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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-25 · Heft 76 (25.6.1839) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 76 (25.6.1839)
Date
1839-06-25
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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307 teste widersprechen, indem das darin angeführte, den Behörden überreichte Promemoria weder abschriftlich dem Vorstande mitgetheilt, noch unseres Wissens in der Gemeinde in Umlauf gesetzt worden ist. Breslau, den 6. Juni 1839. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Tages-Controle. (Schluß.) ' Haben wir so den Verstorbenen als Träger des jüdischen Charakters in dessen Stellung zum allgemeinen Le- . den gewürdigt, haben wir zwar den Mangel an Selbstständigkeit und Muth, durch die Schränkern des bürgerlichen Lebens für den Juden Hindurch, seiner Mission Ge-' nüge zu thun, an ihm beklagt, nichts desto weniger aber diese, zum Vortheile des Judenthums, von ihm erfüllt" gesehen: so wird es uns um so eher gestattet sein, die Haltungslosigkeit einiger Expectorationen, die bei Gans' Todesfälle vom jenseitigen Standpunkte aus geschahen, zu berühren. Wir brauchen es hier nicht erst bemerklkch zu machen, daß seit lange in der europäischen Gesellschaft eine religiöse Reaction sich geltend'macht. Weder ihre Ursachen, noch ihre Tiefe und Breite zu bestimmen, ist jetzt unsre Absicht, wohl aber darauf Hinzuwersen, daß es an der Zeit ist, diese, Reaction rein und sittlich zu halten, und sie nicht in den Charakter früherer Zeiten, in den des Fanatismus und Egoismus, verfallen zu lassen, der den Keim des Todes für Religiosität immer in sich tragt, und den Zwecken, die man als erstrebbar hinstellt, gerade unheilbar schadet. Es ist an der Zeit, klar zu erweisen, daß eine, feindliche Weltstellung zwischen Judenthum und ChristeNthum beiden unermeßlichen Schaden verursacht, sie in ihren religiösen und moralischen Zwecken beschädigt und verhindert. Es ist an der Zeit, nunmehr zu erkennen, daß — besonders von jener Seite, da uns Proselytenmacherei nicht vorgeworfen werden kann — mit dem Gewinne einer Anzahl von religionslosen Individuen, von Namensbekennern und Scheinmenschen durchaus nichts gewonnen ist, .wohl aber durch diese Mäkelei dem reinen Christenthume wie Judenthume unheilbare Wunden durch Generationen hindurch bekgebracht werden. Es gilt diese Wahrheit, welche von Einsichtsvollen schon längst gefühlt und erkannt worden,. allgemein zu machen, und die Würde der Religion, die durch jenes Treiben so tief verletzt wird, wieder zu restituiren. Man stelle doch endlich die. Resultate jener Bestrebungen, daß, während dem Judenthume seit 1816 — 3000 Individuen entzogen wurden, es w dieser Zeit in Europa sich um Hunderttausend seiner Bekenner vermehrt hat, mit der Ueberzeugung zusammen, wie oft und wie sehr durch die angewandten Mittel, die Religion erniedrigt, und die widerstrebenden Gesinnungen und Empfindungen in den Herzen der beiderseitig,en Bekenner genährt werden. Mit großem Lobe wurde es kn den Zeitungen ausposaunt, als ein Zeugniß sstr die Humanität der Zeit, daß bei dem Begräbnisse des Prof. Gans zwei christliche Geistliche die Verwandten des Verstorbenen, „die sich Nvch zur mosaischen Religion bekennen," als Leidtragende in die Mitte nahmen. Man könnte es ebenso als Zeichen der. Humanität unsrer Seits geltend machen , daß Juden dem Trauerzuge eines Mannes, der sich nicht mehr zu ihnen bekannte, folgten, wenn überhaupt das ganze Verhaltniß nicht so natürlich und sich von selbst verstehend wäre, daß das darüber gebreitete Lob eher für ein G.egenzeugniß gegen die Humanität der Zeit, wo solches noch lobenswerth erscheinen könne, gelten möchte. Aber mit tiefem Unwillen muß man lesen, daß sich die Verwandte des Prof. Gans „noch" zur mosaischen Religion bekennen. Welch' bezeichnendes und verletzendes „Noch!." Wi-e charakteristisch für die Nichtigkeit des modernen Wesens, wo das Halten, oder Trennen in Bezug auf Religion als ein Spiel der Mode angesehen wird, wo es als bloßer ZuM bemerkt wird, daß der und der noch Jude sei, wo es auffällig gefunden wird, daß der und der noch nicht mit dem Strome geschwommen, sondern aus tieferen und inneren Motiven seine Religion zu bekennen nicht, aufgehört-hat. Da habet ihr den „eitlen Charakter der modernen Philosophie, oder besser des modernen Philosophireus, dessen Anlage anstatt positiver Begründung, nur apologetisch ist, und das sich dazu versteht und hergkebt alle Erscheinungen der Zeit, und wurzelten sie an.dem bodenlosesten Leichtsinn, in der haltungslosesten Leichtfertigkeit, zu entschuldigen,, und ihnen ein allgemeines, organisches Motiv unterzuschieben. Wollen wir ein Gemälde entwerfen von jener Gesellschaftlichkeit, in dev.alle geistige Nuancirung, jede kräftige Selbstständigkeit zerdrückt, jede in sich begründete Eigenthümlichkeit beseitigt' wird, ohne dabei das stoftlge Leben der bürgerlichen Welt im Geringsten, .aus.dem Bereiche der Monopole und Beschränkungen ziehen zu wollen? von. jener Gesellschaftlichkeit, in der jeder mackirten

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