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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-29 · Heft 78 (29.6.1839) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 78 (29.6.1839)
Date
1839-06-29
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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316 stell»ng der Vorzüge Mosis als Gesetzgeber und der mosaischen Gesetzgebung. An dieses schließen sich daher die Schriften: mol yikttvi+Qwm'Ks „über Menschenliebe," worin alle Gesetze MosiS, die diesen Charakier haben, besprochen werden; rä mol öiy.tiaiov „über den Richter" die Gesetze über Gerechtigkeit; mol xaTuoiämofg uQxovrog „über die Wahl eines Oberhauptes" von der mosaischen VolkSfrciheit, avdqiag „über die Tapferkeit" enthält die mosaischen Kriegsgesetze. Hierauf folgen die Schriften über die Jehngebote, jedoch gehen das 4., 5., 8., 9. und 10. Gebot leer auö; mql ntQiTopijg „über die Beschneidung" macht den Schluß. Das dritte Buch des Lebens Mosis enthält die Schilderung und allegorische Auslegung der gottesdienstlichen und priesterlichen Einrichtung. Hierzu gehören nun die Schriften: mt>C [lovaqxutg, zwei Bücher, deren erstes die Einheit Gottes, zweites die Einheit des Gottesdienstes behandelt; und vier Schriften über. Opfer. DieS-fmd diejenigen Schriften Philo's, die, wie wir oben bemerkt, einen fortlaufenden Commentar zu den .5 Büchern Mosis bilden, dennoch aber ein für sich bestehendes, gegliedertes Ganze ausmachen. Wer mit dem Schriftwesen der Alten vertraut ist, dem wird dies sehr einleuchten. Ihr schriftstellerisches Wesen hat immer eine Tendenz zum Encyclopädismus, hingegen waren voluminöse Schriften bei der Mangelhaftigkeit ihres Materials unmöglich — daher setzte sich ein Autor einen bestimmten Plan, trennte den Gegenstand in viele kleine Parneen, die er nun, bisweilen durch sein halbes Leben, nach einander in kleinen Schriften behandelte. Diese nun, wie sie meistens mit der Zeit unter einander gerarhen, zu ordnen, ist die Aufgabe der höhern Kritik. So hat Schleiermacher den Zusammenhang der Platonischen Schriften in seiner Nothwendigkeit nachgewiesen. So, was um Vieles leichter war, habe ich die naturphilosophischen und naturhistorischen Schriften des Aristoteles sPodaliriuS, Heft I. 61 — 109) in ihre Ordnung zu bringen gesucht. Außer diesen unter einander zusammenhängenden Schriften, die wir in drei Bände gestellt, haben wir noch einzelne Schriften Philo's, welche sich auf den gewöhnlichen griechisch-philosophischen Gebieten bewegen, und wo er theils mit den Stoikern zusammentrifft, wie in „daß der Tugendhafte allein frei ist," theils mit Aristoteles, wie in „daß die Welt unverderblich ist." — Remini Scenzen über jüdische Literatur und Cultur und Bericht über hundert n eu er schi en ene hebräische Schriftwerke. DasPrincip der modernen jüdischen Cultur wird sich nur dann vollkräftig, erwärmend und bildend entwickeln, wenn neben der Besprechung der jüdischen Zeitinteressen noch so viel Muße^ und Lust übrig bleibt, alle Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur zusammenzufasien und in daö Bewußtsein des Geistes der Israeliten zu bringen. Die Literatur ist das Selbstgefühl des Geistes; sie ist das Bewußtsein und die Gewißheit in dem Gährcn und Treiben desselben. Erscheinungen reifen,an Erscheinungen heran und niemals ruht das Leben des Geistes, niemals ist es thaklos gewesen. Dieses organische, einheitliche Wesen der Literatur ist erst in der neuesten Zeit durch die vorherrschende historische Richtung erfaßt worden,' die jüngst vergangene Periode, wie die