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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-07-06 · Heft 79 (6.7.1839) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 79 (6.7.1839)
Date
1839-07-06
Page
Seite 321 (sequence 5)
Language
German
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321 Glogau, 10. Juni. (Prkvatmktth.) Die Feker des Einzuges der vaterländischen Truppen am 17. April 1814 in unserer hiesigen Synagoge, war die Veranlassung zu mehreren Reden, die Herr Arnheim bereits gehalten hat und für die Folge noch halten wird. Wir können uns nicht genugsam freuen über das, was uns gegeben, wie über das, was wir noch zu hoffen haben. Bei dem Lheile der Gemeinde, wo wahre Religiosität vorwaltet, oderbei jenem, wo genügsame Bildung vorherrschend, um die Schranken anzuerkennen, die das Gesetz gebietet, wo also ungelheilte Zustimmung, oder doch mindestens volle Anerkennung dem Inhalte nicht versagt werden kann, ist der Tag einer Rede ein Festtag. Und in der That, wenn zugestanden werden muß, daß der Redner ein Mann voll durchdringenden Verstandes, voll gründlicher Kenntnisse der heiligen Schriften ist, der herangebildet an den edelsten unserer deutschen Schriftsteller durch eine einfache« und erhebende Redeweise die Masse zu ergreifen genugsam befähigt ist, warum sollte es nicht Freude erregen, an geweiheter Statte ein erbauendes, das Nachdenken erregende Gotteswort zu hören? Und so glaubt auch der Schreiber dieses, daß die Wenigen, die entweder aus falschem Eifer, erschreckt durch die ungewöhnliche Form, in der geredet wird, oder das kleine Haustein, das an Mißverstand oder Verblendung leidet, bald in der Erkenntniß des Wahren, Guten und Schönen sich der allgemeinen Theilnahme anschließen werden. Mögen dann die wenigen Repräsentanten des Erdengottes, des Geldes, noch langer in roher Weise abgeschlossen sich verkalken, oder andern Sinnes werden, wir haben eine Bürgschaft in der Einsicht und ver. nünstigen Verwaltung unsers Vorstandes, in der wahren Frömmigkeit unseres ehrwürdigen Rabbknats-Assessors, wir haben Bundesgenossen an dem gesunden Sinne der Masse und eine Stütze an den vielfachen Anhängern unseres erprobten Arnheim, daß ein schön begonnenes Weck ein dauerndes bleiben werde.' Aber eben so haben wir die Hoffnung, daß Herr Arnheim bei seiner ungewöhnlichen Bildungsfähigkeit und bei wahrem angestrengtem Eifer sich auch kn der Form des'Vorträges, die schon jetzt vielfach befriedigt, eine möglichste Vollkommenheit anekguen werde. L. Berlin, 19. Juni. Sr. Majestät der König haben Allcrgnadigst geruht, dem vr.N. Weigersheim Hierselbst, bisherigem Arzte beim Königl. Hofstaate zu Charlottenburg, für die Allerhöchstdenenselben eingesandte Schrift über Wasser - Heilmethode rc. die goldene,Medaille für Kunst und. Wissenschaft zu verleihen.- s —. Die Zeit. f. d. eteg. Welt vom 11. Juni enthält eine biographische Skizze des verstorbenen Professor Gans, worin es heißt: „Die letzte geistige, Handlung seines Lebens war ein schöner Brief an den würdigen Minister von Altenstein, in welchem er feinen lebhaftesten Dank für das von ihm angeregte und bewilligte Zugestandniß aussprach, daß künftig auch auf preußischen Universitäten Studirende jüdischen Glaubens zum Doktor jutis promovirt werden dürfen, wenn die Fakultät es beantragt. Gans betrachtete diesen Fortschritt als einen