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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-06 · Heft 79 (6.7.1839) · p. Seite 325

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 79 (6.7.1839)
Date
1839-07-06
Page
Seite 325 (sequence 9)
Language
German
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325 die zerschmetterte Seele, warum ziehet ihr vor mir vorüber, ich schaue euch, und bleibe?-r Hohnlächelnd schlingt der Römer die Bande um . meine Arme,^ich, der Sohn des Fürsten Jojada, fühle den Fußtritt des griechischen Knechts; ich trete vor den schwermüthigen Titus, und er wendet mir den Rücken^) ich werde hingeführt auf den Xystus, wo wir als Knaben die Spiele der Jugend gefeiert, dort ist das blutige Gericht, und tausende meiner Genossen fallen unter dem Henkerbeil des mordbegierigen Römers; auch dein lockiges Haupt seh' ich fallen, mein Jugendfreund Channanel, auch deine'ehrwürdigen Locken röthen sich dort mit deinem Blute, mein Lehrer Schammai, und dein Schema wohnt noch auf den erblichenen Lippen des getrennten Hauptes; aber der Arm der Henker ermüdet vom Tödten, uyd ich bleibe übrig mit Wenigen, In dem Kerkerfinde ich mich wieder, die Luft ist verpestet von dem Athmen der Tausenden, die er umschließt;, zweimal drei Tage benetzt kein Tropfen unsre Lippen, berührt keine Speise unfern Mund, und da ich den Nachbar fasse, ist er, wie Hunderte, zur Leiche verschmachtet. Endlich öffnet sich das Thor des Gefängnisses, wir werden geführt zu den Quellen des Siloah, dort sind die Sklavenhändler versammelt, aber die Beutel sind bald leer, und unsre Zahl kaum vermindert: um ein Schwert zwei Jünglinge, um einen Modus Gerste drei Jungfrauen, und ich der Sohn des Fürsten Jojada, ich, ein Sprößling aus Sauls, des Königs von Israel, Geschlechts, ich, der kräftige Jüngling in der Blüthe des Lebens, werde erhandelt um einen Kuchen aus Weizen-O, ihr Städte Judäas, ihr hohe Burgen und offene Flecken, die ich einst auf kühnem Rosse im goldenen Panzer durchzogen, ich sah eure AschenhPrfen, zog euren Trümmern vorüber, und meine Fesseln drückten mich nicht, mein Sklavengewand schämte sich nicht; da ich euch erblickte niedergeworfen und die Säulen des Rauches noch wirbeln aus euren Brandstätten, wie konnte ich Wehe! rufen über meine wunden Füße? — Da erhob sich ein rother Brand am östlichen Himmel, der eherne Himmel schrumpfte vor einem Rande grauer Wolken ringsum zusammen und vecfalbte in giftiges Gelb, ein Schwefelgeruch drang durch die stillgestandne Luft, die Wüste erhob sich in schwellenden Sandwogen — der Samum! schrie der Haufe, der Samum! Sklavenhändler und Sklaven, der Samum! Römer und Jude — die Thiere wälzten sich auf dem Boden, die Ketten rasselten, und Alles warf sich zur glühenden Erde — nur ich stand aufrecht, und sah den niedergeworfenen Knäuel, und sah hinein in das Ungethüm, das vom Morgen einherfuhr auf seinem Riesenwagen. Ich wollte nicht sterben, aber den Tod kommen lassen, wenn ec wollte. Der heiße Sandregen sprühte nieder, und versengte mein Haar, der Sack, der meine Glieder, verhüllte, fiel in Stükken verbrannt herunter, Berge wälzten sich auf meine Brust, das Herz schlug mir bis an die Kehle, ich wollte nicht stehen und nicht fallen, ich wollte es geschehen lassen, da brachen die Knieen zusammen von selbst, ich sank nieder, und der Sturm fuhr darüber hinweg, ich wußte es nicht mehr.— Peitschenhiebe weckten mich aus dem Schlummer der Seele, wir zogen nach Damaskos. --Gränze Israels, wie überschritt ich dich? Mein Fuß zögerte nicht, meine Gebeine schmiegten sich nicht an deinen letzten Felsen, nur mit Ge? walt losgeriffen zu werden — ich überschritt dich, wie man die'Schwelle des Zimmers überschreitet, in ein anderes zu gelangen. Die Welt war mein Haus worden, und vor den Schatten der Seele sah das Auge Nichts, nicht, das Alte schwinden, nicht das Neue kommen. Ich schritt und 1 schritt. Kaum schlug das Hohngeschrei des Syrers an mein Ohr, da wir durch Damaskos' Thore zogen; wenn der Spottgesang bis zu den Wolken drang, ich vernahm ihn kaum; * ein syrisches Mädchen nahm Kieseln und/Iöthlicherr? Sand^us dem Bette des Chcysorrhoas^und warf sie auf mein Haupt, es schüttelte sich, und sie glitten herunter; Knaben umschwirrten uns, und schossen Bolzen nach meinem Rücken, ich regte mich nicht. ^Jch fühlte dqs Gehinnom nicht in Deinem Eden*)^ Damaskos, und nach den Aepfeln des Lebensbaumes hätt' ich die Hand nicht erhoben^ An den Mauern von Arados sah uns das Meer. Mancher glitt heimlich herab vom steilen.Ufer, und verschwand schweigend in der Brandung, ich ging vorüber. So nahmst du mich auf vierstädtige Antiocheia, nahmst mich auf in deine weiten Mauern, als Syrersklave. Deine Thore wa? ren geschmückt mit Lorbeergewinden, als ich einzog, unfern Siegern zur Ehre, die Marmorplatten deiner Straßen, die Herodes gelegt, mit Rosen bestreut, uns galten die Dyr? nen; zuw Pallast des Prokonsuls wurden wir getrieben, die gaffende Menge warf Pechkranze um unsre Schultern, ich ließ sie liegen. Da trat er hervor der weingeröthete Römer und las sich aus, die ihm gefielen: ich war darunter. Ha, er erkannte mich. „Amnon, rief er, Jojada's Sohn, bist du's? denkst du noch, wie wir kämpften und rangen am Fuße der Antonia vor einigen Jahren? Ich hatte eine Dirne deines verfluchten Geschlechts mir erkiest, und du entrissest sie mir. Zitterst du?" Ein Blitz durchfuhr meine Brust. Schon wollt ich jubeln, daß die Geister wieder erwachten in meiner Seele, daß das versteinte Herz wieder zu zucken beginne. Aber es . war schnell vorüber., und öde *)- Bekanntlich hielten die Bewohner von Damaflos ihre Umgegend für die Stätte des Paradieses. Redakt. 79*

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