Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 79 (6.7.1839)
- Date
- 1839-07-06
- Page
- Seite 324 (sequence 8)
- Language
- German
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324 Stücke von Basreliefs, einige Götterarme und — Beine, I endlich einen kleinen, aber schönen Torso. Ihre Mühe war | reichlich belohnt. Die Schaufel schlug aber hohl an, als man den Torso heraufschaffte, und darum ward sie eklig wieder zur Hand genommen. Plötzlich fuhr ein Freudengeschrei auf, denn ein eisernes Kästchen erhob sich aus der Tiefe. Ein Schatz, ein Schatz! — Aber das Kästchen war leicht. Der Deckel sprang auf; und in dem Schooße des Kästchens lag eine einfache Pergamentrolle. Ein Manuskript — ich trat heran, denn, die Schatzgräber waren einfache, unwissende Leute. Sie fanden sich sehr getauscht, denn sie sahen, es waren nicht einmal griechische .Schriftzüge. Sie überließen sie mir bald für ein gutes Trinkgeld. Ich trug den Schatz nach Hause — ich hatte es wol erkannt, es waren Charaktere jener heiligen Sprache, in der der Herr zu Israel gesprochen — noch einmal eine jüdische Ruine unter den Hellenischen! Mochte das festverschlossene Behältniß, mochte der trockne, feste.Boden die Ursache sein, das Pergament rollte sich leicht auf, die Dieten waren wohl erhalten, nur hier und da ein Wort erloschen. Ich las mit Begierde, mit Herzklopfen, ich las bis in die Stille der Nacht hinein. Und was war der Inhalt? Es war eine Geschichte voller Leiden aus der Leidensgeschichte des jüdischen Volkes, aber von kräftigem Geiste durchweht, und in die tiefen Farben jüdischen Lebens getaucht. Ich will nichts mehr vorausneh- .men, ich will sie euch noch erzählen, ganz und gar, soweit der kühle Ausdruck der Neuzeitder Gluthsprache des alten Juden noch folgen kann .... I. Der Flüchtling in Antrocheia. 1. Ich bin der Mann, der das Elend gesehen, unter der Ruthe seines Grimmes. Er hat mich getrieben und geführt in Fknsterniß, und nicht in Licht. Er mauerte mich ein, daß ich nicht hinaus kann, belastete mich'mit Ketten ... -Schwinge nur deine Geißel, Römerknecht, hänge schwerere Fesseln an den Leib des Gefangenen, daß er rasselt, wie das ungezähmte Thier im Käsicht, wenn & hungert; spei ihm ins Angesicht, und stoß ihm das- Kinn wund, daß er aufschaue. Niemals wird der Tag der Rache kommen, der^Tag der Vergeltung, und dem Trotz-bleibt nngeahsidet. Du gehst sicher umher, und jubelst, und dein Jubeln wird nie werden zum Schrei des Gestraften. Siehe! der Gefangene ballet nicht einmal heimlich die Faust wider dich, er läßt die Finger hängen denn er kennt die Wuth nicht — wer da- Elend gesehen, wie er, der ballt die Faust nicht: könnt' er die Faust ballen, würd' er sterben. Und wozu ließ er sich denn fangen?-Mein Bruder hat sich in's Schwert gestürzt, meine ältere Schwester in die Flamme. Als die Ströme des Blutes, die von Zkjon stoßen, uns in der Höhle, die uns verborgen hielt, beinah ertränkten: stürzte mein Bruder sich in das Schwert, die rothen Wellen zu mehren seinerseits. Als die Flammen, die von Morija troffen, uns in der Höhle schon erstickten, warf meine Schwester sich in die Feuer, damkt-sle lustig flackerten auch ihrerseits. Ich aber trat hinaus und ließ mich sangen, denn ich wollte sehen,' was da noch werden würde? Ich hatte noch eine Frage an den Gott Israels: was wohl noch werden würde? Und diese wollt' ich gelöst haben. — Die Säulen sind gebrochen in meinem Innern, die Zinnen meines Geistes-sind hineingefallen in die Vorhöfe meiner Seele, geschmolzen sind alle goldenen' Fenster meines Herzens. Aber auch die Flammen sind erloschen, und die Blutsiröme versiegt und vertrocknet. Ein Kind könnte mich leiten am Seil ungefährdet. Ich schaue mich als einen- Andern, ich seh mich -wandeln und schreiten als einen Zweiten, als hatte ich nur noch die Frage an mich; was wird ihm nun werden, dem Gefangenen? —- — Wenn mich der Kerkermeister schlagt, lächle ich nicht einmal;, wenn der Gefangenwärter mich anspeit, fühl ich kein Lispeln des Hohns; wenn die Stachel des Aufsehers meine Hand trifft, flüstert der Spott nicht ein Wörtchen mir zu. O glücklich, wer verzweifeln könnte! dreimal glücklich, in wessen Herz die Wuth aufsprkngt wie ein Löwe aus dem Dickicht, und mit furchtbarer Tatze sich und den Nächsten mit Verderben schlägt! Tönt ein Seufzer von meiner Lippe, so ist es der, daß ich nicht verzweifeln kann — — So stehst du vor mir, brennendes Jerusalem, walzest , dich zu meinen Füßen, sterbendes Israel, und mein Herz, zucket nicht dabei, Ich höre das Zischen der Flammen, wie sie aus dem. Allerheiligsten dringen, ich höre das Poltern der Altäre, ^wie sie in einander stürzen, ^ch höre das Rauschen der Metalle, wie sie hinunterfließen vom goldenen Leuchter) die Priester seh' ich die silbernen Stühle auf die Köpfe der Feinde werfen , und sich in die Flammen, die Jungfrauen Dre Dolche in den. Leibern der Römer drehen, und dann, in den ihrigen; ich sehe dein hohes Haupt, Eleazar, auf der Spitze eines Römerschwertes, dm Arm meines Vaters , auf einer Egypterlanze, den Busen meiner Mutter von einem kretischen Pfeil durchbohrt, und es ist still in meiner Seele. Meine Mariamne fallt unter den Streichen des Syrers, er reißt meinen Säugling von ihrer Brust und schleudert .ihn an die Felswand, daß die zarten Glieder umhersprühen, und es schweigt in mir. Gräßliche Bilder, die den Wahnsinn heraufbefchwören über