noch lebenden Trümmer hinlänglich zeigen, hatten in ihrem mehr negativen Streben keine Ahnung von diesem Einheitsmomente. Zur Zeit der Schüler des unsterblichen Mendelssohn sah man nun, wie. sich Glieder von dem Ganzen abschieden, wie das wärmende Lebensfeuer nicht mehr durch den ganzcnKörper strömte, und selbst Fromme glaubten eine nahe Verwesung zu wittern, obgleich ihr Herz von heiliger Trauer erfüllt war. Aber was lehrt die Neuzeit? Selbst in jener Verwesung' gab es ein dunkles, geheimnißvolleS Treiben und Gähren des Geistes, die scheinbar todten Glieder erwachten durch den verklärten Geist zu einem organischen, erstarkenden Leben. In der Zerrüttung vor einem Jahrzehend lag der Keim und die Hoffnung'zu einer zukünftigen Blüthenzeit. Eine solche Ansicht von der Gegenwart schwebte mir beständig vor Augen, als ich so die literar'- historischen Skizzen mitthcilte, und nur harmonisch mit dieser Ansicht setze ich meine lirerar'-historischen Bemerkungen fort, und zwar durch eine Miciheilung über hundert hebräische Schriftwerke der Neuzeit. Diesmal werde ich die Miltheilung mit Notizen begleiten, so weit ich glaube, daß sie als Beiträge für die äußere Geschichte der jüdischen Literatur brauchbar werden können. Wenn aber Mittheilungen der Art nur Fragmente sind, so bitte ich zu bedenken, daß bis jetzt das Literaturstudium nur ein Fragment ist, daß aus einer erst in Zukunft-möglichen Verbindung der Glieder ein wohlthätiges, lebenskräftiges Ganze erstehen kann. In meiner Musterung werde ich weder dieZeitfolge noch die Rangordnung beobachten; therlS deshalb nicht, weil eine organische Gliederung bei der ungeheueren Zersplitterung nicht möglich ist, theilS weil an einen Fragmcntisten eine solche Forderung in der 'Regel gar nicht gestellt wird. Es bleibt mir nur noch zu bemerken übrig, daß ich in meiner Centurie nur hebräische Werke, in so fern sie entweder neue Produktionen, oder zuerst herausgegebene Handschriften, oder auch ältere Werke mit neuen hebräischen Commentarcn, berücksichtigen werde, hingegen bloße Abdrücke älterer Werke, oder Verdeutschungen längst gedruckter, oder überhaupt moderne deutsche Werke über jüdische Literatur für setzt nicht berücksichtige. (Fortsetzung folgt.)' Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Aufforderung. Der Färbergeselle Bernhard Simon, der am 3. Mai 1838 zum letzten Male aus Presburg an seine Eltern schrieb, sich zuletzt daselbst und in Pösing aufhielt, von da über Trentschin — wo er einen Paß zu erhalten glaubte — nach Tyrol und der.Schweiz zu reisen beabsichtigte, seitdem aber nichts wieder von sich hören ließ, wird hiermit aufgefordert, Nachricht von sich zu geben, so wie auch Alle, die ihn in diesem Jahre kennen gelernt, dringend ersucht werden, über ihn Auskunft an den Unterzeichneten zu ertheilcn, und keine Kosten zu fürchten.- Magdeburg. Abraham Simon, Küster der israelitischen Gemeinde. Gasthof-Empfehlung. Beim Herannahen der Badezeit empfehle ich meine Gastwirthschaft dem reisenden Publikum, und besonders denjenigen, welche die hiesigen Heilquellen bedürfen, die Lage meines Hauses ganz in der- Nahe der Bader, womit ich eine Vereinbarung getroffen, habe, daß meine geehrten Gaste zu sehr billigen Preisen jede Art von Badern erhalten, durch pünktliche und reinliche Bedienung werde ich ferner die Gunst des reisenden Publikums zu erhalten suchen. S. Cohen in Aachen. Redacteur: vr. L. Philippfov. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld. (Hierzu das literar. und homile t. Beiblatt No. 18.)

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