Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 79 (6.7.1839)
- Date
- 1839-07-06
- Page
- Seite 322 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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322 genftcllen, um leider die bisher.von ihnen gchandhabte Finsterniß, noch ferner beibehalren wollen, so. geschieht solches mit Recht; denn auf ihnen allein, nämlich diesen Orthodoxen lastet alsdann die Schuld, wenn viele sich von der angeerbten Religion lossagen; sie allein haben es einst beim höchsten Richterliuhle zu vertreten , sich nicht der Erleuchtung gefügt zu haben, welche die neuen Rabdinen zeitgemäß zum Wohle und zur Aufrechthaltuna des Glaubens in Israel, in Lehren aufstellen, und anstatt der entgegenzuse- Henden Belohnung Jenseits, dürfte diese Finsterlinge nur Derdammniß treffen. Der acht sein wollende Altgläubige schreite demgemäß der neuen Lehrweise jener eben so weisen Rabbinen getrost entgegen. Nur Heil und feste Erhaltung seines heiligen Glaubens kann ihm und seinen Nachkommen devorstehen! Wem sollen eigentlich die Worte gelten? „lieber auf eine äußere Virtuosität im Reden verzichten, Usld mehr das allgemein Zusagende im Augenmerk behalten." Doch wohl nicht unserem Dr. Geiger? Haben etwa die üb- . lichen Vorträge unseres würdigen Rabbinen, welchem geistige Talente keknesweges abzusprechen sind, und den nur leider die umgebenden Finsterlinge von seiner richtigen Denkart eben solche Nutzanwendung machen zu können, abhalten, haben etwu wiederhole ich nochmals, diese Vorträge, welche nur zweimal im Jahre stattsinden, mehr zugesagt, oder nur der einmalige Vortrag des Dr. Geiger? Ein gehaltvollerer und gediegnerer Vortrag als der Geigersche, ist wohl seit geraumer Zeit in der großen Synagoge nicht abgehalten worden. Herr Pappenheim ist auch demzufolge sehr gnädig, und spricht sein Wohlwollen damit aus, denn er begleitet solchen mit Lob, daß die Proberede des I)r. Geiger dem ihm verangegangenew Rufe als Redner entsprach, mithin auch dem Dr. Geiger neben den Requisiten seines Berufes, in Ritual-Angelegenhvit, auch das Talent eines tüchtigen Redners nicht abgesprochen. werden kann, und folglich der Wahl als Rabbinacs - Affeffor nichts mehr im Wege stand, und alsdann laut Staturen verfahren wurde. Zu welchem Behufs Herr Pappenheim der Ocffentlichkeit den Vorbehalt ankündiget, daß Dr. Geiger sich während zweier Jahre jeder Ritualentscheidung enthalten müsse, ist unerklärbar; doch wol nicht etwa, um den Orthodoxen einen Fingerzeig geben zu wollen, daß sie bei etwaiger Ritualentscheidung sich ja nicht an Dr. Geiger, sondern an einen Anderen zu diesem Behufs angesiellten Rabbinats-Beisitzer, zu wenden haben? 'Bedarf es der Oeffentlichkeit dieser Zurücksetzung, oder sinds sonstige Gewissensscrupel, die H.err Pappenhcim . bei Ritualentscheidung damit verbunden wissen wollte. Dr. Geiger bleibt, ohngeachtet ihm diese Ritualentscheidung genommen wird, immer noch der allgemein Geschätzte und Geachtete; mögen auch jene Widersacher seine theologischen Schriften freisinnig finden; mögen sie seine Religions-Ansichten immerhin verdächtigen wollen; mögen sie seiner Auslassung über das „Wesen" der Form im Glauben, geflissentlich andere. Auslegungen unterschieben; mögen ferner von überall von Leuten, im Rufe der Frömmigkeit stehend, Berichte eingehen, welche ihren Tadel über die getroffene Wahl des Dr. Geiger aussprechen; es bleibt Alles dessenungeachtet fruchtlos, und tritt beschämt vor diesem Unvergleichlichen.zurück. . Jener erste, von diesem großen Geiste gehaltene-Vortrag, hat zu . tiefe Wurzel gefaßt, und dürfte schwerlich wiederum entwurzelt werden können. Getrost kann demnach Israel der allerhöchsten Entscheidung entgegen sehen, denn der gerechte König wird auch gerecht entscheiden. Ob nun aber dieser Zustand bei der hiesigen Gemeinde, dev Erfolg sei welcher er wolle, fortbestehen kann, ist wahrlich eine wichtige Frage, welcher ich ganz beitrete, kann aber dennoch bei gleichgesinnter Meinung des Vorstandes mit Zuziehung eines Theiles der Gemeinde, aufs Erfreulichste, und zur Zufriedenheit . Aller, ausgemittelt werden; jedoch muß dabei nicht außer' Acht kommen, daß sammtlichen Uebelstanden und Gebrechen, welche sich in und außerhalb der Synagoge vorsinden, dem Zeitgeist gemäß mit Kraft und Ausdauer, ohne jene Finsterlinge zu fürchten, beseitiget werden; -dann dürfte ein schönes Festhalten gemeinschaftlich unter Israel zu Stande kommen, und immer mehr und mehr das Gute für Kirche und Staat heilsam befördert werden. ' Dbas, in Breslau. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 21. Juni. Angekommon: 'iLV, übersetzt von W. und L. Schlesinger, Heft II. Frankfurt am Main. — M oseö b e n Esra aus Granada. Von.Leopold DukeS. Altona. — rni von Salomon R» sen thal fit Pesth. Ofem — Programm zur öffentlichen Prüfung der israelitischen Gemeinden- und Freischule zu Danzig, von Dr. Bram. Danzig. — . Frankfurt am Main, 10. Juni. (Privalnii'tlh.) Neulich ist hier erschienen: Nerhivoth Olam oder der wahre Israelit — Ein Vergleich zwischen dem modernen Judenthuni und der Religion MoscS und der Propheten (und der Evangelisten ist wohlweislich auf dem Titel supprimrt—) von Rev. A.M' Ca ul, Dr. der Theologie und Prediger in London, nach.dem Englischen herausgegeben von Rev. W. Ayerst A. M>. Dieses Buch ist offenbar ein Ausfluß. der Missions-Gesellschaft, ein Versuch, den 'Talmud und das mündliche Gesetz zu verdächtigen mit starken, wie'wol oft zu ngoristischen Räsonncments, die, wenn auch unter dem anziehenden Titel „der wahre Israelit," nur die Tendenz der Bekehrung haben. Wenn man gegen den Talmud Eisenmenger excerpirt und dem eine Anthologia evangelica gegenüber stellt, so ist man hintennach natürlich im Rechte. Uebrigens ist der Tonkeineswegs Eisenmengerisch, sondern vielmehr einschmeichelnd, missionärisch-süß. B e litt ristik. Der Flüchtling aus Jerusalem. Ich stand auf der Akropolis Athen's. Um mich die Trümmer einer schönen, üntergegangenen Welt. Aber von der einen Seite brauste drunten die Brandung des Meeres an dem ewigen Felsen; von der andern schaute ich über die