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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-25 · Heft 76 (25.6.1839) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 76 (25.6.1839)
Date
1839-06-25
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 ihrer Sprache, ohne ihre Leiden zu thellen, was müssen nicht die zu erreichen hoffen, die ihre Seufzer verstehen? Ich habe die Initiative ergriffen, um die polnischen Juden in Frankreich zu rechtfertigen.-' Thun>Sie das Ihrige in Ihrem Kreise, Ihre Anstrengungen werden von allen gcoßmüthigen Herzen, und besonders von den Israeliten selbst unterstützt werden. Wir werden bald eine Zeit sehen, wo nicht mehr gefragt wird: welcher ist. dein Glauben, deine Religion? sondern: welche sind deine Handlungen, welches dein Betragen? . JeanCzynski. Metz, 12. Juni. (Privatmitth.). Herr Tsarphati hat abermals dem Courckee de la Moselle zwei Briefe übergeben, denen bald ein dritter folgen soll. Der Gegenstand derselben ist eigentlich eine Biographie des verstorbenen Ensheim (No. 62). Ec nimmt aber davon Gelegenheit das frühere jüdische Unterrichtssystem zu schildern, und mit Hellen Farben dessen tiefe Gesunkenheit zu malen. Hier freilich gesteht er gern, daß die neuere Zeit bei den Juden herrliche Fortschritte bewirkt habe. Ich gebe Ihnen, abgesehen von jenen Schilderungen, einige Notizen über Ensheim selbst, so wie einige Gedanken Tsarphati's bei dieser Gelegenheit, auszüglich. — „Moses »Ensheim ist zu Metz gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts geboren, von unbemittelten Eltern, und in dem damals ausschließlich von Juden bewohnten Quartiere. Da er frühzeitig treffliche Anlagen zeigte, wurde er schon im zarten Alter für die Theologie bestimmt. „Ensheim war der Nestor der französischen Reformatoren, der letzte Schüler jener großen Schule Mendelssohns, deren Einwirkung so mächtig, so. ausgedehnt war." „Ensheim hat, vor seinem Tode die Rente von 12000 Franks, dem Viertel seines Vermögens, der israelitischen Elementarschule zu Metz vermacht." — „Unsere religiöse Reform ist bestimmt, drei unterschiedene Phasen aufzustellen, nach und nach drei Entwickelungsperioden zu durchlaufen. Die erste Periode ist die des Unterrichts (de i’enseigne* ment,): einige Männer von höherem Geiste, die Meinungen der Masse sich selbst überlassend, fahren gezwungen (?) fort, mit ihr zu leben*), wählen sich einige Schüler, denen sie mündlich' neue Meinungen miltheilen, die Ideen des Fortschritts, die Mittel dahin zu gelangen, dies Alles mit vieler Zurückhaltung, mit Beschränkungen, welche die Klugheit vorschreibt; Alles dies geht in Unterhaltungen, in philosophischen Diskussionen, gleichsam bei verschlossenen Thüren vor; es ist dies die accoatische, die innerliche, geheime. Periode. Dieser folgt die literarische, die Periode der Oeffentlichkeit: Männer, unabhängig durch ihre Stellung, und, was seltner ist, unabhängigen Charakters, veröffentlichen, was sie von ihren Meistern gelernt, die Resultate ihres eigenen Nachdenkens hinzufügend. Da wiederhole» und entwickeln genugsam verbreitete Schriften unaufhörlich unter tausend verschiedenen Formen mit Klarheit die Wahrheit zu Jedermanns Verstandniß, bis ein Jeder sie .selbst gesunden zu haben glaubt. So führen sie nach und *) Was konnte wol einen Mendelssohn zwingen d nach jene Umwälzung in den Geistern herbei/ welche der letzten Periode immer vorhergehen muß, die der Ausführung, welche wir noch erwarten." - „Dies-sind -die drei Perioden, welche wir . zu durchschreiten haben, bevor' wir an die Verwirklichung der Reform gelangen. Seit 1656, der Zeit des ersten. Wunsches für unsere äußere Emancipation, bis zu deren partiellen Realisirung im Jahre 1789 verliefen 133 Jahre: wir wollen hoffen, daß es eines geringern Zeitraums für unsere innere Emancipation bedarf. In der Gegenwart werden alle Distanzen mit Schnelligkeit zucückgelegt." Karlsruhe, 6. Juni. Die Emancipation der Juden wirdauch auf diesem Landtage, wie auf dem vorigen, zur Verhandlung kommen, und zwar unter ziemlich günstigen Aussichten. In der Petitions-Commission erfolgte gestern die Abstimmung über diesen Gegenstand, und es ergab sich — zum ersten Male seit dem Beginn dieser Bestrebungen — eine Majorität der Stimmen zu Gunsten der Emanzipation, so daß der Commissions-Antrags auf Gewährung derselben lauten wird. (Wir haben bereits die Veranstaltung getroffen, daß uns die Verhandlungen aufs schnellste und ausführlichste zukommen werden. Re da kt.) Breslau, 6. Juni. Die Aeltesten der hiesigen Gemeinde haben in No. 132 der Schlesischen Zeitung folgende Erklärung veröffentlicht. E vflä v ti n g. In Bezug auf die in der Allgemeinen Zeitung befindliche und in die Breslauer Zeitung No. 128 übergegangene Mittheilung„Die Juden und ihre bürgerliche Gleichstellung" betreffend, erklären wir: daß es bis jetzt nicht zu unserer Kenntniß gelangt ist, daß unter den Mitgliedern unserer Gemeinde, 1200 gegen die Anstellung des Hrn. vr. Geiger zum Rabbinats-Asseffor und nur 120 mit der Wahl einverstanden seien. Der Wahrheit gemäß und wie die Akten darthun, ist eine Protestation gegen die erwähnte Wahl von nur 4 Mit-, gliedern unterzeichnet uns behandiget worden , welche eine von ungefähr 70 nur zum Theil stimmfähigen Personen, deren Unterschriften nachgesucht worden sind, wenn auch ganz formlose Vollmacht beigebracht haben. Es. ist demnach diese Anzahl immer nur als eine sehr kleine und die von derselben ergriffene Maßregel, jedenfalls für eine ftamtenwidrige zu betrachten, da es in den Statuten der Gemeinde ausdrücklich heißt: „Beschlüsse des Vorstandes binden jedes einzelne Mitglied." Es kann daher mit Recht vorausgesetzt werden, daß die Gesinnung der! Mehrheit der stimmfähigen Mitglieder, für die Anstellung ' des Hrn. Br. Geiger sich ausspceche, wie sich dies auch bei der Wahl desselben deutlich herausgestelkt hat, indem von 67 anwesenden Wählern 56 für ihn gestimmt haben. Zu dieser Erklärung müssen wir noch hinzufügen, daß wir einer Voraussetzung des Herrn Verfassers jenes ,in der Allgemeinen Zeitung erwähnten Artikels, auf das bestimm-

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