hat von der Erziehung des Menschengeschlechtes geschrieben. Der Herr Necensent kennt diese kleine Perlenschnur von Aphorismen gewiß.. Nun wohl! Wenn ihm nun gesagt würde, daß in jener geist- und lichtvollen Schrift doch die Hauptsache in einen düstern Nebel gehüllt wäre, würde er lächeln, oder sich ärgern! Vielleicht keins von beiden, aber den Stümper bemitleiden, der im altergrauen Vdrurtheile des Volks Gottes eben als die Hauptsache allda vermißt — den Erzieher! Hatte Lessing ohne Absicht statt „Entwickelung" „Erziehung" gesetzt, so wäre Lessing nicht Lessi'ng gewesen; dennoch aber fehlt, wenn auch nicht der Erzieher überhaupt, doch der rechte Erzieher. Verstehe mich der Herr Necensent hier wieder nicht, unrecht. Ich rede hier nicht in der beliebten Art, wie man sagt „vor die rechte Schmiede gehen" von einem rechten Erzieher; denn ich weiß cs, und der Herr Necensent weiß cs noch besser, als ich, daß es nur einen rechten, oder, gar keinen geben kann, wenn im Ernste und in Wahrheit von einem solchen Anthropogogen geredet werden soll. Und was wäre denn wol mein Bedenken über jene Erziehung und diesen Erzieher? — Ich will es nur gleich sagen: ich habe das an dem Lessingschen Erzieher auszusetzen, daß er immer hinterher kommt; baß der Schüler sein eigner Lehrer wird, was ec doch eben so wenig werden kann, als der Sohn fein eigner Vater. Und das ist gewiß kein rechter Erzieher, der zu spat kommt, und jedesmal, ehe er Erzieher heißen kann, Erzogener ist. Kurz! die Entwickelungsgeschichte des Menschengeschlechtes ist keine Erziehung desselben zu nennen, wie das Wachsthum einer Eiche kein Ziehen, . wenn der Gärtner nicht nachgewiesen ist, der da pstanzt und pfropft, äugelt, beschneidet und besonders den graben Stecken an das Bäumchen stellt, dieses daran bindet, damit es nicht krumm, und krüppelig wachse. Ist denn der letzte Mensch Erzieher? und das müßte er sein, weil er'der Meister in Vergleich mit allen , seinen Vorgängern wäre. Dasjenige, das nst wird, kann doch nicht Ursache des noch nicht Gewordenen sein! Dieß Hpfteronproterön ist indeß so zufällig nicht, und noch weniger ein Fehlgriff, wie es den Anschein haben könnte. Man muß nur, dünkt mich, voraussetzen, daß der edle Verfasser jener Erziehungsgeschkchte, etwas kühner, als bei Gelegenheit des Conti'schen Gemäldes, in' der ethischen plastischen Natur mit Zuversicht jenes Ideal hypostastrte, das ec in der physischen nur mit einer .Zaghaftigkeit, mit einigem Bedenken vorauszusetzen wagte. Dann ist alles in der Ordnung. Jener Erzieher, den die Erziehung, wie den Actoc den der Act, nothwendig heißt, ist die Idee, die ethische Idee des Menschen in seiner Vollendung, die sich der wirkliche Mensch aus seiner eignen unvollkommnen Natur, ergänzend und restaurirend, gegenüber stellt. Diese Erziehung nun im Sinne jener Schrift Lessings, ist aber immer, doch das nicht, was man gewöhnlich Erziehung nennt; denn der eine Theil derselben, die Belehrung, bliebe immer ein wo nicht mangelnder, doch wenigstens unvollständiger'Artikel, den die stumme Action der Außenwelt nur dürftig, und trage completirt. Der rechte Erzieher, ohne Tropus gesprochen, erzieht gewöhnlich in zwei Richtungen zugleich, zum Wissen und zum Handeln, durch Lehre und Beispiel- und befolgt zweierlei Methoden, je nach der Theorie des Erziehers, und je nach den Subjecten, die seiner Erziehung untergeben werden. Wir möchten die Eine die „Voraussetzungslose" die andre die „Voraussetzungsvolle" benennen; ihre Beschreibung wird diese Bezeichnungen näher bestimmen. Hat der Erzieher ein von allem Wissen baares, von allem guten Willen fernes Kind zu erziehen: so thut er wohl, diesem ungeschliffenen rohen Gesellen fürs erste einzüreden, es wisse viel und könne noch mehr. — Wir nennen diese Methode die voraussetzungsvolle. Durch öfteres Wiederholen eines und desselben Ehrentitels wird der Erzieher in jenem Kinde unfehlbar die ^Meinung aufkeimen sehen, daß es wirklich so was besitze, und daß des Erziehers Voraussetzung nicht grundlos, ftf, und es kann noch immer was Gutes aus dem Kinde werden. — Umgekehrt verfahrt er vielleicht mit dem andern Kinde, das wirklich hat, was Seriem glauben gemacht werden soll, als hättees deßgleichen. — Doch darüber ist hier der Ort nicht zu discutiren. Und es soll bloß diese Erziehungsmethode den Weg andeuten, den derjenige Lehrer, den wir als den unfern preisen und anbeten, mit uns bei unsrer Erziehung eingeschlagen. Der Herr Necensent merke es sich, daß dieß. der tiefere Inhalt, und die bei uns giltkge Bedeutung des Ausdrucks „Volk Gottes" ist. Unser Erzieher hat dem störrkgen, unbeugsamen, nackten und ungeschlachten Knaben atsobald einen Ehrentitel „Volk Gottes" beigelegt, um ihm dadurch eine Kraft und eine Tüchtigkeit einzuflößen, die ihm sonst vielleicht rem abgegangen wären. Mit den an-

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