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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-29 · Heft 78 (29.6.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 78 (29.6.1839)
Date
1839-06-29
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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II. Jahrgang. sr». 18 Literarisches homiletisches Beiblatt. Leipzigden 29. Juni 1839. Cieero's L^ar'.irloxkL GLoLvvr rii» im Tal nt ii d. (S 6) l u ß.) MosesDiese von dir vorausgeschickte richtige Bemerkung erspurt mir eine eigentliche, weitläufige Nachweisung zu dem zweiten Paradoxon, da ich mich statt einer solchen nur auf den logischen Kanon berufen darf, daß wer die Prämissen als wahr anerkenne, auch die Consequenz zugeben müsse; ich will dir aber dennoch einige mir gerade gegenwärtigen. Stellen angebcn, aus denen zup Genüge hervorgeht, daß die Rabbinen die Tora und die Beschäftigung mit ihr und das Leben in ihrem Sinne als selbstgenugsame Quelle des Glückes betrachteten. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich die Worte des Ben Bag Bag (2fbot 5, 22) ns nVss auch in dem Sinne auffasse, Alles, was dem Menschen zu seiner Beruhigung und Zufriedenheit d. i. zu seinem Glücke nothwendig ist, vermöge er in der Tora zu finden. Solltest du aber diese Auffassung als eine zu weite und eben deshalb falsche betrachten, so berufe ich -mich auf das' herrliche Sprichwort, das in der Schule zu Maaraba im Gebrauche war (Nedarim 41, 1) rrn ns Nbs ivs SrrVn irs (sc. isx^s) nss ■»5p JT/2 * •*)»5p NS NI SwiS ">:p NS i“ps N'5 und auf den Ausspruch dcs Rabbi Jacob (2lbo. IV, 17) Nü-> sHb bss rHbs (* nsin Hü nriN wo. Diese Behauptung beweist um so mehr, daß die Uebung der Tora das höchste Glück verschaffe, als ja nebenan die andere gestellt ist bs?a snbs ms nsrp Hü nnN wa Sss^?Hb ■>m. Willig unterzogen sich auch die Rabbinen für die Tora den größten Leiden, ja sogar dem Tode, ohne sich deshalb unglücklich zu fühlen. Bewiesen wol Rabbi Akiba (Berachot 61,2) und Rabbi Chananiä den Tardjon (Ab'oda Sara 17, 2), die trotz dem strengsten Verbote und der darauf gesetzten Todesstrafe es nicht unterließen, ihren Unterricht in der Tora zu ertheilen, oder Rabbi Jehuda den Baba,(Sanhedrin 14, 1) der bei gleicher^ Gefahr die yytQoötoia vornahm, und die sammtlich auf die grausamste Weise gemartert und gemordet wurden, nicht eben so viel Muth und Seclcnsiarke als Regulus und Cato und Scneca? Denn ich substituire diese beiden wahrhaft großen Männer für den von Cicero in besondere Affection genommenen0o) •) So liest Rabbi Samuel ben Meir statt des gewöhnlichen!ssYün. •*) S. orat. post reditum ad Quirites 8; in Pison. 18 u. 19 und pro Rabir. IO. 3um Theil mag dieö in der Vorliebe für seine Vaterstadt Arpinum — wo auch Marius geboren war — seinen Grund gehabt haben. und darum wol auch hier, obgleich mit großem Unrechte, als Beispiel angeführten Marius; zeigten sie nicht eben so viele Hingebung und Aufopferung? Und starben sie nicht mit derselben Ruhe? 'Levi: Jetzt ist es, glaube ich, an der Zeit, meine Zweifel gegen deine Zusammenstellungen und Vergleichungen anzubringen, da du immer kühner darin zu werden drohst. Diese Zweifel sind aber doppelter Art. Zunächst kann. Nach meinem Dafürhalten, die Selbstaufopferung großer Römer und der Rabbinen und die Geringschätzung irdischer Güter, die beide so oft beurkundeten, nicht mit einander verglichen werden, weil die Motive zu diesen Erscheinungen bei beiden so sehr verschieden sind. Bei den Römern war diese Hingebung und Aufopferung das reine. Erzeugniß ihrer Ueberzeugung von der Vortrefflichkcit der Tugend und ihrer Begeisterung für dieselbe. Sie konnten auf keinen Lohn für ihre Großchatcn und Leistungen und Anhänglichkeit an dem Guten, die sie mit dem Tode besiegelten, hoffen, da ste^die Seele für sterblich hielten, (Diog. Laert. Vif, 157) und somit an keine Belohnung und Bestrafung nach dem Tode glaubten. Ihr Tugendheroksmus war also ein völlig uneigennütziger. Anders verhalt es sich mit den Rabbinen. Ihnen war das Gute, daS sie verrichteten, und die Opfer, die sie für dasselbe brachten, eine Aussaat, deren Ernte sie mit der größten Zuversicht erwarteten, und je größeralso jene war, um so reicher und ergiebiger, hofften sie, werde auch diese ausfallen. Aber, wenn du auch diesen Einwand gegen deine Vergleichung zu widerlegen oder zu beseitigen wüßtest, sie würde mir dennoch als eine mißlungene erscheinen. Die von Cicero ausgeführten Römer sind welthistorische Personen, sie standen auf den Höhen des Lebens, - waren Hebel zu mächtigen Erekgniffen, und traten mit glänzender Würde und Größe von dem Schauplatze ab, auf bem sie mit Würde und Größe gewirkt hatten. Wie klein sehen neben ihnen deine Rabbinen aus, deren Schule ihre Welt.war, in der sie sich in stiller Zurückgezogenheit bewegten, umd aus der sie auf gleich geräuschlose, unansehnliche Weise entfernt wurden. MoseS: Ich könnte dir auf den ersten Theil deiner Gegenrede erwidern, daß die Stoiker (denn nur in Beziehung auf sie hat deine Einwendung Kraft, da die Römer/welche nicht den Lehren einer philosophischen Schule Gehör schenkten, und unter ihnen wahrscheinlich auch Regulus, in Folge der Mythen allerdings der festen Zuversicht waren, daß die Seelen der Guten in glückliche Gegenden versetzt würden, wo sie unaussprechliche Wonne genössen, die der Schlechten aber arge Pein und gräßliche Qual zu ertragen hatten) wenn gleich nicht an-eine ewige, doch an eine temporäre Fortdauer der Seele nach dem Tode glaubten, (Diog. Laert. * 1. e. Cic. Tusr. ({uaest. I, 31 f.), und daß sie namentlich

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