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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-13 · Heft 80 (13.7.1839) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 80 (13.7.1839)
Date
1839-07-13
Page
Seite 330 (sequence 2)
Language
German
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350 künstliche Hitze getrieben werden! Die Handwerkscarriere hat im Allgemeinen so viel hoch Schwieriges, so viel hart Abschreckenoes für die hamburgischen Israeliten, — der geringe Zudrang der wohlhabenden Klaffen beweist es — daß dazu von Seiten der Knaben sowol als ihren Eltern ein gewiffer Heroismus und von Seiten des Vereins zur Beförderung dieser Carriere ganz ausgezeichnete Lockungen erfordert werden. Lasten Sie uns indeß die Hoffnung nicht aufgeben, daß auch hier die Verhältnisse sich günstiger gestalten und solche außerordentliche Reizmittel' überflüssig sein werden." Der Bericht schließt: „Resumiren wir: seit Stiftung dieses Vereins im Jahre 1823 hat derselbe über 50,000 M. Ct. für seine Zwecke verausgabt, und einen Fonds von 9000 M. Lev. nebst dem Zinsgenuß anderer 20,000 M. Leo. erworben. Ein gewiß höchst respektables Resultat! So befriedigend indeß diese finanzielle Stellung genannt' werden kann, so besteht darin nicht der Kern unseres Strebens. Die Direction glaubt ihr Publikum nicht unrichtig zu beurtheilen, wenn sie in dessen Sinn die Ansicht ausspricht, daß es weit wünschenswerther sei, wenn die Gele^ genheit zu nützlicher Verwendung so anwüchsedaß wir mit allen vorhandenen Geldmitteln nicht zureichen könnten. Froh einer solchen Verlegenheit würden wir dann unsere Mitglieder ansprechen und der energischsten Äushülfe gewiß sein. Fühlt ja wol jeder Freund unserer Sache, daß bei einer Stiftung, deren Aufgabe es ist, das Vorurtheil der Arbeitsscheu von uns abzuweisen und die Ehre unserer Gemeinde, ja unserer Nation, in so vieler Hinsicht zu vertreten, bje Regel der Sparsamkeit und der Einschränkung nur einen untergeordneten Rang einnehmen darf." Hamburg, 16. Juni. (Privatmitth.). Es ist jetzt die Zeit der Association. Handels- und gewerbliche Unternehmungen werden auf Aktien betrieben, Denkmäler der Kunst und der Helden durch kleine und große Beitrage geschaffen, auch die Barmherzigkeit hat sich langst dieses Mittels bemächtigt. Je weniger die Herzen der Einzelnen für bedeutsames Wirken sich für sich begeistern, desto mehr sucht man das Herz der Masse bei jeglicher Gelegenheit in Bewegung zu setzen. Welcher Mensch von Ehre entzieht sich auch einem kleinen Beitrage, wofür er doch zugleich.eine kleine Aktie auf den Himmel erhält? Die Quittungen der DereinSkassen werden einst in seiner Hand mächtige Zeugen für ihn sein. Selbst der strengste Richter muß vor solchem Convolut sein Schwert beugen. Doch den Ernst zur Hand genommen, hat man doch gewiß den rechten Punkt getroffen, indem man im Schooßeder israelitischen Gemeinden die Menge von Vereinen gebildet hat, welche einzelne Zweige der Wohlthätigkekt und Wirksamkeit eifrkgst betreiben. Viele werden dadurch geschützt und versorgt, ohne Einzelne zu drücken,, und die durch solche Vereine streng befolgte Ordnung, Regelmäßigkeit und Sicherheit stellt vor Betrug und Verschwendung sicher. Nicht zu verkennendes Zeichen des Gemeingeistes ist es alsdann, wenn in einer Gemeinde die Zahl der Vereine sich stets mehrt, sich stets blühend erhält, und immer neuen und frischen Anklang findet. — So sind in diesen Tagen die Statuten des „Hamb, israel. Frauenvereins" gedruckt erschienen-- der bereits seit'20 Jahren (1819) höchst wohlthätig wirkt. Dieser Verein hat zur Aufgabe, arme Knaben, besonders aus der israelitischen Freischule" zu bekleiden — und zwar während 7 Jahre, der Dauer ihres Schulbesuches — und arme Kinder, deren Eltern sie verwahrlosen, so weit die Mittel reichen, bei rechtlichen.Leuten in Pension zu geben. Ihm zur Seite steht auch der „Mädchenbekleidungs-Verein," der denselben Zweck bei den armen Mädchen versorgt. Die Statuten des Erstem bedürfen hier keiner weitern Anführung, sind genau und sorgfältig gearbeitet, und werden gewiß dazu beitragen, dem Vereine neue Mitglieder zu gewinnen. — Hamburg, 17. Juni. (Privatmitth. Berichtigung.) Der an die Gevatter-Chebra geknüpfte Verein der Mohelim Hierselbst ist weit entfernt, dem in No. 70 erwähnten Bedürfniß zu genügen. Im Gegentheil kann sich hier zum Mohel aufwerfen, wer da will, und es ist von keiner chirurgischen Prüfung die Rede, obwol natürlich anzunehmen ist, daß die Haus- oder Armenärzte, wenn sie Gelegenheit haben, die gar zu große Leichtfertigkeit zu verhüten suchen.. Die Gevatter-Chebra nimmt für die armen Leute, 'die Gevattern von ihr erhalten, freilich nur die geprüften Mohelim des Vereins, jene Prüfung aber sieht, außer auf die gewöhnlichen empirischen Handgriffe, vocnämlich darauf, ob der Mohel sich nicht etwa in der Sefira bacbiren lasse und dergl. mehr. Auch muß. sich jeder Mohel in demselben verpflichten, keine andern Namen als die Herkömmlichen (wozu außer den biblischen bekanntlich auch die deutschen Wolf, Bär, Götschlik, Lämmel, Fischel, Sußmann ff. gehören) zu ertheilen. Jener Verein hat also durchaus keine Macht und es sinh auch keineswegs alle Mohelim darin z. B. nicht der Herr M....... der bekanntlich einer der geschicktesten und beschäftigtesten ist. Damit soll übrigens aber nicht gesagt sein, daß unter unsren Mohelim nicht guter Wille genug vorhanden sek, um einen zweckmäßigen Verein zu stiften, so bald sich eine organisirende Hand zeigt. — Ritzebüttel, 12. Juni. (Privatmitth.*). Erlauben Sie mir, daß ich Ihre Leser, die Sie so oft in entlegene Fernen und in das Gewühl der europäischen Hauptstädte versetzen, heute in das Stillleben einer kleinen, aber höchst achtbaren Gemeinde führe, welche, auch noch stehend unter dem Zwange einer mittelalterlichen Gesetzgebung, sich eben so der Freiheit würdig zeigt, die sie nicht genießt, als über der Unfreiheit stehend, in der sie nock) leidet. In dem, der freien deutschen Hansestadt Hamburg zügehörenden Amte Ritzebüttel (l^lUM. 1836: 5289 Einw.) an der äußersten Nordwest-Ecke des deutschen Vaterlands, zu welchem auch das weltberühmte Cuxhaven, mit seinem Seebad gehört, besteht eine kleine Judengemeinde von etwa 75 Seelen, welche sich eine eigene kleine, recht hübsch eingerichtete Synagoge nebst Schule käuflich erworben und eingerichtet haben. So wie die Juden ehemals im römischen Reich des Kaisers Leute waren, so sind hier die Juden des hochweisen Herrn Amtmanns Leute, des von Hamburg *) Von einem christlichen Beamten. Redakt.

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