Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 78 (29.6.1839)
- Date
- 1839-06-29
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
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315 gen-Reglement, enthaltend die Verhaltungs-Vorschriften!m Eebethause, hinzu: I) daß man sich jedes Gesprächs, wahrend des Gottesdienstes, oder jeder sonstigen störenden Aeußeruug, auch beim Ein- und Ausgehen, gänzlich enthalte. 2) Das Sich- Niedersetzen und Erheben vom Sitze geschehe ohne Aufsehen zu erregen. 3) Da das häufige unbestimmte Auft stehen der versammelten Gemeinde zu viel Störung machen würde, so erhebt sie sich nur'bei folgenden Gebeten 2^172 u. f. w. beim Gebete für den Landesvater u. s. w. 4) Alle Gebete, die vom Vocbeter ('ftN) laut vorgetragen werden, hat man nur leise'mit zu beten, und sich besonders zu enthalten des vorlauten Mitbetens, des Einfallens, des Intonirens u. s. w. 5) Die vom Chore vorzutragenden Stellen bete man zwar laut in dem' von ihm angegebenen Tone mit; man störe aber nicht durch voreiliges Einfallen die Ordnung des' Gesanges. 6)*) Die nVsn ist in stiller Andacht zu verrichten, und wahrend derselben, so wie während der hmnin niopp , iTiüsn rc. ist die tiefste Ruhe und feierlichste Stille zu beobachten. Au den liturgischen Verbesserungen gehört zunächst, daß weder bei Wochen - Sabbat - Fest -Morgen-und Abendgebeten, noch bei sonstigen gelegentlichem Gottesdienste, Jemand Anders zum Vorbeten zugelassen wird, als dir, welchen amtlich diese Functionen übertragen sind. Es werden daher die Kadisch - Gebete vom Vorsänger vorgebetet, und alle Leidtragende (ü^bsN) beten diese, zwischen der Tribüne'und der heiligen Lade, zusammen stille nach. Die Kohanim singen' das pn einstimmig, nach der mit denselben einstudicten, dem Feste entsprechenden Melodie ab, und diejenigen, die nicht zu singen vermögen, sprechen die Wörter mit gedampfter Stimme aus, so daß die Harmonie nicht unterbrochen wird. Der Sabbat- und Festgottcsdienst wird mit Chor, bestehend aus 3 Assistenten und 12 Chorknaben""), abgehalten, welcher unter dem Gottesdienst seinen Platz auf der Tribüne hat, °) Die Anweisungen unter 2, 5, 6, werden leider noch immer von einem nicht sehr unbedeutenden Theile der Gemeinde zum größten Nachtheil des schönen Gottesdienstes zuin Lheil nicht befolgt. Ein incurables Uebcl der HauSsynagogen, wenn man bedenkt, daß die Gemeinde, 400 Familien stark, ungefähr 500 Cullusrheilnehmer zählte, die auf 15 Synagogen venheilt waren, so daß auf jede 30 kamen, von denen wenigstens der 3. Lheil Synagogen-Functionen hatte. Correfp. *°) Diese werden aus der Freisckule (ein Institut für Armen-Kinder) wo sie überdies Unterricht im Gesang haben, genommen und completirt. Zu wünschen ist, daß auch wohlhabende Eltern ihre Kinder dazu hergäben; denn dadurch, daß die AuStrctcnden wieder in die Gemeinde eingcreibet werden, amalgamirt sich die Gemeinde um so geschwinder mit dem Chor. Lörresp. (der Vorbeter trägt, selbst an Wochentagen, hier das Gebet vor) und verläßt diese .nur während des Toralesens Np. — Für den Gottesdienst an diesen Tagen ist dem Vorsänger die Anweisung gegeben, bei der Wahl der Tonstücke alles Ueberfüllte, jedes Gesuchte, Künstliche, wieüberhaupt den sigurirten Gesang zu entfernen. Um jedoch dem Gesang möglichst Vollständigkeit zu geben und vollkommene Harmonie unter den verschiedenen Stimmarten zu erhalten, werden die hervorgehobenen und besonders zu bezeichnenden Stellen vierstimmig vorgetragen, und dw dazu bestellten Personen theilen sich in Sopran-Alt-Tenor - und Baßstimmen. Wir glauben,, unfern geehrten Lesern am Besten einen Begriff von dev jetzigen Gestaltung des Gottesdienstes beizubringen, wenn wir hier den Morgen-Gottesdienst eines Wochentages beschreiben. Von vorn herein bemerken wir, daß der amtliche Vocbeter das Gebet Wort für Wort vorliest, und die Gemeinde ihm leise folgt, und Letztere läßt sich nur in stärkerem, jedoch.nicht wirrem Tone, und soviel wie möglich unisono vernehmen in , vf'zitri'z, pK SOTs, ba-ni)“1 , 'nttnpp u. f. w.' Der Vorbeter beginnt mitAdon Olam, fährt fort bis ■d's, worauf er dann laut spricht die ns^y rDpa, u. s. w. Insbesondere fallt die Gemeinde laut ein bei folgenden Stellen, als bei firne und im ■»‘hon , bei dem ersten Vd , welches der > Vorsänger wiederholt bei ptt äViy^ pfi2 pitfi und dem darauf folgenden pio ps$, bei lifiEJin 'Ms und pba1 'n in der fi'-fiiü und bei dem darauf folgenden 'löi , bei tfiip bis Ifii22 und 2W bis fifiix, (das ganze Schema-Gebet recitirt der Vorbeter nach vorschriftsmäßiger Accentuation), bei lü’rtp bis ms., ‘ynn bis impn und in mi, bei 'Lfidtti 'bis fcon in tnby, das besonders feierlich gebetet wird. Nach Beendigung des letzten Kadisch recitirt der Prediger, oder in dessen Abwesenheit ein von ihm dazu Beauftragter Amar Nabbi Eliesac, warauf der'Vorbeter laut das üfifip vor-, und die Leidtragenden leise nachbeten. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Salon. (Fortsetzung.) (Fortsetzung des Zusatzes vom Redakteur über die Philonianischen Schriften.) Dieser dritte Band der Philonianischen Schriften hat die Eigenthümlichkcit, daß die 3 Bücher des „Lebens Mosis" die Hauprstelle einnehincn und sammtliche andere Schriften, die hierher gehören, Anhänge und specielle Ausführungen zum zweiten und dritten Buche dieser Schrift sind. Das erste Buch nämlich umfaßt die Geschichte Mosis von seiner Geburt bis zu seinem Tode, bedurfte also keines Anhangs. Das zweite Buch giebt eineDar-