neuen Sieg der Vernunft, und würdig des Staates, welcher sich rühmt, an der Spitze geistiger Entwickelung in Deutschland zu stehen. Dieser Brief soll überhaupt merkwürdig durch die energische Kühnheit der Sprache und ahnungsvoller Vorgefühle sein. Hoffentlich wird auch er mit in der Herausgabe der hinterlassenen Schriften einbegriffen werden." Diese Nachricht schließt sich an unsere Worre in der jüngsten „Tages-Controls" in vollkommner Uebeceinstimmung an. Breslau, 14. Juni. - (Privatmitth.). Sie haben, was wir allerdings zu würdigen wissen, den Ihnen übersandten Aufsatz Pappenheime r's in der hiesigen Zeitung, in No. 71 ausgenommen, und werden Sie einigen berichtigenden Worten den Platz nicht versagen. Ohne Schlußfolge aus dem Pappenheimschen Aufsatze entnehmen zu können, da auch eine solche selbst von Seiten des Verfassers vielleicht nicht zu erzielen war, und derselbe wahrscheinlich nur beabsichtigte, der Welt sagen zu wollen „ancl^e io sono pittore/*' um die aufgeregten Gemüther der hiesigen israelitischen Gemeinde fortwährend im Eifer zu erhalten, und nicht erkalten zu lassen, so ist es sehr befremdend, daß Hr. Pappenheim, welcher noch bis Ende vorigen Jahres dem Gemeinde-Vorstände angehöcte, ja sogar dem Activ-Vorstande angereiht'war, und mithin auch wahrend seiner Verwaltung, die Geigersche Angelegenheit nur zu oft berathen und besprochen wurde, nicht damals schon dieselben Mißbrauche rügte, und gleichzeitig Mittel zur Abhülfe derselben vorschlug, welche heute von ihm der Oeffentlichkeit preisgegeben werden, und deren Ausführung zur Versöhnung Aller, sehnlich wünschet. Gemeinsames Wirken, besonders mit dem Gemeindevorstand wäre wohl s. Z. nicht ohne Erfolg geblieben. Dies beseitigend, so möge Herr Pappendeim entschuldigen, wenn gegen einige Sachangaben, vielleicht von ihm unrichtig bezeichnet, Ausstellungen gemacht werden. Welche Anmaßung vom Herrn Verfasser, die Angelegenheit eines vr. Geiger mit den Worten zu begleiten „diesem Ereigniß wird ein Anstrich von Wichtigkeit gegeben," dann, „als wenn es sich um eine Lebensfrage handle, von deren Entscheidung das Wohl und Wehe der Juden bedingt fei." Ist etwa die Anstellung eines vr. Geiger ein minder wichtiger Gegenstand? ich glaube'wohl, die Anstellung eines Rabbinats-Beisitzers, wie vr. Geiger, sei die wichtigste Lebensfrage für unsere Gemeinde, und wenn dieser Besetzung durch vr. Geiger getrost entgegen sehen dürfen, so stehet für unsere Gemeinde nur Wohl, bei zurückweisender Besetzung aber, leider nur Wehe bevor; mithin wahrlich keine geringfügige oder alltägliche Begebenheit, wie Hr. Pappenheim solches glaubt; dahingegen ist die Meinung des Hrn. Pappenheim, als bekümmre die Regierung sich nicht um die kirchlichen Angelegenheiten der Juden, geringfügig und alltäglich; des gerechtesten Königs israelitische Unterthanen haben sich in allen Angelegenheiten, mithin auch den kirchlichen, dessen hohen Schutzes sowol, als auch des der zu diesem Behufe beaufsichtigenden Behörden stets zu erfreuen gehabt, mithin auch wir der baldigen Beendung der kirchlichen Angelegenheit, Betreff vr. Geigers, und dessen zu erfolgende Anstellung, zur Freude aller Israeliten, entgegen sehen dürfen. Wenn hierbei nun die Orthodoxen angeklagt werden, daß sie sich dem Streben nach wahrer Erleuchtung entge-

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