Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 80 (13.7.1839)
- Date
- 1839-07-13
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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335 Preußen. Berlin, 22. Juni. Die Leipz. Allg. Zeit, vom 2t. Juni enthält folgenden Artikel von hier, vom 18. datirt: „Man hat die preußische -Regierung häufig deshalb getadelt, und hört jetzt häufig diesen Tadel wiederholen, daß sie den Juden nicht gestatte, ihren Gottesdienst auf den reinen Deismus zu gründen und diesem gemäß umzugestalten. Allein man hat hier, wie so oft, die Weisheit der Regierung nicht begriffen. Der philosophische Gehalt des Judenthums, wenn man es lostrennt von seiner unmittelbaren geschichtlichen Erscheinung, ist allerdings der reine Deismus; jedoch konnte dieser erst als solcher erkannt werden in Folge der hohen Bildungsstufe, welche-wir durch das Christenthum erreicht haben; der Jude, welcher der Einwirkung der christlich-philosophischen Bildung entzogen geblieben ist, wird daher in dem reinen Deismus seine Religion eben so wenig wieder erkennen, als der orthodoxe Christ die Lehre des vr. Strauß für Christenthum halten wird. Die Religion, befreit von ihrer geschichtlichen Erscheinungsform und in den reinen Gedanken erhoben, hört auf Religion zu sein, sie wird Philosophie. Wollte nun eine Regierung gestatten, daß an die Stelle des Judenthums der reine - Deismus, oder an die Stelle des Christenthums die Lehre des vr. Strauß gesetzt und der Gottesdienst danach eingerichtet werde, so würde sie eben damit den Gottesdienst in einen philosophischen Unterricht verwandeln, die Kanzel in ein ^Katheder, die Kirche in eine Hochschule. Die Religion als solche kann nicht getrennt werden von ihrer unmittelbaren geschichtlichen Erscheinung, sie kann nicht befreit werden von der sinnlichen Form der Vorstellung; denn diese eben ist es, welche dieselbe dem gewöhnlichen Bewußtsein näher bringt, und Gelegenheit bietet/ solches aus dem Bereiche der Sinnlichkeit in die Sphäre des Geistes zck erheben. Die Weisheit der Regierung ist daher anzuerkennen, wenn sie einerseits für Erhaltung der positiven Religion Sorge trägt, andererseits die Verbreitung der philosophischen Bildung durch die Hochschulen sich angelegen sein läßt. Die Aufgabe des philosophisch gebildeten-Theologen ist es, in die Vorftellungsweise der Mehrzahl seiner Zuhörer eingehend, diese von ihrer fleischlichen Richtung zu läutern. In dieser Beziehung waren die Vorträge des verstorbenen Schleiermacher so ausgezeichnet und zur Erbauung für die verschiedensten Bildungsstufen geeignet. Daß die preußische Regierung einer solchen wissenschaftlichen Ausbildung auch der jüdischen Theologen nicht nur kein Hinderniß in den Weg legt, sondern^solche sogar begünstigt, gecht deutlich aus der günstigen Aufnahme hervor, welche bei ihr -das Unternehmen, eine jüdische Fakultät für Preußen zu begründen, gefunden hat, und welchem sie ihre thatige Unterstützung angedeihen lassen wird, wenn es den eifrigen Bemühungen des Dr. Phklippson zu Magdeburg'gelingen sollte, die allgemeine Theilnahme seiner Glaubensgenossen dafür zu erwecken." —. Wir behalten uns vor, diesen Artikel näher zu kommentiren, wenn, worauf das Ende des Artikels zu deuten scheint , wir uns eines Bescheides von Seiten Eines hohen Ministern auf unsere jüngste ^Eingabe um die Erlaubniß zur Sammlung für die Gemeinde zu Berlin, die bis dahin noch verweigert ist, zu erfreuen haben werden. — Literarische Nach richten. Magdeburg, 30. Juni. Angekommen: jrfvjn ftsiöa ‘piD&n pbn 'ist npmn dnn Wien 1835. *018 'n das. 1835. 'fi das. 1837, 'n das. 1839, —. Theologie. Von dem Gedanken' eines .Volks Gottes, von vr. Steinheim in Altona.") II. Allgemeine Literaturzeitung März 1838, No. 39, über Nitzsch's System :c. Worte des Recensenten. . „Für die Christenheit ist übrigens diese fromme Einbildung „(Volk Gottes zu sein) und Engherzigkeit, wie die Geschichte zeigt, ein Erbstück aus dem jüdischen Volke. „Der ungöttliche Gedanke,- das Lieblingsvolk Gottes zu „sein, ging von den Israeliten zu den Bekennern des „Evangeliums über... Jene eudämonische und particu- „laristische Denkart vereinigt sich in einem sich heilig „und selig dünkenden Sklavensinn. So wie dem Skla- „ven die Gnade seines Herrn alles ist, Leben und Glück „des Lebens nur von dieser abhangt, ohne Rücksicht auf „den inner» Werth der Person, da er nur dem willkürlichen Jndividuelwillen des Herrn überall gerecht zu „werden bemüht ist, um, soviel ihm möglich ist, glück- „lich zu sein: sp erscheint in ganz ähnlicher Denkart der „Christ des Verfassers." Der Herr Recensent rückt dem Judenthume immer feindlicher entgegen, und wirft ihm, und auch dem christlichen Theologen, der den „ungöttlichen Gedanken, Volk Gottes zu sein" in das Christenthum hinüber ziehen will, recht schwere Vorwürfe an den Hals. Er steigert seine Bezeichnungen von „frommer Einbildung" zu „ungöttlicher Gedanke" bis „sich heilig und selig dünkender Sklavensinn." Und das alles im Namen der ganzen Christenheit, von der sich doch-gewiß ein nicht unbeträchtlicher Theil den eifrigen Advocaten verbitten dürfte. Das "alles ist aber nicht unsre Sache, und wir haben es nur mit dem Recensenten des uralten Gedankens, ein Volk Gottes zu sein, zu schaffen. Herr Professor Nitzsch und die Mitglieder des Chri- ') Die erste Nummer dieses Aufsatzes in No. 74 und 77. Redakt.