Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 79 (6.7.1839)
- Date
- 1839-07-06
- Page
- Seite 320 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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320 und Schulwesen hochverdienten Herrn Schulrath Meyer — beruht auf den Grundsätzen der Freisinnigkeir, deö Achtung vor der Gewissensfreiheit, und verherrlicht sich in dem Streben , das religiös sittliche Leben der Israeliten zu ihrem Heil und Segen zu fördern und zu festigen. Als besonders beachtungswerthe Punkte des Statuts sind hervorzuheben, daß die Israeliten Mecklenburgs in ihrer Gesammtheit als eine kirchliche Gesellschaft anerkannt sind, und nicht bloß ein aus zwei landesherrlichen Commissarien (Kanzleirath Müller und Schulrath Meyer), dem künftigen Landesrabbinen und fünf israelitischen Deputirten bestehender-Oberrath constituirt ist, welcher über die religiösen Interessen der mecklenburgischen Israeliten wachen soll, sondern auch der künftige Landesrabbine, über dessen Qualifikation und Wirkungskreis das Statut specielle Vorschriften enthalt, aus der großherzoglichen Civil - Administrationskasse eine Gehaltszulage von 200 Thlr. erhalt, an den Wohlthaten der Wittwenkasse Theil nimmt und in best Rang eines großherzoglichen Dieners eintritt. . (Wir werden das Statut in den nächsten Nummern vollständig mittheilen. Redakt.) . München, 14. Juni. (Privatmktth.) Trotz allen unablässigen Ringens und Kämpfens, trotz der Ministerialrescripte, die den Gemeinden tüchtige Prediger anzustellen auftragen , haben die Hyperorthodoxen kn Unterfranken, durch die Fürsprache eines hochgestellten Mannes, es zu bewirken gewußt, daß ein Krämer aus Wiesenbrunn, der früher zu Fürth den Talmud studirte, - von wissenschaftlicher Bildung aber auch keine Idee besitzt, zu einem Examen zugelassen werden darf, und dann als der tüchtigste Aspirant um die hochwichtige Würzburger Rabbinenstelle auftceten wird. Ich habe alle mögliche Achtung vor seinen talmudischen Kenntnissen, allen möglichen Respect vor seinem religiösen Lebenswandel, aber wie sott ein Mann, der aller, aller Wissenschaft fremd ist, in der Hauptstadt eines Kreises, der 15000 Juden hat, als erster Rabbine in einer Zeit functioniren, wo ein reges, kräftiges Einwirken nach Innen, eifriges Bestreben, das Judenthum in seinen Grundsätzen und Institutionen so achtbar und.ehrwürdig herzustellen, so dringend Noch thut? Wie sollte ein solcher Mann Gemeinden vorstehen , können, in denen eine große Zahl Mitglieder ihn weit unter ihrer Bildung erachten müssen, und den außerdem sein früherer Stand aller geistlichen Würde, beraubt? Fürth, 16. Juni. (Privalmitth.) Am 14. dieses erließ der hiesige Magistrat eine öffentliche Erklärung, daß in der Entscheidung der könrgl. Negierung von Mittelfrankcn, deren Abschrift Sie in No. 61 mitgetheilt, ein Fehler vorgegangen sei, dessen Korrektur auf amtliche Veranlassung erfolge. Nach dieser muß nemlich der Satz: „es ist der bestimmt und entschiedene Witte" rc. folgendermaaßen lauten: „.Es ist der bestimmte und entschiedene Wille Sr. Maj. des Königs, daß diesem Unwesen mit Ernst und Nachdruck entgegen getreten werde, und enthalt daher die Regierung von Mittelfranken K. d. I. den Auftrag, dem Di-. Loewi eine ernstangemessene Warnung zu geben, und ihn zur gewissenhaften Beobachtung seiner Pflichten, welche derselbe sowol bezüglich seines öffentlichen gottesdienstlichen Wirkens, wie kn Ansehung seines Privatlebens mit dem Rabbinate übernommen hat, unter dem Bemerken auffordern zu lassen, daß er, bei weiter sich ergebenden' Klagen, die Entlassung vom Rabbinate zuverlässig zu erwarten habe." Preußen. . Düsseldorf, 7, Juni. (Pcivatmitth.) Der 14 jährige Sohn des Vorsängers der hiesigen Gemeinde, Julius Eichberg, hatte bei der Anwesenheit Ihrer königt. und kaiserl. Hoheiten.des Kronprinzen von Preußen und des Großfürsten Thronfolgers von Rußland, durch die vortheilhaftesten Zeugnisse des Musikdirektors Felix Mendelssohn Bartholdy empfohlen — das Glück, sich vor diesen hören zu lassen. Herr Ekchberg trug die eben so schwierige als schöne Komposition von E. de Berciot aus A dur vor, wobei ihm der allgemeine und ungetheilte Beifall aller Anwesenden, insbesondere aber die belobende Anerkennung Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen zu Theil wurde, welcher ihm in der. huldreichsten Weise zur weitern Fortbildung seines außerordentlichen Talentes zu ermuntern geruhte,' und ein angemessenes Geldgeschenk auszahlen ließ. Königsberg, 10. Juni. (Privatmitth.) Unter die vielen Tausende, die durch die diesjährige furchtbare Überschwemmung des Nogatstromes hart betroffen wurden, gehören auch die armen Juden in Neutrich bei Elbing. Ein Schreiben aus dem benachbarten Tiegen ho ff vom .23. Mai schildert die Hungersnoth derselben mit den lebhaftesten Farben und stellt die traurigen Folgen jenes Ereignisses mindestens für den laufenden Sommer anhaltend dar. Die Noch der 'armen Neutcicher Israeliten ist um so größer, da die öffentlich veranstalteten Sammlungen ihnen nicht zu gute kommen. Mehrere Gemeinden haben bereits ihre milden Gaben dargebracht und giebt hierüber die Königsberger Zeitung vom 27. Mai vorläufig folgende .Danksagung. > Unterzeichneter beehrt sich einem ihm gewordenen Aufträge zufolge, Namens der Israeliten in Tiegenhoff und Neutrich für die den letztem bei der jüngsten dortigen Überschwemmung wohlwollend gespendeten Gaben den achtbaren Gemeinden zu. Elbing und Danzig, dem Hrn. Schlomann in Oletzko und besonders dem hochherzigen jüdischen Vorstande zu Breslau, ber auch die christlichen Armen daselbst mitleidsvoll bedacht, den gecührtesten Dank öffentlich hiermit auszusprechen. Möge ihr rühmliches Beispiel in andern' Gemeinden Nacheiferung erwecken und so daS frohe Bewußtsein ihrer edlen Bemühungen vielfach verstärkt werden. - Dr. M. Freystad.t in Königsberg. Indem wir diese Anzeige in diesem weit verbreiteten Blatte mitcheilen, drücken wir im Namen jener Unglücklichen den innigsten Wunsch aus, daß sich die tiefste Theilnahme für sie auch in andern Gemeinden kund geben möge, die dann ihre gefälligen Beitrage entweder direkte an den Vorstand der betreffenden Gemeinde, oder an den genannten Hrn-, Dr. Freistadt zur gütigen Weiterbeförderung einsenden können. Gottes Segen wird auf den Gaben wie auf den Gebern ruhen.