Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 79 (6.7.1839)
- Date
- 1839-07-06
- Page
- Seite 326 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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526 wie vorher. „Ich werde dich Wiedersehen!" rief er mir zu, und stieß mich in die Reihe derer, die zum Kampfspiel, zum Kampf mit den gefangenen Thieren der Wüste bestimmt waren. Man zieht mich durch weite Höfe des Pallastes , man schleppt mich durch finstre Gange. Da brüllt der Löwe in seinem Käsicht, der Panther heult gegen die Stangen seines Gitters, und neben diesen ist — meine Kammer. Wir sind Nachbaren. Löwe von Tadmvr, gelagert neben dem Löwen von Zuda, da wir uns begegneten in den Steppen Arabiens, und mein funkelnder Speer sich grub in deine Weichen, ^mein blitzendes Schwert dir die Tatze ablöste^ jetzt sind wir beide des Römers Sklaven, und harren seines Winks, uns zu zerfleischen zu seiner Augenweide Es ist nur ein eisernes Stangennetz, das uns von einander trennt. Oft stehen wir uns gegenüber, und dein großes Auge staunt, daß sich sein Blick in den eines Menschen versenkt. (ÄZas schaut dir entgegen aus meinem thränenlofen Apfels) Deinen Grimm erregt es nicht, und deinen Äbscheu, aber auch nicht Liebe und Mitleidenschaft. Du wendest dich spielend ab, gehst scheu zur Seite: (du hast dem Tode in's Auge geschaut — nicht jenem Tode, der mit dem fröhlichen Muthe des Kampfgewühls naht, und in die kühn geschwellte Brust den Stachel senkt, dem Tode, der furcht- und gefühllos eintritt in ein stilles Gräberfeld, und dem getödteten Geiste geräuschlos den Leib nachsendet.) Oft nehm' ich, wenn du vor Hunger brüllst und an das Eisen schlägst, daß es wankt, einen Theit meiner kärglichen Nahrung und werfe sie durch die Oeffnungen. Aber du verschmähst sie von mir und läff'st sie liegen -willst von dem gefangenen Juden Nichts; denn du bist noch Löwe. Noch wenige Tage, und wir stehen uns draußen gegenüber. Meinst du, ich werde kämpfen mit dir? Scheue dich nicht. Wie ich stand vor dem Samum, werde ich stehen vor dir, bis du reißest das Haupt vom Rumpfe, und die Knien zusammenbrechen von selbst. Ich will ja nur sehen: was noch werden wird"?.. . 2. . . . Schüttelt eure breiten Aeste, ihr Lorbeerbäume, schüttelt sie unwillig, daß ihr einem Fremdling Schutz und Schatten verleihet, ihr Lorbeerbäume heidnischer Götter, die ich verfluche, und die der Pöbelwitz Javans und Rom's für heilig erklärt. Ich bin nicht gekommen, bei Euch Schutz und Rettung zu suchen, habe mich nicht geflüchtet in euer thörichtes Heilkgthum: man hat mich hierher gedrängt mit freundlicher Hand, wem danke ich es? — Aus des Käft'chts dumpfer Schwüleward ich versetzt unter eure dichten Schatten, an die murmelnden Wellen des Orontes, wie geschah es? —,—; Eines Morgens erhob Ich das Eisengjtter meines Nachbaren, des Löwen von Tadmor, wie von unsichtbarer Hand. Mit bedächtigem Schritt trat er vor, mit seinem Schweife peitschte er die Lust, er brüllte wie vor Erstaunen, dann hob er die Tatzen zu mächtigem Sprung, und in gewaltigen Sätzen rauschte er aus dem Käsicht durch den langen engen Gang, bis er im fernen Dunkel einer geöffneten Thüre verschwand. Wieder hob sich ein Gitter, und sich schüttelnd entlief der Panther dem Gefangniß,auf demselben Wege. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p o n d e n z e u. Auszug aus späteren Briefen des Herrn vr. Loewe. . .(AuS Corfu). „Die israelitische Gemeinde auf Corfu ward mir als auS 3500 Familien bestehend angegeben, die 5 Synagogen, mehre Schulen und wohltharige Anstalten besitzen, und alle Freiheiten gleich englischen Juden genießen. Bloß der liefe Haß, den die Griechen gegen sie hegen, beunruhigt und quält sie. Der größere Theil besieht aus Kausteuten, meistens Oelhändlern; viele sind Handwerker, einige Juristen, die jedoch nur 8olioitors und nicht lawgers werden können. Eigentliche Wissenschaften betreiben sie nicht, selbst die theologischen nur wenig. DaS Alter ihrer Hauplsynagoge geben sie ans 500 Jahre an, doll) konnte ich die eigentliche Geschichte der Gemeinde nicht erfahren; im liturgischen Ritus stehen sie den Italienern naher als den Portugiesen. Der Qderrabbine Herr Rafael BibaS (Vivaö) ist ein vielseitig gelehrter Mann, doch konnre ich bei meinem kurzen Besuch wenig von feiner Unterhaltung profiliren, da ich einen polnischen Rabbi bei ihm traf, der das Gespräch du'rchgrhends an sich riß. (Aus dem Orient.) Das eigentliche Verhältniß der säur atitanischen Secte zu der karairischen werden meine späteren Berichte mehr ins Licht fetzen. Daß die a-a-a-a Aussprache der Samaritaner eine Art hieratischerAssectation sei, fand ich nicht, denn ich unterhielt mich mehrmals mit des alten Kaaan's Sohn, und wo nur ein hebräisches Wort vorkam, bemerkte ich dieselbe Aussprache; auch kann es nicht die Gegenwart eines Fremden sein, die sie dazu veranlagte, etwa um die wahre Aussprache zu verheimlichen; denn bei dem Sabbatsgottesdienst, dem ich beiwohnte, schrieen alle ihr unerträgliches a-a-a-a, obgleich viele meine Anwesenheit gar nicht bemerkten. Grammatik haben sie — wie sie mir sagten — gar nicht, daher eS ihnen bisweilen wiederfährt, ein hebräisches Wort, das einige Aehplichkeit mit dem entsprechenden Arabischen hat, halb arabisch auszusprechen. Das Nach nistar kennen sie -jedoch nur traditionell, sonst .müßten sie natürlich für Elohim, Alahajama und nicht Alaham aussprechen. Bei letzterem Worte kann man übrigens, wenn man gerade an Elohim denkt, glauben, ein schwaches im zu spüren, im Ganzen bleibts aber bei dem a‘) und — bei d.em schrecklichsten derSchrekken, ihrem schauderhaften Kirchengesang, der allein hinreichte, sie als Nicht-Israeliten zu charakterisiren. Ihre Geschichte müßte interessant sein, denn wie konnte das kleine Häuflein 2200 Jahre ') Wie wäre auch wol sonst aus-dem Naincu Schömer»n-Samarka geworden? Vergl. auch die Namen Gaiaad, Galgala, Tabaria u. a. m. 00) °°) Die Sl-formation der Samaritaner ist durchaus mit der J-AuSsprache der Altgriechischen durch die jetzigen Griechen zu vergleichen. Wir werden ein NäbereS mittheilen. A. d. Redakt^